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Test
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01.09.2014

Praxis

Konfiguration

Die taktile-Keyboards bieten 16 interne Speicherplätze („Scenes“) für Konfigurationen. Sieben davon sind werksseitig mit vorgefertigten Templates zur Steuerung der DAWs Cubase, Digital Performer, GarageBand, Live, Logic, Pro Tools und SONAR belegt. Diese vordefinierten Konfigurationen lassen sich verändern und auch überschreiben, wenn man z.B. nur das Template für eine dieser DAWs benötigt. So hat man mehr Plätze für eigene Konfigurationen zur Verfügung, etwa zur Steuerung verschiedener Softsynths. Umgeschaltet werden die Scenes mit dem Touch-Slider. Hier würde ich mir die Möglichkeit wünschen, Scenes alternativ beispielsweise über die Pads oder Buttons umschalten zu können – vor allem im Live-Betrieb wäre das von Vorteil.

Interessanterweise wird die individuelle Programmierung von Bedienelementen in der Bedienungsanleitung mit keinem Wort erwähnt. Stattdessen empfiehlt Korg, die Scene „Basic MIDI“ auszuwählen und die Controller dann eben in der jeweils zu steuernden Software zuzuweisen. Die Zuweisung der Bedienelemente zu Controller-Daten ist am Gerät selbst aber natürlich ebenso möglich und trotz des kleinen Displays auch recht einfach: Man drückt den Taster Setting und betätigt danach das betreffende Bedienelement. Daraufhin kann man mit den Cursor-Tasten durch ein Menü steppen, wo sich MIDI-Kanal und Steuerparameter einstellen lassen. Zur Einstellung von Werten dient jeweils der Touchstrip.

Komfortabler ist die Programmierung über die kostenlose Editor-Software Korg KONTROL Editor, die als Download für Windows und Mac erhältlich ist. Sie sieht zwar zugegebenermaßen etwas hastig zusammengeschustert aus – etwas mehr Aufmerksamkeit hätte man der Gestaltung der Oberfläche schon schenken können – bietet aber alle Controller und ihre derzeitige Belegung im Überblick. Außerdem ermöglicht sie die Archivierung von Scenes auf dem Rechner, sodass man nicht aufgeschmissen ist, wenn die 16 internen Plätze mal nicht ausreichen.

DAW-Templates

Die taktiles emulieren das Mackie-Control-Protokoll. Die vorkonfigurierten Templates für die gängigen DAWs sind – wenig überraschend – jeweils so ausgelegt, dass eine Einheit aus Fader, Poti und Button für Lautstärke, Pan und Solo/Mute/Aufnahmebereitschaft eines Kanals zuständig ist (beim taktile 25 und TRITON taktile 25 entfällt mangels Drehreglern die Pan-Funktion). Mit zwei Buttons kann man die Bänke von je acht Fadern umschalten. Der Assign-Knopf schaltet durch die drei möglichen Funktionen der Drucktaster, was durch LEDs angezeigt wird. Die Transport-Buttons umfassen Play, Stop, Record, vor-/zurückspulen, Loop/Cycle an/aus und einen Marker-Knopf, mit dessen Hilfe man Marker setzen und anfahren kann. Gewünscht hätte ich mir noch einen Button für das Metronom.

Vor allem die beiden 49-Tasten-Modelle ermöglichen dank der Drehregler eine ziemlich umfassende Fernbedienung einer DAW, zumal man ja sogar das Touchpad als Maus nutzen kann. In den meisten DAWs meldet man die taktiles einfach als Mackie Control an. Nachdem man die korrekten MIDI-Ports für Ein- und Ausgabe zugewiesen hat, ist das taktile zur Steuerung einsatzbereit.

Eine recht unschöne Besonderheit stellen hingegen Logic und GarageBand dar. Für diese DAWs gibt es ein spezielles Bedienoberflächen-Plugin bei Korg zum Download, das die taktiles als Control Surface in Logic/GarageBand einbindet. Wenn es installiert ist, wechselt das angeschlossene taktile beim Start von Logic automatisch in den Logic Native Mode und alle Bedienelemente sind fertig zugewiesen. Einfacher geht es zwar kaum, aber gleichzeitig ist dieses Konzept leider auch ziemlich unflexibel. Der Native Mode wird nämlich „erzwungen“, sobald Logic läuft. Es ist dann bedauernswerterweise nicht mehr möglich, Scenes manuell umzuschalten, um etwa eine andere Konfiguration zur Steuerung eines Softsynths zu verwenden, und bei den TRITON taktiles lässt sich auch die interne Klangerzeugung nicht mehr einfach durch Druck auf den Sound-Taster aktivieren. Das ist in meinen Augen sehr unflexibel. Was bringen all die Konfigurationsmöglichkeiten, wenn das Keyboard beim Start der DAW in einen unveränderlichen „Native Mode“ gezwungen und nicht mehr daraus entlassen wird, bis man die Software beendet? 

