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Test
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15.10.2018

Nexi Industries Blues Ultra Starter Test

Teilbestücktes Click & Play Pedalboard

Bestens integriert

Das Nexi Industries Blues Ultra Starter Pedalboard zeigt, dass Effektpedal-Neuerungen nicht zwingend aus den USA oder Fernost kommen müssen. Zwar hat man sich für die Produktion China ausgesucht, aber die Macher von NEXI Industries sitzen in Amsterdam.

Ihre völlig neu entwickelten Pedale besitzen ein einheitliches Stecksystem und können in ein entsprechend designtes Pedalboard integriert werden, ohne dabei Kabel verwenden zu müssen. Das Board kann aber noch weit mehr, wie unser heutiger Test des Blues Ultra Starter Sets zeigen wird.

Details

Gitarristen lieben Pedale! Das spiegelt sich auch in der stetig wachsende Anzahl von Entwicklern und Herstellern, die seit Jahren den Markt mit ihren kleinen Kistchen überfluten und dafür sorgen, dass sich auf den Pedalboards dieser Welt jede Menge kleiner, bunter und Individualismus ausströmender Statements sammelt. Benötigt der Purist vielleicht nur einen grünen Zerrer, verteilt der Individualist seine Habschaften auf üppig bestückte Stressbretter samt Switcher.

Unterhält man sich mit Gitarristen, sind Pedale meist - oder eigentlich immer - Grundlage für endlose Tech Talks und dienen als Indikator des jeweiligen Informationsstandes, ganz nach dem Motto "Wie? Du kennst Pedal XY nicht? Das ist DER Geheimtipp!".

Und nun kommen die Entwickler von Nexi Industries auf die Idee, ein einheitliches System zu entwickeln, und die eigens entworfenen, einheitlichen Pedale mit einem Stecksystem auf einem Pedalboard zu verstauen. Laut Herstellerwebsite bezeichnen sich die Entwickler als frustrierte Effektpedal-Liebhaber, die es leid waren, die Probleme eines "normalen" Pedalboards zu akzeptieren, und deshalb mit der Konzeption unseres heutigen Testobjekts starteten.

Pedalboard

Schauen wir uns das Board einmal etwas genauer an, denn es bietet weitaus mehr als nur Ablageflächen für Pedale. Das Pedalboard, das der Hersteller selbstbewusst "The Solution" nennt, besteht vollständig aus robustem Kunststoff. Es bietet zwei Reihen, in denen insgesamt acht Pedale angeordnet und dank der angewinkelte Bauweise auch komfortable bedient werden können. The Solution besitzt Abmessungen von 45,0 x 37,0 x 8,5 cm und macht insgesamt einen ausgesprochen roadtauglichen und wertigen Eindruck. Zum Lieferumfang gehört auch eine robuste Kunststofftasche, in der das Board transportiert werden kann.

Bevor es mit den vier Pedalen weitergeht, die zum Lieferumfang des Blues Ultra Starter Sets gehören, mache ich erst einmal einen Rundgang um "The Solution".

Sämtliche Anschlüsse befinden sich an der rechten Gehäuseseite und sind mit Gummistöpseln verschlossen. Eine gute Idee, denn so werden sie, wenn nicht mit einem Kabel belegt, vor plötzlich auftretender Feuchtigkeit (Stichwort Bier) geschützt. Insgesamt drei Klinkenbuchsen stehen bereit und bieten einen Eingang, einen Ausgang und eine Kanalumschaltung, auf die ich gleich noch näher eingehen werde. Aber auch an zwei USB-Steckplätze wurde gedacht, um beispielsweise ein Smartphone, Tablet, Licht etc. anzuschließen. Eine wirklich gute Idee! Und natürlich darf auch der Stromanschluss nicht fehlen - das Board begnügt sich mit einem Kaltgerätestecker, der ebenfalls beiliegt. Es steht sicher und rutschfest, was sicherlich auch mit dem doch recht amtlichen Gewicht von 6,6 kg (ohne Pedale) zu tun hat.

Die Oberseite besitzt neben den acht Steckplätzen für Pedale drei Schalter unterhalb der ersten Pedalreihe, mit denen sich einige zusätzliche Funktionen aktivieren lassen. Dazu gehören ein Stimmgerät, ein dreistufiger Boost und die Fernbedienung für die eben genannte Kanalumschaltung. Alle drei Funktionen werden in einem Display angezeigt, das im oberen Bereich der Pedal-Behausung zu finden ist. Der dreistufige Boost lässt sich zwischen 7dB, 12dB und 20 dB anwählen. Hat man sich für einen Wert entschieden, kann dieser mit dem rechten kleinen Fußschalter an- beziehungsweise abgeschaltet werden.

Das Stimmgerät wird mit dem mittleren Fußschalter aktiviert und schaltet während des Stimmvorgangs das Ausgangssignal stumm. Es kann aber noch mehr, denn es lassen sich insgesamt sieben Tunings anwählen.

Zur Auswahl stehen:

  • Normal (440Hz Chromatic)
  • Open D
  • Open E
  • Open G
  • Open A
  • Drop D
  • DADGAD

Bietet der angeschlossene Verstärker eine A/B-Kanalumschaltung, kann man die mit dem linken Schalter bedienen. Der jeweilige Kanal wird mit einem A oder B im Display angezeigt.

