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06.04.2018

Kaufberater Mandoline: Die richtige Mandoline für Anfänger kaufen

Die richtige Mandoline für den Anfang

Die Mandoline kann auf eine lange und traditionsreiche Geschichte zurückblicken. Erstmals erwähnt wird die Nachfahrin der noch viel älteren Laute im frühen 17. Jahrhundert. Und obwohl sie im Laufe der Jahrhunderte eine bemerkenswerte Karriere machte, gehört sie in unseren Breiten nicht unbedingt zu den alltäglichen Erscheinungen. Wer dann doch einmal in den Genuss kommt, dieses charismatische Instrument live zu erleben, verliebt sich nicht selten in ihren Ton und Charakter.

Für einen einfachen Einstieg in die Welt der Mandoline haben wir die wichtigsten Eckdaten zusammengefasst und einige Tipps für euch, worauf Ihr beim Kauf der ersten Mandoline achten solltet. Denn tatsächlich ist es gar nicht so einfach, sich in dem breiten Angebot zurechtzufinden, zumal es außerdem die Mandoline auch noch in unzähligen Variationen gibt. Um den Überblick zu behalten, konzentrieren wir uns im folgenden Kaufberater auf die gängigsten Formen, und zwar die Rund- und die Flachmandoline.

Aber zuerst machen wir einen kurzen Ausflug in ihre Geschichte.

Die Geschichte der Mandoline - ein Überblick

Die Mandoline entstand im 17.Jahrhundert aus der Mandola. Diese wiederum zählt zu der Familie der Lauten, deren Geschichte um die 5000 Jahre alt ist. Deren Ursprung liegt in Mesopotamien, von wo aus sie mit der Zeit ihren Weg in die unterschiedlichsten Kulturkreise fand - ein Grund, warum es so unglaublich viele Varianten an Lauten- oder Mandolinen-ähnlichen Instrumenten gibt. Die Mandoline erhielt ihr heutiges grundlegendes Konstruktionsprinzip und ihre Besaitung mit Stahl im 19.Jahrhundert in Italien. Ihre erste Hochphase erlebte sie im Barock, wo viele Stücke bekannter klassischer Komponisten (u.a. Vivaldi) für sie geschrieben wurden. Vor allem in den 1920er und 1930er Jahren waren Mandolinenorchester weitläufig bekannt. Auch heute gibt es zahlreiche Spielzirkel und die Mandoline fand in den 1970er Jahren auch ihren Weg in ein eigenes Studienfach an deutschen Musikhochschulen. Neue Bekanntheit erlangte sie wieder in den 1980er Jahren, als sie auch in der Popmusik eingesetzt wurde und so ein breites Publikum erreichte.

Der Aufbau der Mandoline

Es gibt zwei wesentlich unterschiedliche Grundbauformen: Zum einen die Rundmandoline, die nicht über abgetrennte Zargen verfügt, weil an ihrer Decke ein kugelförmiger Korpus angebracht ist, der aus mehreren Holzstreifen besteht. Diese Bauform wird auch neapolitanische Mandoline genannt, bei der die Decke entweder ganz flach oder abgeknickt ist. Die andere Bauform entwickelte sich später und ist wie z.B. eine Geige mit Decke, Boden und Zarge ausgestattet. Diese Variante gibt es mit flachem Korpus und Decke (flat top oder flat-backed) oder mit gerundeter Decke (arch-top oder carved-top) und auch mit gerundetem Korpus. Das Patent zu der "Arch-top" Konstruktion erhielt übrigens Orville Gibson um 1898, von dem auch die Bezeichnungen F-Style- und A-Style-Mandoline stammen, die heute bei Bluegrass-Instrumenten gebräuchlich sind.

Ohne hier zu sehr zu pauschalisieren, kann man beide Bauformen grob ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Musikstilen zuordnen: Die Rundmandoline ist vor allem in der klassischen und orchestralen Musik zuhause, wohingegen die Flachmandoline in Bluegrass, Folk und Jazz erklingt. Es gibt viele Schnittpunkte wie z.B. die keltische oder mittelalterliche Musik, wo neben den traditionellen Lauten auch immer wieder Rund- oder Flachmandolinen zum Einsatz kommen.

Eine der Besonderheiten der Mandoline ist ihre doppelchörige Besaitung - wir finden auf dem Griffbrett üblicherweise also je zwei identische Saiten pro Ton nebeneinander. Die gängige Stimmung der Mandoline ist in Quinten und lautet: g/g - d`/d` - a`/a` - e`/e`. Natürlich gibt es eine Vielzahl von Varianten mit anderer Besaitung und Stimmung, wie zum Beispiel die Mailänder Mandoline mit sechs Saitenpaaren. Diese spielen beim Kauf des ersten Instrumentes allerdings eine untergeordnete Rolle.

Normalerweise führen die Stahlsaiten über eine Holzbrücke zum Saitenhalter, der an der Zarge des Instrumentes bzw. dem Korpus befestigt ist. Die Brücke hält wie bei klassischen Streichinstrumenten nur aufgrund des Saitendrucks und ist im Idealfall höhenverstellbar. Mensur und Sattelbreite sind bei den gängigen Standardmodellen in etwa gleich.

