Eurorack-Module
Test
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30.10.2019

Ninja Tune Zen Delay Test

Stereophones Multi-Delay

Dub Techno Waffe vom Feinsten

Kooperationen zwischen Klamottenherstellern und Lifestyle-Ikonen sind schon längst gang und gäbe. Wenn Adidas oder H&M eine neue limitierte Edition in Zusammenarbeit mit einem bekannten Popstar herausbringen, stehen Nerds Schlange. Auch Gitarrenfirmen entwickeln gern mit bekannten Gitarrenhelden Signature-Serien. Warum also nicht auch im Elektronikbereich zusammenbringen, was zusammen gehört.

Das dachten sich wohl auch Matt Black von Coldcut, Mitbegründer des britischen Kultlabels Ninja Tune und Dr. Walker vom Liquid Sky Künstler Kollektiv und gaben Erica Synth den Auftrag, das perfekte kompakte Dub-Delay für ihre DJ-und-Livegigs zu entwickeln. Bereits im April 2018 berichteten wir auf Bonedo von einem „Zen Delay-Erlkönig“ einem Prototypen, den Dr. Walker in seinem Kreuzberger Club bei einem Synth-Jam eingesetzt hatte. Ein Jahr ist ins Land gegangen, weitere prominente Beta-Tester wie Ninja Tune Artist The Bug haben das Teil in allen möglichen Situationen im Studio und im Club eingesetzt und das finale Gerät hat einige kleine Wandlungen vollzogen.

Aber der Reihe nach ...

Details

Erster Eindruck

Das Zen Delay kommt in einem soliden schwarzen Gehäuse im typischen Erica Synth Design. Es ist mittlerweile größer, als der seinerzeit von uns vorgestellte Prototyp, aber mit 211 x 153 x 75 Millimetern und einem Gewicht von ca. einem Kilogramm kompakt genug, um zum DJ-Gig mitgenommen zu werden. Die geräumige Oberfläche bietet neun angenehm ergonomische Potentiometer zum genüsslichen Schrauben an. Es ist in Stereo gehalten, damit DJs es auch mal hinter den Controller oder Reggae-Keyboarder direkt hinter die Orgel hängen können. Es ist analog und mit einer Stereoröhrenvorstufe ausgestattet, die für den „Drive“ zuständig ist. Die ECC82 Doppeltriodenröhre wird von einem markanten mattsilbernen eckigen Bügel geschützt und ist ein echter Hingucker.

Die Röhre stammt übrigens nicht aus russischer Herstellung, sondern von JJ Electronics aus der Slowakei. Das Zen Delay wird in Lettland in der gleichen Fabrik gefertigt, wo auch die Fusion und Black Series Module von Erica Synth das Licht der Welt erblicken. Gepowered wird es durch ein mitgeliefertes 12 Volt-Netzteil, übrigens das gleiche, das auch Fusionbox und AcidBox beiliegt.

Aufbau

Das Ninja Tune Zen Delay besteht prinzipiell aus drei Bereichen: einem DSP-Delay mit fünf verschiedenen Modellen, einem analogen Multibandfilter und einer analogen Sättigungsstufe, dem „Drive“. Das DSP-Board des Zen Delay entspricht dem des Erica Synths Black Stereo Delay, mit einem Frequenzgang von 5 Hertz bis 24 kHz, einer Samplingfrequenz von 48 kHz/24 bit und einer Delayzeit von 3 bis 3.000 Millisekunden.

Der Delay-Modus wird über einen Poti-förmigen Sechswegschalter ausgewählt: Tape, Tape Pingpong, Digital Pingpong, Digital, Vintage und Delay off.  Zwei große griffige Regler auf der linken Seite regeln die Delay-Zeit und das Feedback. Per rot hintergrundbeleuchtetem Tap-Button kann die Geschwindigkeit eingetippt werden. Bei längerem Druck auf den Tap-Button wechselt das Zen Delay in beatsynchronen Modus, entweder dem der empfangenem MIDI-Clock oder dem eingetippten Tempo. Mit dem Delay Time Regler wird dann nur der Multiplikator oder Teiler der empfangenen oder internen Geschwindigkeit gewählt. Die einzelnen Delay-Modi sind praktischerweise auf das Gehäuse aufgedruckt.

  • Tape tut wie geheißen: Es emuliert ein Bandecho, im „Tape Pingpong“-Modus auch mit links und rechts gepannten Echos.
  • Digital simuliert ein Eimerkettendelay, auch hier gibt es einen zusätzlichen Pingpong-Modus.
  • Vintage Delay ist finally ein ganz harter Geselle: Modelliert nach einem alten 1-bit Digital-Delay rauscht und kracht der Algoritrhmus je nach Drive und Delay-Einstellung mal so und mal so, aber niemals leise. Das ist nicht kaputt, das soll so klingen.

Die maximalen Verzögerungszeiten differieren je nach Modus. Im freien Modus sind Verzögerungen von ca. drei Sekunden möglich, im Beat-Modus sogar bis zu fünf Sekunden. Die minimalen Verzögerunszeiten gehen bis in den schnarrenden Millisekundenbereich.

Das 24 dB-Multimode-Filter liegt hinter der Delay-Einheit und bietet drei analoge Filter: Tiefpass, Bandpass und Hochpass. Hiermit werden die Echos geshaped. Geregelt wird mit den beiden einladenden Reglern auf der rechten Seite des Desktop-Teils. Das Filter kann ebenfalls ausgeschaltet werden. Ist der Resonanzregler ganz rechts und der Cutoff-Regler ganz links, oszilliert das Zen Delay von allein. Unbedingt sampeln! Vor allem im Bassbereich erzielt man damit beeindruckende Ergebnisse.

Von der Idee her ähnlich, wie der kleine Drive-Potischaft des PLAYdifferently Model 1 - gern auch als „der Richie Hawtin-Mixer“ bezeichnet - kommt dem Drive des Zen Delays der große Regler zugute, mit dem sich die Sättigung sahnig dazuregeln lässt. Die Drive-Stufe verfügt über keinen Bypass - der gleichnamige Button dient zum aktivieren aller drei Bestandteile des Zen Delay. „Dry/Wet“ regelt die Intensität des Effekts. 

Anschlüsse

Rückseitig gibt es Stereo Ein-und Ausgänge im TRS-Klinkenformat, einen MIDI-Eingang in DIN-Größe sowie einen Anschluss für das mitgelieferte 12 Volt-Netzteil und den Powerschalter. Der Kontrolleingang im Klinkenformat dient zum Anschluss eines Fußschalters zum Ein-und-Ausschalten des Zen Delay für Musiker, die keine Hand frei haben, also Gitarristen, Saxophonisten, oder beispielsweise Organisten. 

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