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Test
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16.03.2019

Meris Enzo Multi-Voice Synthesizer Test

Synthesizer Effektpedal

All you can tweak

Das Enzo Multi-Voice Synthesizer-Pedal ist der nächste Coup der noch jungen, in Los Angeles ansässigen Boutique-Effektpedalmanufaktur. Nachdem wir das Polymoon Delay bereits getestet und für gut befunden haben, folgt mit Enzo nun ein Synthesizer-Pedal, das mit dem Tracking ein Kardinalproblem solcher Pedale gelöst haben will.

Dabei handelt es sich um ein mehrstimmiges Synthesizer-Pedal, dessen Einsatzgebiet nicht nur vor einem Gitarrenverstärker ist, sondern mit einer Vielzahl von Instrumenten, aber auch Gesang eingesetzt werden kann, wobei es bei unserem heutigen Test aber natürlich vorrangig um den Einsatz mit einer Gitarre geht.

Details

Schon ein Blick auf die Website des Herstellers zeigt unmissverständlich, dass bei Meris auch das Thema Design großgeschrieben wird und neben den beiden technischen Entwicklern auch eine namenhafte Designerin Teil des Dreigestirns ist. Die Köpfe hinter der Pedalschmiede sind keine Unbekannten und haben bereits bei Strymon und Line 6 ihre Spuren hinterlassen.

Mit dem Enzo kommt nun eine der wahrscheinlich interessantesten Pedalentwicklungen der letzten Zeit auf den Markt, die ich mir in unserem heutigen Test etwas genauer anschauen möchte. Aber polyphone Synthesizer für Gitarre gab es doch auch in der Vergangenheit schon, höre ich den einen oder anderen sagen, und ja, das stimmt. Aber Meris scheint mit dem Enzo ein entscheidender Schritt gelungen zu sein, denn man will mit dem Tracking eines der größten Mankos in den Griff bekommen haben. Genauer gesagt besteht das Problem darin, dass bisher das nuancenreiche Spiel einer Gitarre meist nicht adäquat umgesetzt werden konnte und das Resultat schlicht unbefriedigend war. Das soll das Enzo-Pedal angeblich anders machen und ich bin schon sehr gespannt, wie sich das klanglich darstellt. Zuvor aber schauen wir uns das Pedal erst einmal genauer an.

Geliefert wird Enzo sicher verpackt in einem schmucken Karton, in dem auch ein Netzteil zu finden ist. Und das wird auch gebraucht, denn ein Batteriebetrieb ist nicht möglich. Auch eine ausführliche Bedienungsanleitung liegt bei, die auch online auf der Hersteller-Website zu finden ist. Auf die Beilage von Gummifüßchen hat man verzichtet.

Das goldfarben lackierte Metallgehäuse macht einen außerordentlich robusten und wertigen Eindruck und besteht im Grunde aus zwei gefalzten Metallteilen, die mit vier Schrauben an den Seiten miteinander fixiert sind.

Sämtliche Ein- und Ausgänge befinden sich an der Stirnseite, eine Input-, zwei Output- und eine Exp/MIDI-Klinkenbuchse. Dazu kommt der Anschluss des mitgelieferten Netzteils. Die Eingangsbuchse ermöglicht auch Stereobetrieb. An die Exp/MIDI-Buchse lässt sich ein Expression-Pedal anschließen, das zwischen zwei Sounds morpht. Dazu wird das Pedal durchgetreten und ihm ein Sound zugewiesen, für den zweiten Sound wird die Wippe nach hinten getreten. Es kann auch ein von Meris angebotener Vierfach-Fußschalter anschlossen werden, der vier gespeicherte Presets schaltet. Der Anschluss lässt sich aber auch als MIDI-In und -Out nutzen und erlaubt so ein Senden und Empfangen von MIDI-CC-Daten, Program-Change-Messages und MIDI-Beat-Clock.

Auf der Oberseite des Pedals befinden sich insgesamt sechs Potis mit unterschiedlich großen Metallknöpfen, die allesamt mit einem weißen Skalenstrich zum Ablesen der aktuellen Reglerstellung versehen sind. Dazu kommen zwei Fußschalter, wobei der linke das Eintappen des Tempos ermöglicht und der rechte das Pedal aus seinem Bypass erweckt, der wahlweise als True-Bypass oder analogem Buffered-Bypass geschaltet werden kann. Dazu kommen zwei Taster, auf die ich im Laufe des Tests noch näher eingehen werde.