Touchpad

Das zentrale Touchpad ist das wichtigste Alleinstellungsmerkmal der taktile-Keyboards. Seine drei Modi werden über beleuchtete Taster umgeschaltet. Im Modus Track Pad dient das Pad als Mausersatz. In diesem Fall übernimmt der darunter liegende Touchstrip die Funktionen der linken und rechten Maustasten. Natürlich muss man sich daran erst gewöhnen – anfangs wandert die Hand einfach aus Gewohnheit zur Maus – aber das ist eine gute Idee, die vor allem Anwendern gefallen dürfte, die Laptops auf der Bühne einsetzen. Im Modus Control arbeitet das Touchpad als konfigurierbarer X/Y-MIDI-Controller. So kann man zum Beispiel Cutoff und Resonance oder zwei Effektparameter mit einem Finger steuern – sehr praktisch. Schließlich gibt es den Modus Touch Scale, in dem die X-Achse Noten einer einstellbaren Tonleiter erzeugt, während die Y-Achse weiterhin als Controller nutzbar ist. Insgesamt 35 Skalen stehen zur Verfügung, darunter auch exotische Vertreter wie Arabic oder Chinese. Das Prinzip kennt man vom Kaossilator, und während es als Werkzeug zum gezielten Spielen von Melodien kaum zu gebrauchen ist, kann es zu unerwarteten Resultaten führen und damit inspirierend wirken.

Pads

Die beleuchteten Pads wirken für meinen Geschmack im Gegensatz zur Tastatur etwas klapperig, an die grundsoliden Pads der Konkurrenz von z.B. AKAI reichen sie haptisch nicht heran. Aber sie erfüllen zuverlässig ihren Zweck. Ich habe es auch mit der Kurve „Heavy“ nicht geschafft, Velocity-Werte von unter ungefähr 20 zu erzeugen, aber das dürfte bei den typischen Anwendungsbereichen für Pads kaum stören, eher im Gegenteil. Die einzeln konfigurierbaren Pads senden Noten, Controller-Befehle oder Program Changes und im Modus Chord Scale diatonische Akkorde einer einstellbaren Tonart (hier kommt die gleiche Skaleneinstellung wie für das Touchpad zum Einsatz). Das Voicing lässt sich mit acht Chord Types einstellen. Damit kann man zum Beispiel eine erfrischende Housepiano-Jamsession abhalten, ohne sich mit Akkorden auszukennen.

Arpeggiator

Der integrierte Arpeggiator wird mit dem Button ARP aktiviert und bietet die sechs Typen Up, Down, Alt1, Alt2, Random und Trigger (ein Modus zum rhythmischen Triggern von Akkorden), die jeweils mit 50 Rhythmuspatterns kombinierbar sind. Außerdem lassen sich die Gate-Zeit, der Oktavumfang, Key Sync, Swing und Latch einstellen. Der Arpeggiator synchronisiert sich zur MIDI-Clock und ist nicht nur in Kombination mit der Tastatur, sondern auch mit dem Touchpad und den Pads und ihrem Chord Scale-Modus verwendbar. Er bietet zwar keine revolutionären Features, bringt aber alle wichtigen Funktionen eines klassischen Arpeggiators mit und ist damit eine willkommene Beigabe in einem Controllerkeyboard.

TRITON taktile Sounds

Der Korg TRITON erschien 1999 und wurde mit seinem großen Touchscreen und den für damalige Verhältnisse hervorragenden Sounds schnell zu einer der beliebtesten Synthesizer-Workstations jener Zeit. Mittlerweile ist die TRITON-Serie zwar Geschichte, aber warum sollten die damals so populären Sounds nicht auch heute noch funktionieren? Also hat Korg den beiden TRITON taktiles die 512 Preset-Klänge der Workstation eingepflanzt. Gedacht ist das hauptsächlich als klangliche Grundausstattung für Einsteiger, aber vielleicht freut sich auch der eine oder andere Ex-TRITON-Besitzer über die Zugabe der liebgewonnenen Sounds. Anders als beim TRITON sind die Klänge hier zwar nicht in allen Details editierbar, aber über die Fader können immerhin einige wichtige Parameter wie Cutoff, Resonanz, Hüllkurve und Effektanteile reguliert werden. Die TRITON taktiles sind monotimbral – es lässt sich immer nur einer der Sounds zur Zeit verwenden. Die Polyphonie beträgt immerhin 80 Stimmen – mehr als genug für einen einzelnen Sound. Um die internen Sounds zu spielen, drückt man den Button Sound und wählt dann mit dem Touch-Slider das gewünschte Preset.

