Gitarre
Test
1
22.09.2011

PRAXIS

Die Bedienung des Amps ist intuitiv und benötigt keinen Blick in die Bedienungsanleitung. Beim Einschalten des Topteils war der Krank Channel aktiv, der wiederum war voll aufgerissen und auch das Gain-Poti befand sich in Maximalstellung. Aber zu hören war so gut wie nichts. Kein Rauschen, kein Brummen, sehr bemerkenswert!

Also los! Paula geschultert und ab dafür.

Abgenommen habe ich das Ganze mit einer geschlossenen, sehr massiven 2x12“ Box mit Celestion Vintage 30 Speakern. Das Signal wurde mit einem Brauner VM1 in einen Neve Preamp geführt, wobei sämtliche Klangbearbeitungen natürlich deaktiviert waren. Sämtliche ampseitigen Potis zur Klangverbiegung befanden sich während des Tests ebenfalls in Mittelstellung.

Im ersten Beispiel schalte ich die Pickup-Positionen bei jedem Durchgang durch, beginnend beim Hals PU.

Der Kleen-Channel gefällt mir gut. Er gibt exakt das wieder, was reinkommt – nichts mehr, nichts weniger. Wer auf der Suche nach einem im besten Sinne neutralen Cleansound ist, sollte sich einmal in diesen Amp stöpseln. Die Klangregelung arbeitet effektiv, ändert aber nicht grundsätzlich den Basissound. Die Anschläge bekommen einen angenehmen Snap, der feine Nuancen darstellen kann. 

Ich schalte in den Krank-Channel, schnappe mir eine modifizierte Strat mit einem Humbucker am Steg und schalte auf den Singlecoil in der Halsposition.

Auch die Strat wird gut wiedergegeben, und gerade was das Höhenbild betrifft, nimmt der Verstärker sich nicht zurück. Eine gewisse Durchsichtigkeit bleibt trotz des schon ordentlichen Pfunds beim Gain (das Poti steht auf zehn Uhr) erhalten, und der Amp fabriziert einen schmutzigen Crunchsound.

Ich ändere nichts an der Einstellung und schalte jetzt auf den Humbucker.

Natürlich ändert sich das Klangbild, der mittige Punch nimmt zu, aber auch hier bleibt der Amp luftig und das lädt förmlich zu Rocken ein. Was mir schon bei den Cleansounds aufgefallen ist, führt sich auch in diesem Kanal fort.

Der Amp macht einfach genau das, was er soll. Mancher würde das charakterlos nennen, ich bezeichne das in diesem Fall als vielseitig - und das ist mehr als positiv gemeint! Reserven hat das Topteil zur Genüge, jeder, der sich einmal vor einen aufgerissenen 50 Watt Vollröhren-Amp gestellt hat, kann das bestätigen. Auch gainseitig ist nach oben eine ganze Menge Luft, wie wir später noch hören werden.

Im nächsten Beispiel werde ich mich mit dem Sweep-Poti auseinandersetzen und drehe es während des Spiels langsam von links (basslastiger) nach rechts (genau, weniger basslastig), wobei der Einsatzpunkt des parametrischen EQs des Sweep Potis ja von der EQ-Einstellung abhängig ist. Im Übrigen wirkt der Regler nur im Krank Channel. Ich verwende wieder die Les Paul in der Stegposition und habe den Gainregler jetzt in 13 Uhr Stellung gebracht.

Man kann problemlos heraushören, was alles möglich ist. Der Sound lässt sich komplett verbiegen und ist so fast grenzenlos flexibel.

Abschließend gibt’s noch einen kleinen Song, bei dem die Gitarren weitestgehend unbearbeitet blieben, lediglich ein leichtes Delay auf der Leadgitarre ist zu hören. Der Gainregler steht fast auf Rechtsanschlag.

Gainseitig muss sich der Kleine beim besten Willen nicht verstecken, wem das jedoch nicht reichen sollte (was ich bezweifele), dem steht die FX-Röhre noch als zusätzlicher Boost zur Verfügung.

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