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Test
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17.07.2013

Moog The Ladder Test

Filter für API 500

Dicker Sound auf wenig Raum

Moog The Ladder im Test bei bonedo: Modultechnik ist für Synthesizer-Enthusiasten ja beileibe kein Fremdwort. Aber dieses Moog-Modul ist anders: Es ist nicht als Teil eines Synth-Modularsystems konzipiert, sondern es bringt den klassischen Moog-Filtersound in APIs 500-Studiostandard.

Die meisten 500-Kassetten bewegen sich im Rahmen klassischer Studiotechnik wie beispielsweise Preamps, Kompressoren und EQs. Klassische „Effekte“ sind in diesem Segment immer noch eher selten, auch aus diesem Grund ist das Moog-Modul eine willkommene Abwechslung.

Robert Moogs patentiertes Transistorkaskadenfilter aus den 60er-Jahren gilt bis heute als einer der ganz großen Meilensteine der Synthesisergeschichte. Als zentraler Bestandteil der großen Modularsysteme wie auch der späteren portablen Synths – allen voran des Minimoog Model D – bleibt das Moogfilter bis heute ein Maßstab, an dem sich viele andere Synth-Hersteller orientiert haben oder messen lassen müssen.

Obwohl als zentrales Element der Klanggestaltung bei der subtraktiven Synthese konzipiert, hat sich der Einsatz des Moogfilters nie rein auf diese Anwendung beschränkt. Schon Moogs allererster portabler Synth, der Minimoog, verfügt über einen Eingang, über den externe Audiosignale durch das Filter geschickt werden können. Damit steht hier das Einfallstor für alle Arten der Klanggestaltung weit offen, und an genau diesem Punkt setzt das Ladder-Modul (Die Transistorkaskade wird auf englisch „ladder filter“ genannt, aufgrund des charakteristischen Aufbaus der Schaltung – siehe Fotos) an, welches das Moogfilter mit symmetrischen Anschlüssen im Lunchbox-Format typischen Studio-Sounddesignprozessen verfügbar macht.

Details

Raum komplett genutzt

Als 500-Modul mit einer Slotbreite ist auf der Ladder-Frontplatte nicht viel Platz, aber diesen hat Moog Music bestimmt nicht vergeudet. Das klassische 4-Pol-Tiefpassfilter mit 24 dB/Oktave Flankensteilheit, wie wir es beispielsweise vom Minimoog kennen, wurde hier um zahlreiche Funktionen erweitert, die kaum Wünsche offen lassen.

Filtergüte umschaltbar

The Ladder kann wahlweise als 4-Pol- oder 2-Pol-Filter betrieben werden, wobei die 12 dB Flankensteilheit des 2-Pol-Betriebs erwartungsgemäß erheblich zahmer klingen. Den „klassischen Moogsound“ gibt es vor allem mit dem 4-Pol-Filter. Es gab eine Zeit, in der Synths oder Sampler, die nur 2-Pol-Filter in die Waagschale werfen konnten, aufgrund ihre „schlappen“ Klanges geschmäht wurden – durchaus zu Recht! Aber als Alternative zum klassischen Klang nehmen wir dieses Feature sehr gerne mit, denn nicht immer muss man ja die große Keule herausholen...

HPF/LPF und ENV

Wahlweise kann das Ladder-Filter zudem als Hochpass- oder Tiefpass-Filter betrieben werden. Dies ist ein Feature, das beim Minimoog beispielsweise fehlte, und das ­– leicht polemisch gesagt – kleine, plärrige Plastiksynths wie der Korg MS 20 dem Synth-Platzhirsch stets voraus hatten. Insofern ist dies eine tolle und wichtige Funktion des 500-Ladderfilters. Ein- und Ausgangspegel des Moduls lassen sich mit Drive- und Output-Potis einstellen, wobei eine mehrfarbige Level-LED das Signal optisch überwacht. Auf diese Weise lassen sich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Man kann das Eingangssignal optimal an das Filter anpassen, wobei auch das Detektorniveau des Envelope Followers mit beeinflusst wird. Zudem kann man die gesamte Filterschaltung herzhaft in die Sättigung treiben. Apropos: Der Envelope Follower bietet einen stufenlos einstellbaren Amount für positive und negative Hüllkurvenbeeinflussung und obendrein Potis für die Parameter Attack und Release – dem klassischen Funk-Schmatzen beispielsweise bei E-Basslines steht also nichts im Wege. Auch hier gibt eine LED Auskunft über den Betriebszustand, und zwar über das Ansprechen der Hüllkurve.

Zwei „The Ladder“ Stereosystem kombinierbar

Neben den zentralen Cutoff- und Resonance-Potis verfügt das Modul noch über einen beleuchteten Bypass-Schalter, welcher intern über ein Relais realisiert wird, ganz so, wie sich das für ein Stück hochwertige Studiotechnik gehört. Der gesamte innere Aufbau ist so hochwertig, wie man das von einem Premiumsynth-Hersteller erwartet. Die Schaltung besteht aus SMD- und konventionellen Bauteilen auf der großen Hauptlatine, die das gesamte Modul ausfüllt. Zwei Kassetten können mittels eines mitgelieferten Kabels zur Bearbeitung von Stereosignalen verkoppelt werden.

Funktionsvielfalt hat ihren Preis

Der einzige wirkliche Kritik an der Hardware betrifft das Layout der Frontplatte: Die Potikappen sind allesamt sehr klein, die Bedienung erfordert Fingerspitzengefühl – erst recht, wenn man das wuchtige Panel des Minimoog mit seinen großen Knöpfen und dem Abstand dazwischen gewohnt ist. Dies ist aber ein Kompromiss, der sich beim 500-Format zwangsläufig aus dem zur Verfügung stehenden Platz und der Feature-Ausstattung ergibt. Und die ist ja nicht von schlechten Eltern.

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