ANZEIGE

Korg KONNECT Test

Praxis

Die Bedienung der Korg KONNECT über die rückseitige Mixersektion ist nicht so trivial, wie es auf den ersten Blick scheint, denn die drei Quellen werden in Form einer umschaltbaren Matrix eingestellt. Sprich: Zunächst wählt man über den entsprechenden Taster (1, 2, 3/4) den gewünschten Kanal, dann erst regelt man die Lautstärke und den Klang über die Drehregler. Und auch das Einstellen der Voice-Presets und des global wirkenden Halls (über die App separat pro Kanal einstellbar) ist trickreich, denn jedes der vier anwählbaren EQ-Presets ist noch mal in drei Parameterstufen unterteilt. Leider hilft hier auch keine fühlbare Rasterung, so dass man jeweils sehr genau hinhören muss, um zu kontrollieren, ob man beispielsweise gerade das EQ-Preset „Female Vocal“ oder „Electric Guitar“ und wenn ja, in welcher Stärke ausgewählt hat. Gerne hätte ich an dieser Stelle einige Audiobeispiele präsentiert, aber leider verfügt die Box über keinen Record-Out. Das ist nicht nur bei Testberichten ärgerlich, sondern auch und besonders, wenn man Mitschnitte der Performance oder des Vortrages anfertigen will. Punktabzug an dieser Stelle.
Vermisst habe ich auch eine zuschaltbare Phantomspeisung. Außer den Kanalwahl-Tastern befindet sich auch auf der Rückseite auch ein Druckknopf mit der Aufschrift „Center Cancel“. Ist er aktiviert, wird das Mittensignal – dort also, wo sich für gewöhnlich die Stimme befindet – durch Phasenauslöschung abgesenkt: der Karaoke-Effekt eben. Das funktioniert in der Praxis recht gut und Hauptstimmen treten ein gutes Stück weit in den Hintergrund. Allerdings – auch das kennt man als Nachteil des Karaoke-Effekts – auf Kosten der Höhen. Weniger überzeugend agiert die Feedback-Unterdrückung: Ein Unterschied in der Rückkoppelungsfestigkeit war kaum feststellbar. Selbstständig erkennt der Lautsprecher auch, ob er in Betrieb ist oder nicht: Liegt länger als zwanzig Minuten kein Audiosignal an, schaltet sich die Box in den Standby-Betrieb, der nur durch Drücken des Power-Tasters wieder aufgehoben werden kann.

Das Handling ist gewöhnungsbedürftig, denn jede der Reglerstellungen hat drei Unterteilungen
Das Handling ist gewöhnungsbedürftig, denn jede der Reglerstellungen hat drei Unterteilungen

KONNECT App

Je nach vorhandenem Betriebssystem und Endgerät kann man sich vom App- oder Play-Store (iOS/Android) die „Korg KONNECT App“ kostenlos herunterladen. Sie ermöglicht via Bluetooth den Zugriff auf sämtliche Basisfunktionen der KONNECT und noch einiges mehr: So steht neben der Auswahl und stufenlosen Zumischung von Voicing-Parametern und Effekt-Send-Anteil pro Kanal auch eine einfache Dreiband-Klangregelung (High, Mid, Low) samt Panning bereit.
Die Effekte umfassen im Detail:

Kanal-FX

  • Kompressor
  • Chorus
  • Delay

Voicing-Presets

  • Male Vocal
  • Female Vocal
  • Electric Guitar
  • Acoustic Guitar
  • E-Guitar Cabinet Simulation
  • Bass
  • Slap Bass
  • Keyboard
  • Rhythm Machine
  • Cajon
  • Brass
  • Woodwind
  • Rock/Blues (Musik)
  • Jazz (Musik)
  • Classic (Musik)
  • Country (Musik)

Die Presets sind durch die Bank brauchbar gewählt und zeigen deutlich, dass Korg hier eine respektable DSP-Power verbaut haben muss. Denn die Presets kümmern sich hörbar nicht allein um die Klangfarbenbearbeitung, sondern leisten auch Dynamikbearbeitung. Das immer in einem Umfang, wo man auch in Maximalstellung eigentlich nichts falsch machen kann – sehr gut.

