Bass Hersteller_Orange
Test
7
03.01.2019

Praxis

Keine Frage, der O-Bass besitzt schon ein sehr eigenständiges und durchaus charmantes Design, welches garantiert vielen Tieftönern gefallen wird. Beim Blick auf den preisgünstigen Viersaiter im Retro-Look wird aber auch schnell klar, das den Orangen-Entwicklern das Design deutlich wichtiger war als eine gute Ergonomie oder hoher Spielkomfort. Im Klartext: Der O-Bass bringt eigentlich alle Zutaten mit, die zu einer formidablen Kopflastigkeit führen! Auf der Kopfplatte sitzen schwere Vintage-Mechaniken und der relativ kleine und leichte Korpus schafft dazu nur wenig Gegengewicht. Darüber hinaus sitzt der vordere Gurtpin aufgrund des fehlendes Korpushorns sehr weit rechts, sodass der Neck-Dive abermals verstärkt wird.

Die schlechte Balance führt dazu, dass man beim Spielen ständig mit dem rechten Unterarm auf den Korpus drückt, um den Bass in eine passable Spielposition zu bringen. Die Korpuskanten des O-Bass sind aber leider wenig abgerundet, sodass diese Taktik auf lange Sicht nicht wirklich aufgeht - nach längerer Spieldauer kann der Druck auf den Unterarm schon mal durchaus unangenehm werden!

Wenig zu meckern habe ich dagegen beim Hals des Orange O-Bass. Das relativ flache Profil liegt wunderbar in der Hand und mit den Saitenabständen von 19 mm an der Brücke lassen sich sämtliche Spieltechniken bestens umsetzen. Auch die dicke Hochglanzlackierung auf dem Halsrücken geht für mich vollkommen in Ordnung, obwohl ich zugegebenermaßen eher ein Fan von dezenten Satin-Finishes oder naturbelassenen Hälsen bin. Und die Lackierung beim O-Bass fühlt sich erfreulicherweise nicht so klebrig an, wie bei vielen anderen Budget-Bässes aus fernöstlicher Fertigung.

Beim Thema Setup gibt es bei meinem Testkandidaten Licht und Schatten. Halskrümmung und Saitenlage waren durchaus passabel eingestellt, sodass ich den O-Bass direkt nach der Auspackzeremonie spielen konnte. Verbesserungsbedarf sehe ich allerdings beim Sattel: Die Kerben der zwei höheren Saiten wurden nämlich nicht tief genug gefeilt, was zur Folge hat, dass sich vor allem die ersten Lagen der betreffenden Saiten nicht übermäßig komfortabel greifen lassen.

Einsteiger oder Amateure werden das Sattelproblem in der Regel nicht als Ursache der schlechten Bespielbarkeit identifizieren können, und so bleibt leider oft nur der kostenaufwändige Gang zur Gitarrenwerkstatt des Vertrauens. Mit etwas mehr Sorgfalt bei der Endkontrolle könnte man dem geschätzten Kunden derartigen Ärger leicht ersparen.

Aber genug gemeckert, jetzt kommen wir zu einem sehr erfreulichen Kapitel im Test: Dem Sound des kultigen Orange-Basses! Wohin die Richtung grob geht, dürfte den meisten beim Blick auf den Splitcoil-Tonabnehmer schon klar sein. Selbstverständlich liefert der O-Bass einen simplen und soliden Grundsound, wie wir ihn vom klassischen Fender Precision kennen. Durch die (im Vergleich zur Position beim Fender Precision) leichte Verlagerung des Pickups in Richtung Hals bekommt der O-Bass allerdings zusätzlichen Tiefbass-Schub und klingt insgesamt wirklich sehr wuchtig.

Dem Sound fehlt es aber gleichzeitig nicht an Transparenz, denn auch der Höhenbereich wird etwas deutlicher abgebildet als bei einem typischen passiven Vintage-Preci. Hierzu trägt unter Umständen auch das harte Ebenholzgriffbrett beim O-Bass MKII seinen Teil bei. Wie auch immer, mir gefällt der fette Preci-Sound mit der dezent-modernen Note wirklich sehr gut, und auch die Abstimmung der Tonblende finde ich durchaus gelungen. Auf ihrem Reglerweg liegen viele tolle Klangvariationen, und selbst mit komplett abgesenkten Höhen liefert der O-Bass noch einen brauchbaren Sound.

Ich sehe den O-Bass deshalb nicht nur in den klassischen Rockgenres, sondern auch in anderen Stilrichtungen, wie etwa Soul oder Motown, wo mildere und dumpfere Basssounds mit Preci-Charakter gut passen. Damit ihr euch einen Eindruck vom Klang des Orange O-Bass MKII machen könnt, habe ich wie immer einige Audiobeispiele aufgenommen:

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