Verwendete Materialien: Die Hölzer

Sehr häufig wird für die Decke Fichtenholz verwendet und Ahorn kommt für Boden und Zargen zum Einsatz. Aber auch Mahagoni und Linde findet man ab und zu beim Korpus, und bei manchen Instrumenten auch Ahorndecken. Wie im Instrumentenbau üblich, gibt es Modelle mit massiven Hölzern und auch laminierte bzw. in Schichtbauweise hergestellte Exemplare. Im Einstiegs-Preisbereich sind Mandolinen mit massiver Decke rar gesät. Aber den typischen Klang erzielt man durchaus auch mit einem komplett laminierten Modell.

Sound und Bespielbarkeit einer Mandoline

Klang einer Mandoline

Oft wird darüber gestritten, ob die beiden prominentesten Mandolinen, nämlich die im F- und A-Style, unterscheidbare, eine eigenständige Klangcharakteristik aufweisen. Ganz generell kann man der schlichteren A-Style-Mandoline einen etwas dichteren, gesetzteren Sound zuordnen, wohingegen die F-Style-Mandoline etwas mehr Punch in den Höhen entwickelt und sich deshalb diese Variante gerade in der Solo-Arbeit großer Beliebtheit erfreut. Man muss an dieser Stelle aber ganz eindeutig festhalten, dass sich der Klang eines jeden Instrumentes aus der Gesamtheit der verwendeten Hölzer und ihrer Beschaffenheit, der Konstruktion und der Verarbeitung ergibt. Und diese Grundbausteine liegen manchmal so nah beieinander, dass ein klanglicher Unterschied nur marginal zu erfassen ist und sich deshalb die landläufige Meinung, der Unterschied wäre allein in der Optik zu finden, eisern hält. Ihren typischen Klang erzielen die Mandolinen aufgrund ihrer Doppelbesaitung aus Stahlsaiten und der grundlegenden Korpusform.

Tonabnehmersysteme

Viele Modelle gibt es auch mit eingebautem Tonabnehmersystem, wobei es sich häufig um magnetische Ausführungen handelt. Wenn man also mit dem Gedanken spielt, die Mandoline schon frühzeitig auch in der Band einzusetzen, sollte man beim Kauf die Augen nach entsprechenden Modellen mit eingebautem Tonabnehmer offenhalten. Diese gibt es zum Glück auch schon im unteren Preisbereich.

Die Bespielbarkeit

Die Sattelbreite der Standard-Mandoline ist 28 mm. Da wir ja, wie bereits erwähnt, jeweils zwei Saiten pro Ton haben, wird es für die Greifhand im ersten Moment etwas eng. Durch die Doppelbesaitung wird am Bund auch recht viel Druck benötigt, damit alle Saiten sauber gegriffen werden.

Auch wenn sich das Ganze im ersten Moment schwierig und kompliziert anhört - die Realität sieht viel einfacher aus. Für viele Grundakkorde benötigen wir nämlich dank der Quintstimmung nur zwei Finger, die auch noch in der gleichen oder angrenzenden Lage platziert werden müssen. Wer grundsätzlich etwas mehr Platz für seine Finger benötigt, greift zu Modellen mit breiteren Griffbrettern. Diese sind zwar vor allem in der Einsteigerklasse nicht allzu oft zu finden, es gibt aber durchaus Modelle mit 30 mm oder mehr Sattelbreite.

Bei der Mandoline können neben den Akkord auch die Saitenpaare einzeln angeschlagen werden, und das geschieht mit einem Plektrum. Vergesst also nicht, euch zu eurer ersten Mandoline auch ein paar Plektren zu besorgen. Am besten in verschiedenen Stärken und Formen, um die Form und Beschaffenheit herauszufinden, die euch am besten liegt. Kleiner Tipp: Umso dünner das Plektrum ist, umso weniger Widerstand erzeugt es auf den Saiten. Das sorgt dafür, dass die rechte Hand weniger Druck auf die Saite ausüben muss und es sich etwas leichter anfühlt. Andererseits leidet der Ton bei einer zu schwachen Plektrumstärke, da die Saite dann nicht mehr ausreichend angerissen wird und sich die Schwingungen nicht optimal auf die Decke und das Instrument übertragen. Es gibt spezielle Mandolinen-Plektren in zahlreichen Ausführungen.

Trotz der ähnlichen Maße und des gleichen Aufbaus gibt es enorme Unterschiede im Spielgefühl bei den verschiedenen Herstellern. Das Halsprofil kann bei den Bluegrass-Mandolinen je nach Machart extrem unterschiedlich ausfallen. Und das hat natürlich einen großen Einfluss auf die Bespielbarkeit und das Gefühl für die Greifhand. Pauschal kann man nicht sagen, dass ein schlankes Halsprofil einem kräftigen vorzuziehen wäre. Das probiert man am besten selbst am Instrument aus. Die ersten zwei Akkorde sind schnell gelernt und das reicht schon aus, um herauszufinden, ob man mit einem Instrument warm wird oder nicht.

