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01.10.2020

Offener Brief der Elektronikszene an die Bundesregierung

Die deutsche Elektronikszene fordert in einem von Booking United initiierten Brief Politiker zum Dialog, wegen bedrohter Arbeitsplätze in Millionenhöhe durch Corona-bedingte Schließungen von Clubs und Diskotheken.

DJs, Live-Acts, Produzenten sowie deren Agenten und Manager wenden sich als Musik- und Kulturschaffende der elektronischen Musikszene mit einem offenen an die Bundesregierung, der am 30. September einzelne Minister und Abgeordnete der verschiedenen Bundesländern erreichte. Initiiert von Booking United aus Berlin - einer Interessengemeinschaft aus der Musikwirtschaft - fordert die Elektronikszene aufgrund der dramatischen Situation wegen der Corona-Einschränkungen den Schutz der Branche und Unterstützung für kleine Künstler und Selbstständige ihrer Branche. Booking United ist eine Initiative, der Agenturen, Künstler-Tourneen, DJs und Live-Auftritte von ca. 140 Agenturen und etwa 2500 Künstler und DJs angehören.

In der Szene gewichtige Namen wie Sven Väth, Dr. Motte, Ellen Allien, Mousse T. und Paul van Dyk führen die Initiative an und fordern solidarischen Schulterschluss und die immer noch ausstehende Anerkennung als Part der der deutschen Kultur. So drohen durch die Corona-Pandemie über eine Million Jobs wegzubrechen, ohne eine ausreichende Absicherung der selbstständigen Menschen "hinter Musik und Tanz". Da die Pandemie noch längst nicht überstanden ist, werde der Winter hinter geschlossenen Clubs vorbeiziehen. Es wird um Dialog auf Augenhöhe gebeten - ohne jedoch die Spielstätten-Öffnung zu diskutieren, eine Aufgabe, die den jeweiligen Club-Netzwerken obliegt (LiveKomm, Clubcommission Berlin).

Im offenen Brief wird zunächst herausgestellt, dass die deutsche Elektronikkultur Stars geschaffen hat, wie Sven Väth, Dr. Motte, Paul van Dyk, Marusha, Paul Kalkbrenner und Mousse T., die als Aushängeschilder der Szene gelten. Darüber hinaus haben deutsche Elektronikkünstler*innen nebst ihren Unterstützern und Dienstleistern eine Szene geschaffen, die Milliardenumsätze auf der Welt generiere. Die elektronische Musikszene sei bereits längst Kultur und schätzenswerter Bestandteil des Landes.

Oft sei in der Politik von "inoffiziellen Partyexzessen" von der Gefahr durch Superspreader-Events die Rede. Diese Gefahren könnten aber von Clubs und Spielstätten verhindert werden, wo seit Jahrzehnten die Verantwortlichen der elektronischen Veranstaltungsbranche deren Publikum mit professioneller Fürsorge durch die Nacht begleiten. Hier muss Vertrauen geschaffen werden, es werde ein Leitsystem benötigt in welchem geschulte und wissende Macher*innen im Schulterschluss mit den Behörden arbeiten und Vertrauen schaffen.

In einem weiteren Appell an die Politik heißt es, dass die Elektronikszene nicht Theater, nicht Literatur nicht Orchester und nicht Film sei, sondern Nischen schaffe, in denen Menschen ihre Einzigartigkeit ausleben können ohne zu stören. Als Musiker*innen, Produzent*innen, Agent*innen, Manager*innen, Clubbetreiber*innen, Veranstalter*innen, Techniker*innen, Dekorateur*innen, Festival-Macher*innen sind sie Kreative, die stolz darauf sind, dass Deutschland eines der Länder ist, in denen sich Sub-Kulturen nach oben bewegen können. Das Lebensgefühl Techno präge bereits Generationen. Es gibt so viele Dichter, Denker und Komponisten der modernen Zeit, die in diesem Bereich aktiv sind und die gehört werden wollen.

In seinem Ende fordert der offene Brief die Politik direkt auf an deren künftige Wähler*innen zu denken und nicht zu ignorieren was die elektronische Szene geschaffen hat. Als Unternehmer, Solo-Selbstständige, Auszubildende und Freelancer bittet die Szene um Dialog, um nicht unverschuldet Arbeit und eine Zukunft zu verlieren.

(Quelle: Musikwoche)

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