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Test
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30.06.2018

Knaggs Severn TR3 HSS Test

E-Gitarre

Knaggs-Punkt

Für die Knaggs Severn T3 HSS stand zweifellos die Stratocaster Pate, aber das Resultat ist eine durchweg eigenständige E-Gitarre mit Charakter. Sie gehört zum Portfolio der etablierten, aber bei uns noch weitgehend als Geheimtipp gehandelten Gitarrenbauer Peter Wolf und Joe Knaggs. Letzterer stellte seinen Namen zur Verfügung, als sich die beiden nach 25-jähriger Zusammenarbeit mit Paul Reed Smith 2009 selbstständig machten und ihre Manufaktur gründeten.

Dass ihre Gitarrenkreationen hohe Wellen schlagen würden, konnte damals noch niemand ahnen, aber für nicht wenige ihrer eingeschworenen Fans gelten die Instrumente inzwischen als Nonplusultra. Im Gegensatz zu den Gitarren ihres ehemaligen Arbeitgebers kommen bei Knaggs ausschließlich klassische Gibson- und Fender-Mensuren zum Einsatz. Gleichzeitig hat man darauf verzichtet, den Bereich der oberen Mitten zu überzeichnen, um den Gesamtklang offener zu gestalten.

Details

Konzept und Aufbau

Die Severn gehört zur sogenannten Chesapeake-Serie, deren Modelle nach indianischen Namen von Zuflüssen zur Chesapeake-Bay benannt sind, der größten Flussmündung der USA. Während die Choptank Ähnlichkeiten mit einer modifizierten Telecaster aufweist, hat man sich bei der Konstruktion der Severn im weitesten Sinne am Stratocaster-Ideal orientiert. Deshalb kommen hier nicht nur ähnliche Tonabnehmerbestückungen zum Einsatz, sondern auch eine 648 mm (25,5") Mensur. Sie sorgt für den klassischen Twäng, den man mit einer kürzeren Mensur nicht unbedingt so authentisch hinbekommt. Die Severn gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Dazu gehören neben verschiedenen Pick-up Bestückungen und Farben auch unterschiedliche Klanghölzer und Hardwareoptionen.

Die Testgitarre ist eine "normale" Severn und im Gegensatz zur Severn X mit einem etwas schmaleren Hals und einem 8,5" Griffbrettradius ausgestattet. Bei der Severn X kann man zwischen 14" Zoll und 16" Zoll wählen. Die Korpusform der Severn ist einer Stratocaster sehr ähnlich, auch wenn es wegen des Schlagbretts und den teilweise sehr abgefahrenen Lackierungen auf den ersten Blick nicht so aussieht. Auch die Dicke des Bodys entspricht in etwa dem meiner alten 77er Strat. Dementsprechend vertraut liegt das Instrument auch im Arm. Während Stratocaster-Bodys in der Regel komplett aus Esche oder Erle gefertigt werden, kommt bei der Testgitarre ein Mix aus Erle mit aufgeleimter Ahorndecke zum Einsatz.

Das Instrument wiegt 3,4 kg und klingt dank der sorgfältig ausgewählten und abgelagerten Hölzer und dem selbstentwickelten Edelstahltremolo auf Scharnierbasis sehr ausgeglichen, laut und resonant. Das freischwebende System wird in einem Custom Machine Shop in Baltimore speziell für Knaggs gefertigt. Es besteht aus einer Edelstahlplatte, einem Aluminiumblock und vernickelten Messingreitern. Es lässt sich butterweich bedienen und arbeitet nahezu verstimmungsfrei.

Die Testgitarre ist mit zwei Singlecoils und einem splitbaren Humbucker bestückt, die von einem Fünfwegschalter, einem Mastervolume-Regler und zwei Tone-Potis verwaltet werden. Der hintere Tonregler ist übrigens eine Push/Pull-Variante und dient dem An- bzw. Abschalten einer der beiden Spulen des Steghumbuckers. Die gesamte Elektrik befindet sich auf einem großen schwarzen Pickguard aus Annegre, einer hellen Mahagoni-Art. Außer der Federkammer für das Tremolo befinden sich auf der Rückseite keine weiteren Hohlkammerfräsungen.

Der Hals

Der Ahornhals ist mit einem Ebenholzgriffbrett ausgestattet und beherbergt 22 perfekt abgerichtete Medium-Bünde. Die Halsbreite beträgt 42,9 mm am Sattel und 51,7 mm am 12. Bund. Das Halsprofil beginnt in den tiefen Lagen mit einem dezenten V, das sich in den höheren Lagen allmählich zu einem C formt und gemeinsam mit dem angenehmen 8,5' Griffbrettradius für ein sehr angenehmes Spielgefühl sorgt. Im Gegensatz zur Stratocaster ist hier der Hals verleimt, um die Saitenschwingungen möglichst optimal zu übertragen. Der fließende Übergang zum Korpus, den man mit einem geschraubten Hals nicht hinbekommen würde, beginnt am 17. Bund. Dadurch lässt sich die Gitarre auch in den höchsten Lagen noch unglaublich gut bespielen. Ein sorgfältig gearbeiteter Knochensattel führt die Saiten zu den Gotoh-Locking-Tunern, welche die Gitarre auch nach massivem Tremoloeinsatz gut in Stimmung halten. Dank der leicht abgewinkelten Kopfplatte kommt die Severn ohne Stringtrees aus, was möglichen Verstimmungen zusätzlich entgegenwirkt.

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