Zur Ansteuerung der internen Klangerzeugung über USB-MIDI verfügen die taktiles über einen speziellen, softwareseitigen MIDI-Port, der in allen DAWs außer Logic und GarageBand getrennt von den Ports ist, die zur DAW-Steuerung verwendet werden – so wie es sein sollte. In Logic und GarageBand läuft es aber wieder etwas anders. Bei Verwendung des speziellen Control Surface Plug-ins funktioniert zwar die DAW-Steuerung auf Anhieb, die Verwendung der internen Sounds ist hingegen in meinen Augen sehr ungünstig gelöst: Befindet sich das Keyboard im automatischen Native Mode zur Kontrolle von Logic (der beim Start der DAW „erzwungen“ wird), so ist der Sound-Button ohne Funktion und die internen Sounds lassen sich nicht mehr direkt am taktile aktivieren. Um die Klangerzeugung aus der DAW heraus anzusteuern, muss man das taktile über einen bestimmten MIDI-Port namens "SND / CTRL" ansprechen – dummerweise derselbe Port, der bei Verwendung des Control Surface Plug-ins vom taktile-Bedienoberflächenobjekt verwendet wird. Der benötigte Ausgangsport wird von der Bedienoberfläche blockiert und kann gar nicht als Ausgang einer MIDI-Spur ausgewählt werden. Erst wenn man das Bedienoberflächenobjekt löscht, wird das Keyboard aus dem Logic Native Mode entlassen und die Sounds können angesteuert werden, aber die DAW-Steuerungsfunktionen fallen im Gegenzug flach.

Am Ende dieses etwas komplizierten Exkurses steht also die Erkenntnis: De facto kann man mit dem TRITON taktile in Logic entweder die DAW steuern oder die Sounds benutzen, beides zusammen geht nicht, und zum Umschalten muss man jedes Mal manuell das Bedienoberflächen-Objekt in Logic entfernen bzw. hinzufügen. Das ist natürlich völlig inakzeptabel, und deshalb möchte ich Logic- und GarageBand-Benutzern auch ausdrücklich vom Kauf eines TRITON taktile abraten. Ich stand im Hinblick auf dieses Problem im Kontakt mit dem deutschen Korg-Vertrieb, aber auch eine Anfrage bei den Entwicklern in Japan blieb ohne Ergebnis.

Viele der TRITON-Klänge kennt man aus erfolgreichen Produktionen jener Zeit, aber mittlerweile hört man ihnen an, dass sie schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben. Mit heutigen Workstations können sie nicht mehr mithalten und gegenüber computergestützten, Gigabyte-starken Sample Librarys ziehen sie natürlich erst recht den Kürzeren. Auch wenn sich unter den Presets immer noch etliche Klänge finden, die man bedenkenlos verwenden kann (vor allem im Synth-Bereich), schwingen die 90er-Jahre immer ein bisschen mit – man merkt das schon an der Soundauswahl, wo viele Programmnamen auf „Rave“ oder „Techno“ verweisen und sich etliche luftige Digital-Pads aneinander reihen. Viele Sounds klingen nach wie vor gut, nur eben zum Teil etwas aus der Mode gekommen – wer Soundmaterial für topaktuelle Produktionen sucht, wird hier also wahrscheinlich nur bedingt fündig.

Lohnt sich also der Mehrpreis für ein TRITON taktile? In meinen Augen eher nicht. Mit den angesprochenen Einschränkungen – fehlende Editierbarkeit und nicht mehr ganz zeitgemäßes Soundmaterial – ist der Mehrwert überschaubar. Selbst ein Einsteiger mit Bedarf an einer Grundausstattung dürfte hier schnell an die Grenzen stoßen. Logic- und GarageBand-Benutzer könnten sogar enttäuscht bis verärgert sein, denn zusammen mit dem entsprechenden Bedienoberflächen-Plugin lassen sich die internen Sounds nach jetzigem Stand der Dinge nicht verwenden.

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