Mit dem Pitch-Regler wird das Synth- oder auch das Dry-Signal in Halbtonschritten bis +/-2 Oktaven verändert. Wird die mit ALT beschriftete LED oberhalb des Tap-Fußschalters gedrückt, wird ein Portamento aktiviert.

Das mittig platzierte Filter-Poti lässt sich die Cutoff-Frequenz des jeweiligen Filters verändern. Bei gedrückter ALT-Taste kann man aus sechs verschiedenen Filter Typen wählen. Zur Auswahl stehen:

  1. Ladder Lowpass
  2. Ladder Shelving Bandpass
  3. Ladder Highpass
  4. State Variable Lowpass
  5. State Variable Bandpass
  6. State Variable Highpass

Ladder (Leiter) ist eine spezielle Filterform, die man unter anderen bei MOOG-Synthesizern findet.
State Variable beschreibt eine variable Filtergüte.

Anhand diese Bildes kann man die entsprechende Reglerstellung für den jeweiligen Filter sehen:

Weiter geht es bei unserem Rundgang auf der Oberseite des Enzo mit dem Mix-Regler.
Dieser mischt das unbearbeitete (dry) mit dem bearbeiteten Signal (wet). Bei gedrückter ALT-Taste bestimmt er bis zur Mittelstellung die Lautstärke einer Delay-Wiederholung, ab der Mittelstellung und darüber hinaus kommt eine zweite Wiederholung hinzu.
Die untere Potireihe beherbergt den Sustain-Regler. Mit ihm wird das Sustain einer generierten Synth-Note bestimmt. Wird dabei der ALT-Taster gedrückt, verändert der Regler die Frequenz eines klassischen Ringmodulators. Rechts daneben befindet sich der Filter Env. Regler, der Attack und Decay der Filter-Hüllkurve bestimmt. Auch hier verändert sich die Arbeitsweise bei gedrücktem ALT-Schalter und regelt die Bandbreite.
Als letztes Poti ganz rechts in der unteren Reihe steht Modulation bereit. Dieses verstimmt den Oszillator jeder Synth-Stimme. Mit gedrückter ALT-Taste wird die Anzahl der Delay-Wiederholungen bestimmt.

Analog zum ALT-Taster über dem Tap-Fußschalter findet sich oberhalb des Bypass-Fußschalters ein weiterer Taster, der den Synth-Modus anwählt.

Das Pedal stellt insgesamt vier Modi bereit:

  1. POLY: Dabei handelt es sich um einen mehrstimmigen Synthesizer, der auch Akkorde erkennt.
  2. MONO: Wie der Name schon vermuten lässt, wird hier ein einstimmiger Synthesizer angewählt, der zwei Oszillatoren bereitstellt.
  3. ARP: Hier werden Akkorde in Sequenzen gewandelt, die mit dem getappten Tempo gekoppelt werden.
  4. DRY: Deaktiviert den Synthesizer. Filter, Delay und Pitch-Shifter lassen sich aber weiterhin nutzen.

Zwei kleine LEDs zeigen an, in welchem Modus man sich gerade befindet.

Der Tap-Fußschalter besitzt neben seiner Funktion zum Festlegen des Tempos aber auch die Fähigkeit, bei gedrücktem Schalter das Delay-Feedback in den Maximalwert zu versetzen. Bei gedrücktem ALT-Taster schaltet der Envelope-Filter zwischen Triggered Envelope und Envelope Follower.
Anhand der drei kleinen LEDs lassen sich die aktuellen Einstellungen ablesen, was jedoch ohne Bedienungsanleitung quasi nicht möglich ist. Ich bin aber sicher, dass bei regelmäßigem Gebrauch auch diese "Sprache" erlernt werden kann.
Über MIDI können im Grunde alle Funktionen des Enzo ferngesteuert werden, eine entsprechende MIDI-CC-Tabelle ist auch in der Bedienungsanleitung zu finden. Zum Einstellen des jeweiligen MIDI-Kanals stehen die drei LEDs ebenfalls bereit, siehe Bild:

Das in USA gefertigte, pultförmige Pedal bringt 416 Gramm auf die Waage und misst 107 x 113 x 67 mm.

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