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Test
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23.09.2016

Praxis

Die vielversprechenden Features und der auf Anhieb logische Workflow lassen mich neugierig werden: Wie klingt sie denn jetzt, die Kick-Kiste? Der Name ist ja bekanntlich Programm, also beginne ich meinen Hörtest mit Kick Drum Sounds. Mit dem internen Sequencer ist schnell eine Four-On-The-Floor-Kick eingerichtet, an der ich nun schrauben kann. Ich arbeite mich langsam an den verschiedenen Parametern ab: Die Pulse-Sektion verleiht der Kick einen besonderen Punch, der sie auch in einem dichten Arrangement präsent halten kann. Möchte man diesen Effekt noch verstärken, greift man zum Bend-Regler, der den Anfangspitch der Kick festlegt, bevor sie auf ihre eigentlichen Tonhöhe abfällt. Je weiter Bend aufgedreht ist, desto mehr zusätzlichen Punch erhält die Kick. Einige Variationen dieses Prinzips habe ich im folgenden Beispiel mitgeschnitten. 

Der Overdrive gibt den Bass Drum Sounds weniger Dreck als vor allem Low-End und Bauch. Wenn man erst einmal den Drive-Poti betätigt hat, kommt man nur noch schwer ohne ihn aus. Um das zu demonstrieren, habe ich nach und nach den Drive in den Kick-Loop hineingedreht. Hört selbst.

Wie bereits erläutert, hat das Filter beim volca kick die Funktion eines Oszillators. Die geliebte Funktion des Filter-Aufreißens übernimmt daher eher der „Tone“-Regler. Er selbst wirkt wie eine Art Low Pass Filter und liefert vor allem in Kombination mit dem Drive-Poti eine ergiebige Klang-Variation.

Wenn der Drive aufgedreht bleibt und der Decay vergrößert wird, kommen wir langsam von der Kick Drum in die Synth-Bass-Welt. Zunächst entstehen 808-artige Kicks mit langem Decay, bis dann irgendwann über MIDI oder die Touch-Tastatur tatsächliche Bass-Lines gespielt werden können, die stark von den Drive- und Tone-Reglern profitieren. In der entsprechenden Tonlage fängt mein Studioraum an, sich durch die schiebenden Sub-Bässe zu bewegen. Ein gutes Zeichen. Durch die Pulse-Sektion kann man außerdem die Attackphase der Basslines in den Vordergrund stellen, wodurch zwar lange, aber trotzdem sehr präzise Sounds entstehen. 

Auch als ich am Pitch-Regler drehe, werde ich nicht enttäuscht: Sowohl präzise Tom-Sounds als auch MS20-artige, aggressive Percussion-Sounds sind hier möglich.

Durch die Tatsache, dass alle angesprochenen Parameter einen eigenen Poti bzw. Button besitzen, behauptet der volca kick sich stark in Sachen intuitiver Klangbearbeitung. Wo heutzutage viele Synthesizer und Drum-Machines nicht ohne Untermenüs und Displays auskommen, zaubert er mir mit seinen wenigen, aber effektiven Regelmöglichkeiten schnell ein Lächeln ins Gesicht. Dieses Lächeln lässt sich dann sogar dokumentieren: Durch die Möglichkeit des Motion Sequencing kann ich meine Live-Performance an den Reglern als Teil der Sequenz aufnehmen. Alle Regler der Klangerzeugung lassen sich aufzeichnen, lediglich Swing, Tempo und Volume werden vom Motion Sequencing nicht erfasst. So bekommt ein Kick-Loop nicht nur mehr Lebendigkeit, sondern kann plötzlich zum eigenständigen Electro-Beat werden. Zum Beweis ein Vorher-Nachher-Vergleich:

Darüber hinaus besitzt der Sequencer weitere kreative Tools, die den kleinen Volca nie langweilig werden lassen. Mit der Slide-Funktion kann man beispielsweise einzelnen Steps Slides zuweisen. So entstehen legato-artige Glide/Portamento-Effekte innerhalb der Sequenzen. 

Wer dann noch nicht genug hat, kann die „Bend Reverse“-Funktion abrufen. Hierbei kann man pro Step festlegen, dass der jeweilige Bend-Wert invertiert werden soll. Die Tonhöhe fällt nun nicht mehr ab, sondern steigt an. 

Vergleich: volca kick vs. MS-20 mini

Da das Herzstück des volca kick von einer spezialisierten MS20-Filterschaltung gebildet wird, liegt es nahe, dass zumindest die Kick-Sounds denen der deutlich teureren MS20 bzw. MS-20 mini nahe kommen dürften. Ich konnte mir einen Direktvergleich mit dem MS-20 mini nicht verkneifen und war am Ende doch recht enttäuscht, als ich hörte, wie viel mehr Low End und Sattheit der MS-20 mini in seine Kick-Sounds steckt. Bei so genau wie möglich identischen Einstellungen hat der volca kick zwar einen knackigeren Attack, aber grundsätzlich nicht viel mit dem Kick-Sound des MS-20 mini gemeinsam. Wer also exakt dessen Sound sucht, muss vielleicht doch etwas tiefer in die Tasche greifen – hat dann allerdings noch keinen Sequencer. Der volca kick bietet also keine Miniatur-Version einer MS-20 mini Kick, sondern viel mehr einen sehr eigenen, speziellen und dennoch variablen Kick-Sound mit einem intuitiven und inspirierenden Sequencer.

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