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Test
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27.09.2017

Praxis

Aufgrund der "un-technischen" Bezeichnungen - eventuell auch der Sprachbarriere, die für Nicht-Native-Speaker je nach Training nicht einfach zu nehmen sein dürfte - ist beim Kush Audio Clariphonic MS der Blick ins Manual zwingend erforderlich. Dieses ist mit über zwanzig Seiten ungewöhnlich umfangreich und detailliert gestaltet, trotzdem ausgesprochen zugänglich formuliert und nimmt einen gut an die Hand. Dickes Kompliment dafür!

Der Clariphonic fügt dumpfen Sounds wieder Klarheit hinzu

Es dürfte bereits deutlich geworden sein, was die Domäne des Clariphonic ist: das Aufhellen, Aufklaren von zu warm geratenen Quellen. Nun ist anno 2017 oft das Gegenteil erforderlich, aber auch heute soll es noch dumpfe Mikrofonaufnahmen oder etwa aufgrund von Abhörproblemen zu basslastig geratene Mischungen geben. Es hilft außerdem, die Audiobearbeitung ganz unesoterisch als Yin-Yang-Konzept zu begreifen: Sind die Mitten zu dick, so kann man diese entweder direkt absenken oder aber man hebt die hohen Frequenzen an, um eine Balance herzustellen. Letzteres geht mit dem Clariphonic und zwar ohne den Phasengang des Signals im delikaten Wärme- und Füllebereich anzutasten. Überhaupt: Oftmals reicht schon eine minimale Anhebung für maximalen Effekt und da diese dem Direktsignal auch nur hinzugemischt wird, lassen sich sehr elegante, "un-prozessiert" klingende Ergebnisse erzielen. Man kann es mit dem Kush-EQ sehr leicht übertreiben, weil die meisten Bänder einfach so weich klingen, das auch viel zu viele Höhen noch smooth und seidig rüberkommen. Hier gilt es also gut abzuwägen. Auch das Handbuch weist fairerweise darauf hin, dass manchmal schlicht der halbe Pegelhub den man unwillkürlich einstellt schon mehr als ausreicht. Also: Hinhören! Mehr denn je ...

Seidige und offene Höhen mit einem airy Glanz

Einige Anwendungsmöglichkeiten für den Clariphonic MS habe ich bereits genannt. Bändchen- oder andere dynamische Mikros lassen sich nach oben hin öffnen und auch Vintage-Condenser mit aus heutiger Sicht defensivem Höhenbild (etwa Neumann Gefell CMV 563 oder Neumann U67) bekommen einen airy Glanz, der mit jedem Sony C800 mithalten kann. Dies funktioniert gerade bei Vocals hervorragend, wobei hier auch unterschiedliche Aufgaben super bedient werden. Die Leadstimme kann in den Präsenzen vorne in der Mitte des Mixes festgenagelt werden, während (nicht zuletzt auch dank der M/S-Matrix) die Background-Chöre außen seidigsten Hauch bekommen können. Aufpassen muss man vor allem mit der Focus-Engine und dem Presence-Band der Clarity-Engine, denn werden die Hochmitten zu stark geboostet, dann bringt der Clariphonic etwaig bereits vorhandene Härten oberehrlich nach vorne.

Offenheit auch in der Drumgruppe

Sehr schön lassen sich die unterschiedlichen Charaktere der insgesamt sechs Filterkurven an einer Drumgruppe zeigen. Hier ist das Zusammenspiel zwischen harschen Hi-Hats und seidigen Raumanteilen besonders delikat und damit auch die genaue Bearbeitung umso wichtiger. Oft sitzen Wohl und Wehe sehr nah beieinander, aber zum Glück bietet der Clariphonic zahlreiche Optionen zum Feintuning, und dabei beherrscht er eben beides: Signale wuchtig nach vorne zu bekommen, und dazu die ganz leisen Zwischentöne im delikaten Airband. Auch bei den Drums kommt der M/S-Modus wieder ins Spiel: Gerade bei Gitarrenmusik kämpfen viele Signale in ähnlichen Bereichen um die Aufmerksamkeit und alle geben in dichten Passagen voll Stoff. Vocals, Gitarren, Snare und so weiter wollen sortiert werden. Eine Höhenanhebung im Seitensignal bringt Offenheit in die Drums, ohne dass die Vocals in der Stereomitte zu sehr überlagert werden.

Gute bis sehr gute Ergebnisse in der Summe

Auch für die Summenbearbeitung eignet sich der Clariphonic sehr gut. Im Prinzip trifft alles bereits Gesagte auch hier zu - mit der Ergänzung, dass der Kush-EQ auch auf delikaten, komplexen Summen eine gute Figur macht und obenrum für Seidigkeit sorgt, ohne dass übermäßige Artefakte ins Spiel kommen. Klar, übertreiben kann man es überall und immer, aber wohldosiert bringt der Clariphonic stets gute bis sehr gute Ergebnisse, abermals hier auch im M/S-Modus. Auch gegen - im weiteren Sinne - konventionellere Konkurrenten wie den Dangerous Music BAX EQ und den Electrodyne 2511 kann sich der Clariphonic gut behaupten: Alle genannten Geräte sind eigenständig, sorgen für sich genommen für tolle Resultate und nehmen sich gegenseitig auch nicht die Butter vom Brot. Mehr noch: Sie können sich auch gut ergänzen. Zumal der Clariphonic ohnehin als Teamplayer gesehen werden muss, denn er ist und bleibt ein Spezial-EQ mit klar umrissenem Aufgabenfeld, und kann prinzipbedingt nicht alles abdecken.

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