Fotostrecke: 4 Bilder Erstaunlich: Die KONNECT-App ist ein vollwertiger Digitalmixer

Nicht ganz so gut ist dagegen die Bedienung der App gelungen. Das beginnt schon bei der Auswahl von Effekt- und Voicing-Presets. Denn nach dem Drücken geht am unteren Rand eine Rollliste auf, aus der man das gewünschte Preset erst einmal auswählen und dann die Auswahl (anstatt einfach darauf zu tippen) noch mal mit einem winzigen „Save“-Taster bestätigen muss. Erratisch ist auch der Eingriff auf andere Parameter geraten. Denn diese gilt es zunächst einmal anzutippen, woraufhin sich ein Slider öffnet, den man dann auf den gewünschten Wert zieht – Touch-Bedienung geht auch einfacher, wie diverse Apps aus gleichem Haus (beispielsweise iElectribe oder iMS-20) eindrucksvoll zeigen.
Problematisch ist, dass die App keine Abholung der physischen Reglerwerte vornimmt, sondern ihre Werte sofort nach der Konnektivierung an die KONNECT übermittelt. Im Test schaffte ich es mehrmals, mir beim Verbinden plötzliche Feedbacks und Lautstärkesprünge einzuhandeln, weil die Regler in der App ziemlich weit oben standen. Gut, dass es drei abspeicherbare Szenen gibt. Eine davon sollte man sich also tunlichst als komplettes „Fader unten Setting“ ablegen. Eine empfindliche Einschränkung ist auch, dass die App nicht im Hintergrund läuft und somit gleichzeitiges Streamen vom Mobilgerät und Steuerung des Mixers nicht möglich ist.

Eigentlich ungleiche Brüder: 6,5 Zoll plus Hochtöner gegen 4 Zoll Breitband - dennoch zeigt die Yamaha, was sich durch geschickte Abstimmung erreichen lässt
Eigentlich ungleiche Brüder: 6,5 Zoll plus Hochtöner gegen 4 Zoll Breitband – dennoch zeigt die Yamaha, was sich durch geschickte Abstimmung erreichen lässt

Klang

Korg haben bei der klanglichen Abstimmung der KONNECT hörbar auf ein starke Präsenzwirkung gesetzt. Sprich: besonders den Mittenbereich fokussiert. Und das kann sie tatsächlich erstaunlich laut: Die laut Datenblatt erzielbaren 180 Watt Ausgangsleistung kommen auf jeden Fall rüber. Das allerdings scheint ein wenig auf Kosten von Höhen und Bässen zu gehen. Wer also im Schaustellergewerbe tätig ist und seine Stimme verstärkt, kann sich sicher sein, dass man auch in zehn Metern Abstand noch bestens versteht, dass es heute nur Hauptgewinne und keine Nieten gibt.
Man könnte also sagen, dass die Box eher eine funktionale und weniger eine schöne Abstimmung hat. Denn über den Hochmitten und Höhen liegt ein leicht indifferenter Schatten, was dazu führt, dass die Box dann auch nicht „größer“ klingt als ihre physikalischen Abmessungen. Auch der Bassbereich gibt sich keine Mühe, einen magischen Zauber zu entfalten: Er ist – im Rahmen des physikalisch Machbaren – da, mehr auch nicht. Im direkten Vergleich und bei moderater Lautstärke lieferte beispielsweise meine altgediente 15-Watt- Schreibtischanlage von Yamaha (MCR 040) mit ihren 4-Zoll Breitbandlautsprechern eine robustere und ausgewogenere Bassleistung als das Korg System mit seinen 140 Watt und seinem 6,5 Zoll Breitbandlautsprecher.

Audio Samples
0:00
Vergleich Yamaha MCR 040/Korg KONNECT (erst MCR 040, dann KONNECT – im Wechsel)
Kommentieren
Profilbild von Klaus Erhard Kaupp

Klaus Erhard Kaupp sagt:

#1 - 17.01.2023 um 12:40 Uhr

0

Das Klangbild des Konnect ist tatsächlich enttäuschend. Spaßeshalber habe ich eine JBL Partybox ausprobiert und war schon von der kleinen "On the go" überrascht, die mir mein Keyboard gut ausgewogen wiedergab. Wer es lauter mag, sollte die 110er testen, die immer hin auf 45Hz runtergeht. Die größeren Modelle hatten mir schon zu viel Bass, auf deren Kosten die Mitte etwas dünner rüberkommt. Die Anschlüsse sind zwar nicht für den harten Bühneneinsatz gemacht, aber für zu Hause (dank Batteriebetrieb sogar im Garten) ein gutklingendes, brauchbares Teil. Würde mich über ein fachmännisches Urteil freuen, denn handliche Stereo Amps speziell für Keyboarder scheinen wenig nachgefragt zu sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.