Snare_Pro_Noble&Cooley_SS_Classic_Maple_Cherry
Test
4
03.02.2016

Praxis

Mit der Kirsche ist alles drin

Zuerst nehme ich mir die tiefere Snare aus Kirschholz zur Brust. Beim ersten Anspielen ist direkt die sehr crispe und - gemessen an der Tiefe der Trommel - erstaunlich integrierte Teppichansprache zu bemerken. Die Trommel klingt nahezu unverschämt fett, rund und bauchig, mit einer sehr präsenten und holzigen Note, gleichzeitig aber auch druckvoll und zupackend mit viel Charakter. Alle Dynamikstufen werden wunderbar direkt von sehr leise bis ultralaut umgesetzt. Generell können tiefe Holztrommeln mit dünnen Kesseln in unteren Lagen herrlich weich und fett klingen, werden aber in höheren Lagen oft dünner und höhenlastiger im Sound, und der Attack überlagert leider oft den Körper und Materialcharakter der Trommel. Nicht so bei dieser Kirsche! Ich stimme mich durch alle Lagen, was erstaunlich einfach geht und kann eigentlich keine Stimmung finden, die mir nicht zusagt. Nur in den höheren Lagen gewinnt der Gussreifen im Gesamtsound bei lauten Rimshots an Präsenz, insgesamt ist er aber klanglich eine sehr gute Wahl. Eine traumhaftes Instrument, vielleicht die beste Holz-Snare, die ich bisher gespielt habe, leider auch mit dem dazugehörigen Traumtrommel-Preisschild bestückt. Los geht's in den mittleren Stimmungen.

Die Kirsche in hoher und sehr tiefer Stimmung

Die Maple Trommel klingt kompakter

Während der dunkle und bauchige Charakter der Kirsche für eine sehr eigenständige Note sorgt, klingt das flachere Maple-Modell in der Standardgröße 14x5 Zoll auch etwas mehr nach „Standard“ – was aber nicht abwertend gemeint ist, denn auch hier haben wir es mit einem Instrument der absoluten Spitzenklasse zu tun. Der Maple-Kessel klingt ebenso holzig und crisp, insgesamt aber auch etwas brillanter. In höheren Stimmungen gesellt sich bei Rimshots ein leicht „metallischer“ Attack hinzu, der Gussreifen ist also noch deutlich wahrnehmbarer. Wie bei allen Snaredrums wird der Klang in höheren Stimmungen kompakter, die holzige Note bleibt aber ebenfalls deutlich erhalten. Hoch gestimmt ist sie mit ihrer sensationellen Ansprache für Rudiments oder für Besenarbeit geradezu ideal. Der Stimmumfang der Ahorn-Ausführung ist ebenfalls beachtlich, wobei sie mir ab der mittleren Lage aufwärts am meisten zusagt. Wem der tiefe 7er Kessel der Kirsche „too much“ ist, der könnte mit dem kompakteren Maple-Modell oder der (nicht zum Test vorliegenden) fünf Zoll tiefen Kirsch-Ausführung selig werden. Noble & Cooley bietet allerdings alle Modelle auch aus Buchenholz, Eiche oder Tulip (Nordamerikanisches Rosenholz) an. Wer die Wahl hat… Auch hier hört ihr zunächst die mittleren Stimmungen.

Die Maple Snare in hohen und sehr tiefen Gefilden

Noch ein paar Worte zur Funktionalität der Teppichabhebung

Das einzige, was mir im Spielbetrieb als leicht störend auffällt, sind die Schlitzschrauben an Teppichabhebung und Butt End, die immer Werkzeug erfordern, wenn ein Teppichband mal den Geist aufgibt, oder der Teppich nachjustiert werden möchte. Auch die zu Anfang relativ schwergängigen Rädchen zur Regulierung der Teppichspannung sind gewöhnungsbedürftig. Diese funktionierten zwar mit steigender Einsatzzeit etwas leichter, aber wer andere High-End Abhebungen kennt, muss sich hier umstellen. 

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