Verschiedenen Bauformen der Mandoline

Die F-Style-Mandoline

Die F-Style-Mandoline zeichnet sich durch den gerollten Cut am Korpus aus und hat eine geschwungene Kopfplattenform. Manche Modelle kommen mit klassischen F-Löchern, andere haben ein ganz normales Schallloch. Sie wird besonders gern in Bluegrass- und Folk-Bands eingesetzt, kann aber natürlich in jedem anderen Genre genauso überzeugen. Vor allem durch die ansprechende Optik steht sie sowohl Singer/Songwritern beim Soloauftritt wie auch den Solisten in einer Band bestens zu Gesicht. Der "Father of Bluegrass" Bill Monroe hat sich aufgrund seines eindrucksvollen Solospiels besonders um die F-Style Variante verdient gemacht, die übrigens auf Orville Gibson zurückgeht, der dieser Bauform ihren Namen gab. Oft wird auch die Bezeichnung Florentine-Style verwendet.

Gold Tone GM-35 F-Style Mandoline (Produktseite auf thomann.de) 

Die A-Style Mandoline

Diese Variante ist heute neben der F-Style-Variante die am weitesten verbreitete Mandoline, die wegen ihrer typischen Bauform auch "Tropfenform"-Mandoline genannt wird. Sie ist optisch etwas weniger spektakulär und bei ihr sind meist sowohl Decke wie Boden gewölbt. Bei manchen Herstellern finden wir auch hier die von klassischen Streichinstrumenten bekannten F-Schalllöcher. Besonders aufgrund des guten Preis-Leistungsverhältnisses ist die "Teardrop"-Mandoline bestens für Einsteiger geeignet. Ihre Bezeichnung A-Style geht ebenfalls auf Orville Gibson zurück und wird landläufig als "Artist-Style" interpretiert.

Harley Benton HBMA-50E Mandoline VS (Produktseite auf thomann.de)

Die Rundmandoline (Neapolitanische Mandoline)

Mit ihrem sehr bauchigen Korpus entwickelt die Rundmandoline auch unverstärkt einen voluminösen Klang mit sehr gutem Sustain. Sie ist vor allem in der Klassik und der Weltmusik daheim und ein echter Eye-Catcher im Musikerensemble. Aufgrund des runden Korpus schmiegt sie sich nicht so gut an den Körper an wie die anderen Bauformen, deshalb ist die Haltung und Bespielbarkeit etwas gewöhnungsbedürftig und Anfänger sollte diese traditionelle Variante vor dem Kauf auf jeden Fall erst mal ausprobieren. Der Klang und die Optik sind dennoch extrem verführerisch und wer besonders auf das traditionell italienische Erscheinungsbild wert legt, ist mit diesem Modell gut beraten.

Gewa Rundmandoline mit Flachkopf (Produktseite auf thomann.de)

Die Portugiesische Mandoline

Hier handelt es sich wie bei der Bluegrass-Mandoline um eine Flachmandoline, bei der auch die Decke flach ist. Manche Modelle verfügen über einen gewölbten Boden, manche sind komplett flach und die meisten Modelle haben einen größeren Korpus. Sie zeigt sich sehr vielseitig einsetzbar und überzeugt mit einem kraftvollen Klang mit viel Sustain. Allerdings bleibt sie in Sachen Biss und Attack klanglich in der Regel etwas hinter der Bluegrass-Mandoline zurück.

Thomann Portugiesische Mandoline 1 (Produktseite auf thomann.de)

Sonderformen

Neben der bereits erwähnten Mailänder Mandoline gibt es eine schier unüberschaubare Anzahl von Varianten. Diese unterscheiden sich in Korpusform und Anzahl der Saiten und auch in der Stimmung. Besonders interessant für den angehenden Country-Star ist auch die Resonator-Mandoline, die mit einem sehr durchsetzungsstarken Klang aufwartet und optisch mit ihrem Metall-Korpus ein echter Exot ist. Solidbody-Mandolinen haben keinen hohlen Korpus und sind für den Einsatz auf der Bühne gedacht. Die Konstruktion erinnert eher an eine E-Gitarre und hat wie die ein magnetisches Tonabnehmersystem.

Die besten Modelle für den Einstieg

Bluegrass-Mandolinen (F-Style & A-Style):

Kaufempfehlung Rundmandoline & Flachmandoline:

Fazit: Welche Mandoline ist nun die Richtige?

Mandolinen sind attraktive und coole Saiteninstrumente, die nicht nur in der Klassik zuhause sind, sondern auch im Pop Akzente setzen und in Country und Bluegrass zu den unverzichtbaren Soundlieferanten gehören. Die Bluegrass-Varianten im F-Style und im A-Style sind für fast alle Musikrichtungen geeignet und die beste Wahl nicht nur für Einsteiger. Sie entsprechen optisch und klangtechnisch genau dem, was wir uns unter einer Mandoline vorstellen, und selbst für den kleinen Geldbeutel gibt es vernünftige Instrumente. Für alle Fans der klassischen Musik, die eine Mandoline in der traditionellen neapolitanischen Bauweise bevorzugen, sind Rundmandolinen die richtige Wahl.

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