Software Hersteller_Motu
Test
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21.09.2011

PRAXIS

Installation
Volta wird auf einer CD-ROM geliefert. Außerdem enthält die Packung ein gedrucktes (englisches) Handbuch und einen iLok-Kopierschutzstecker mit bereits installierter Lizenz, wie er auch von vielen anderen Software-Herstellern bekannt ist. Es ist grundsätzlich möglich, die Lizenz auf einen anderen iLok-Dongle zu übertragen – allerdings gibt das Handbuch dazu nur den Hinweis, dass man sich mit diesem Anliegen an MOTU wenden solle.


Nach der unkomplizierten und schnellen Installation steht Volta als MAS- bzw. AU-Instrumenten-PlugIn in kompatiblen Host-Anwendungen zur Verfügung.

Benutzeroberfläche
Die Bedienung des PlugIns ist klar strukturiert und leicht verständlich, wenn man das Grundprinzip der Steuerspannungen verinnerlicht hat. Pro Instanz kann Volta bis zu 24 verschiedene Steuerspannungen generieren – vorausgesetzt, das verwendete Audio-Interface besitzt so viele einzelne Ausgänge. Übrigens können auch digitale Ausgänge verwendet werden, wenn sie mit einem externen D/A-Wandler verbunden sind, der seinerseits geeignete analoge Ausgänge („DC-coupled“) besitzt.

Die 24 Ausgangs-Slots befinden sich im oberen Bereich des PlugIn-Fensters. Sie können per Drag & Drop aus der Palette im unteren Bereich mit unterschiedlichen so genannten „Control Sources“ bestückt werden. Dabei ist jeder Slot immer fest mit einem physischen Ausgang des Interface verbunden. Von diesem muss wiederum ein Kabel zu einem entsprechenden Eingang am Synthesizer führen. Beim Einfügen einer Control-Source sollte man also stets sicherstellen, dass man den richtigen Ausgang wählt und mit der Verkabelung des Setups vertraut ist. Das bedeutet etwas mehr Bastelei und auch mehr Fehlerquellen als bei einer modernen USB-Verbindung, aber das ist ja auch das Schöne daran. Wer sich analoge Synthesizer anschafft, hat ja in der Regel kein Problem mit etwas Kabelsalat und urtümlicher Elektrik.

Wird eine hinzugefügte Control-Source per Mausklick markiert, so erscheinen im unteren Bereich die dafür verfügbaren Parameter. Hier kann man also zum Beispiel Hüllkurven und LFOs einstellen oder Modulationen definieren. Auch die Kalibrierung der Steuerspannungen wird hier vorgenommen, doch dazu später mehr. Mit einem Klick in den leeren Bereich gelangt man wieder zurück in die Paletten-Ansicht.

Die Bedienung ist ausgesprochen einfach und logisch und trägt mit ihrer offenen Struktur der Tatsache Rechnung, dass die Möglichkeiten in Abhängigkeit von den verwendeten Synthesizern sehr unterschiedlich sein können. Einzig die Option, die Ausgangs-Slots individuell zu benennen, um z.B. schnell im Blick zu haben, welcher Ausgang zum Filter-CV-Eingang des Synths führt, wäre noch wünschenswert.

Control-Sources
Die wichtigste Control-Source ist die so genannte „Voice“, also im Prinzip eine Synthesizer-Stimme. Sie besteht immer aus einer Pitch-Komponente, die, ausgehend vom MIDI-Eingang des PlugIns, eine Steuerspannung für die Tonhöhe erzeugt. Darüber hinaus kann eine Stimme Komponenten für Note-On- und Note-Off-Velocity sowie bis zu vier Hüllkurven und einen LFO beinhalten. Die Hüllkurven können wahlweise als klassische AD(H)SR-Envelope, als simples Gate oder als Trigger konfiguriert werden. Alle Komponenten einer Stimme bekommen ihren eigenen physischen Ausgang zugewiesen und erzeugen ihre eigene Steuerspannung. Damit reicht ein „Voice“-Element schon aus, um einen einfachen Monosynth zu steuern, der in der Regel CV-Eingänge für Pitch, Amplitude und Filter besitzt.

Entsprechend mit CV-Eingängen ausgestattete polyphone Synths (oder auch mehrere Synths gleichzeitig) können gesteuert werden, indem weitere Voice-Elemente hinzugefügt werden. Diese werden von Volta auf die gespielten MIDI-Noten verteilt.

An weiteren Control-Sources stehen unter anderem ein Step- und ein Trigger-Sequenzer zur Verfügung. Diese können gut in Kombination miteinander eingesetzt werden: Der Trigger-Sequenzer bedient den Gate- oder den Amp-CV-Eingang des Synths, während der Step-Sequenzer zum Beispiel für die Tonhöhe oder den Filter zuständig sein kann. Beide Sequenzer verfügen über eine Swing-Einstellung und lassen sich selbstverständlich zum Host-Tempo synchronisieren. Möchte man zwei oder mehr Parameter per Step-Sequenzer steuern, kann man auf den entsprechenden Ausgängen einfach weitere Sequenzer hinzufügen.