Der An/Aus-Schalter zum Aktivieren des Pedals befindet sich auf der Oberseite links neben dem Display und ist ebenfalls spritzwassergeschützt. Zwei Schalter an der rechten Seite erlauben weitere Einstellmöglichkeiten und sind mit Mode und Select beschriftet.

Die Bedienung des Pedalboards fällt ausgesprochen nutzerfreundlich aus, sämtliche Einstellungen sind mit wenigen Handgriffen veränderbar.

Pedale

Nexi Industries bietet insgesamt 15 Pedale an, zu denen auch ein Volume und ein Wah-Wah gehören. Das Blues Ultra Starter Kit beinhaltet ein Delay, ein Tremolo und zwei Overdrives, die allesamt identische 7,8 x 12,2 x 6,0 cm große Aluminiumgehäuse besitzen und jeweils 422 Gramm auf die Waage bringen. Auffälligstes Merkmal ist der Fußschalter mit der vergrößerten Auflagefläche, ansonsten unterscheiden sie sich nur durch die aufgetragene Lackierung auf der Oberseite.

Dank eines innovativen Stecksystems lassen sich die Pedale einfach in das Nexi Board einsetzen, somit entfallen die Kabel für die Stromversorgung und für Signal-Ein- und Ausgänge. Ein weiterer Vorteil ist auch hier der Schutz vor Spritzwasser, denn die Pedale schließen bündig mit dem Board ab.

Wer nun glaubt, die mitgelieferten Pedale ließen sich ausschließlich mit dem Solution-Board nutzen, irrt. Sie können auch ganz herkömmlich auf normalen Pedalboards eingesetzt werden. Dazu müssen die in der Bodenplatte des Pedals angebrachten Stifte und die Multipin-Buchse mit einem Gummistreifen abgedeckt und die an der linken und rechten Gehäuseseite befindlichen Klinkenstecker von ihren Gummiverschlüssen befreit werden.

Wie die meisten Pedale lassen sich auch die von Nexi Industries gebauten mit einem herkömmlichen 9-Volt-Gleichstromnetzteil betreiben, das an der Stirnseite angeschlossen wird. Natürlich ist auch die Netzteilbuchse verschlossen und muss erst einmal freigelegt werden. Sogar Batteriebetrieb mit einem 9-Volt-Block ist möglich. Dazu muss die Bodenplatte entfernt werden, die mit Torx-Schrauben am Gehäuse befestigt ist. Wer das Pedal mit Batterie betreiben möchte, sollte also unbedingt das passende Werkzeug dabei haben.

Alle Pedale besitzen True-Bypass, sodass das eingehende Signal im ausgeschalteten Zustand direkt an den Ausgang weitergeleitet wird. Wird ein Pedal aktiviert, leuchtet ein weißer LED-Lichtkranz, der auch aus der Entfernung sehr gut sichtbar ist.

Blues Ultra Starter Pedale Das Delay-Pedal mit der Bezeichnung DLY-01-UD erlaubt das Einstellen von Time, Repeat und Level und liefert eine Verzögerungszeit von 35 ms bis maximal 598 ms. Es handelt sich bei ihm um ein Digitaldelay mit einem analogen Signalpfad. Der Level-Regler dient dabei als Dry-Wet-Regler.

Nexi bietet insgesamt drei unterschiedliche Gehäuselackierungen an, wobei unsere Testpedale aus der Urban-Serie stammen, daher auch das UD im Namen. Lässt sich die Optik nicht mit dem persönlichen Geschmack vereinen, sind sie auch in einem grauen Gehäuse (Original Design) oder in Streifenoptik (Racing Stripes) zu haben.

Weiter geht es mit dem TRM-01 UD Tremolopedal, das analog arbeitet und ein Regeln von Speed, Chop und Volume ermöglicht. Chop ändert die Wellenform und Speed und Volume erklären sich selbst.

Bei den beiden Zerren handelt es sich um den OVD-02-UD Overdrive und das DSC-01-UD Dutch Screamer Pedal, wobei letzteres aufgrund seiner grünen Lackierung und dem "Screamer" im Namen eine gewisse Assoziation zu einem ebenfalls grünen Pedal mit einem "Screamer" im Namen weckt. Aber auch das gelbe Overdrive-Pedal kommt mir irgendwie bekannt vor. Wie der Dutch Screamer besitzt auch das Overdrive-Pedal drei Regler, mit denen Drive, Tone und Level eingestellt werden.

Die beiden Zerrer arbeiten ebenfalls analog und machen wie Delay und Tremolo einen außerordentlich robusten Eindruck. Board wie Pedale werden übrigens in den Niederlanden entworfen und in China gefertigt.

Da Gitarristen bekanntlich nicht auf ihre traditionellen Lieblingspedale verzichten möchten, lassen diese sich dank des CONNEXI-Adapters ebenfalls auf dem Solution-Board einsetzen. Dieser Adapter wird einzeln angeboten und besitzt sämtliche Kabel, die zum Anschluss eines herkömmlichen Pedals benötigt werden. Zur Befestigung an den Adapter dient ein Kabelbinder - für meinen Geschmack etwas rustikal gelöst, funktioniert aber gut.

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