Wenn das Analogequipment seinen eigenen Sequenzer mitbringt (z.B. eine analoge Drummachine), kann es mit der „Clock“-Control-Source zur DAW synchronisiert werden. Sie produziert getaktete Sync-Impulse, wie sie vor der Einführung der MIDI-Clock üblich waren. 

Des weiteren gibt es noch einige weitere Control-Sources, die für vielseitige Zwecke eingesetzt werden können. MIDI-Controllerdaten (z.B. von einer Fader-Bank) können mit dem „MIDI“-Element in Steuerspannungen übersetzt werden. „Ramp“ dient dazu, Steuerspannungen mit der Automation des Host-Sequenzers zu erzeugen. Und zu guter Letzt gibt es noch einen von den Voices unabhängigen LFO, der variabel eingesetzt werden kann.

Leider ist es nicht möglich, Control-Sources intern in Volta miteinander zu verknüpfen. Zum Beispiel steht am Synth ja in der Regel nur ein Filter-CV-Eingang zur Verfügung. Damit ist man in Volta auf eine Control-Source beschränkt, die diesen steuert. Kombinationen, wie etwa eine per Ramp-Element realisierte Filterautomation mit gleichzeitiger Nutzung einer Filter-Hüllkurve sind nicht möglich. In vielen Fällen kann man durch den zusätzlichen Einsatz der internen Modulationsquellen des Synths zum gewünschten Ergebnis kommen. Trotzdem würde eine Volta-interne Modulationsmatrix die Möglichkeiten noch einmal deutlich erweitern.
Außerdem können die einzelnen Parameter der Modulationsquellen nicht im Sequenzer automatisiert werden. Zum Beispiel lässt sich die Frequenz eines Volta-LFOs nicht per Automation verändern. Das ist etwas schade, trübt jedoch die Freude über dieses insgesamt sehr innovative Instrument nicht wirklich.

Kalibrierung

Die Spannungen, die verschiedene Audio-Interfaces an ihren Ausgängen erzeugen können, unterscheiden sich nicht unerheblich voneinander. Außerdem sprechen verschiedene Synths unterschiedlich auf Steuerspannungen an. Deshalb müssen die Control-Sources kalibriert werden, damit Volta weiß, welche Spannung welchen Ton auf dem Synth erzeugt. Die Software bietet dafür eine automatische Funktion, die eine vom Synth zurückkommende Wellenform analysiert und zur Kalibrierung nutzt. Am Oszillator des Synths sollte dafür eine möglichst simple, obertonarme Wellenform (Sinus oder ersatzweise Dreieck) eingestellt sein. Im Test hat das gut funktioniert. Für den Fall, dass die automatische Kalibrierung fehlschlägt, gibt es verschiedene Möglichkeiten der manuellen Einstellung. Für MOTUs hauseigene Interfaces sind darüberhinaus Profile enthalten, die die Charakteristiken der unterschiedlichen Interfaces berücksichtigen.
Im folgenden Video seht ihr die automatische Kalibrierung in Aktion. Volta schickt probehalber verschiedene Spannungen an den Synth und untersucht dessen Reaktion. Daraufhin wird der mit dem verwendeten Interface ansprechbare Bereich des Oszillators festgelegt, so dass der Synth in der Folge korrekt auf MIDI-Noten reagieren kann.

In Aktion
Genug der Theorie – probieren wir das Ganze doch einmal aus. In dem nächsten Video beginnen wir mit einem einfachen Voice-Element, das nur aus der Pitch-Komponente besteht. Ohne eine Lautstärken-Information bekommen wir da noch keinen Ton heraus. Also fügen wir eine Hüllkurve für die Amplitude hinzu. Diese können wir nun bequem mit der Maus bearbeiten, bis sie unseren Vorstellungen entspricht.

Vielleicht möchten wir noch eine weitere Hüllkurve für das Filter verwenden. Also verbinden wir den nächsten Ausgang des Interfaces mit dem Filter-CV-Eingang des Synths und fügen dem Voice-Element noch eine Envelope hinzu.

Wer in den Loop-basierten Musikstilen unterwegs ist, wird Gefallen an den beiden Volta-Sequenzern finden. Im nächsten Video steuert der Trigger-Sequenzer das Timing der Noten. Der Step-Sequenzer sendet eine Steuerspannung an den Oszillator und kontrolliert damit die Tonhöhen.

Und wenn wir zusätzlich auch noch das Filter rhythmisch steuern wollen, fügen wir einfach einen weiteren Step-Sequenzer auf dem betreffenden Ausgang hinzu. Dessen Steuerspannungen landen dann am Filter-CV-Eingang des Synths.

Aber auch für Echtzeit-Modulationen ist Volta geeignet. Im nächsten Video wird eine MIDI-Control-Source eingefügt, die aus den Daten des Modulationsrads eine Filter-Steuerspannung generiert. Nach diesem Prinzip kann man z.B. auch eine MIDI-Faderbank zur Steuerung von analogen Synths einsetzen.

Das funktioniert alles wie vorgesehen und ohne Probleme. Im Test mit einem älteren MOTU-Firewire-Interface lief Volta sehr stabil und zuverlässig. Da es keine großen Datenmengen bewegt und auch keine komplizierten Berechnungen von Audiomaterial durchführt, verbraucht es auch fast keine Systemressourcen.

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