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Workshop
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28.08.2013

Keyboard Masterclass Workshop #2

Pentatonik - Es muss nicht immer Blues sein

Im ersten Teil meines Masterclass-Workshops "Jazzphrasierung im Popkontext" habe ich euch mit insgesamt neun schlagkräftigen Impro-Konzepten quasi vor vollendete Tatsachen gestellt. Doch gerade all jene unter euch, die sich bis dato noch nicht so intensiv mit Musiktheorie und ihrer praktischen Anwendung in der Improvisation beschäftigt haben, werden mit den in aller Kürze vorgestellten Prinzipien sicher das eine oder andere Problem gehabt haben.

Darum habe ich mich dazu entschlossen, jedem der verwendeten Konzepte einen separaten Workshop zu widmen, um sie so intensiver und vor allem kleinschrittiger zu beleuchten. Den Einstieg mache ich heute mit dem fortgeschrittenen Einsatz von Pentatonik-Tonleitern.

Bevor wir loslegen wollen wir dir jetzt noch die Möglichkeit geben,  die Noten des Workshop als Komplett-PDF herunterzuladen.

Die Noten des Workshops als PDF-Download

Der erweiterte Einsatz von Pentatoniken

Im ersten Teil habe ich ja schon mal grob angerissen, wie man beim Improvisieren die altbekannte Moll-Pentatonik/Blues-Scale so in Szene setzen kann, dass sie interessanter und "jazziger" klingt, als das üblicherweise der Fall ist. Im Folgenden möchte ich dieses Thema etwas vertiefen.

Also, hier zunächst noch einmal für alle die Moll-Pentatonik, auch wenn sie den meisten wohl sicher bekannt sein dürfte:

Wir befinden uns hier in der Tonart D-Moll. Die Skala besteht aus Grundton, Terz, Quarte, Quinte und Septime, also aus fünf Tönen - und genau deshalb wird sie ja auch „pentatonisch“ genannt.

In A-Moll sähe die Tonleiter dementsprechend so aus:

TIPP: Um möglichst flexibel zu sein, solltest du die Skala natürlich in allen Tonarten draufhaben! Und da hilft nur eines: Üben!

Der Einsatz der Moll-Pentatonik/Blues-Scale über einem Moll 7/9 Akkord

Greifen wir nun einen D-Moll Akkord mit einem „jazzigen“ Voicing, also z.B. Dm7/9 (mit Septim und None).

Dm9 Akkord

Nicht nur Gitarristen würden bei der Improvisation über einem solchen Akkord-Typus zur D-Moll Pentatonik/D-Blues-Scale greifen. Das klappt auch soweit wunderbar, allerdings reibt sich die Terz in der Skala (in diesem Fall der Ton F) ein wenig mit dem Ton E (gr.9) aus dem Akkordvoicing. Wie gesagt: Grundsätzlich kein Show-Stopper, aber es geht auch noch anders.

Eine coole Alternative stellt folgendes Prinzip dar: Wir spielen über dem Dm7/9 Voicing statt der D-Moll Blues-Scale die Am-Pentatonik, da hier das F nicht vorkommt. Alle Töne der Tonleiter passen ohne Reibungen zum Akkord. Außerdem fungiert der in der A-Moll Pentatonik vorkommende Ton E - als kleine Zugabe - auch noch als None des Dm-Akkords, und das klingt besonders schön und "jazzig".

Daher meine Empfehlung: Über m7/9 Voicings die Bluestonleiter bzw. Pentatonik auf der fünften Stufe benutzen - also die Skala, die eine Quinte über dem Grundton des Akkords liegt.

Hier ein paar Beispielphrasen:

Moll-Pentatonik über einem Major 7 Akkord

Aber auch bei der Impro über einem Cmaj7 Akkord gibt es Alternativen zur standardmäßig verwendeten C-Dur Tonleiter (C-Ionisch). Denn auch hier gibt es zwei Töne in der Skala, die sich mit Akkordtönen nicht so gut vertragen, nämlich den Grundton C (reibt sich mit der Maj7, also dem H) und das F (reibt sich mit der Terz E des Akkordes). Wenn wir diese beiden Töne weglassen, bleiben fünf Töne übrig, die identisch mit der E-Moll Pentatonik sind.

Die E-Moll Pentatonik eignet sich also besonders gut dazu, wenn es um das Improvisieren über Cmaj7 geht. Auch hierzu habe ich ein paar Beispielphrasen gemacht:

TIPP: Wechsele immer zwischen den Akkorden Dm7/9 und Cmaj7 hin und her und improvisiere darüber abwechselnd mit der Am und der Em-Pentatonik.

Wir wissen nun, welche Pentatoniken wir – alternativ zur Standardware - über einen m7 und einen maj7 Akkord spielen können. Für  eine typische II-V-I Verbindung (DIE Akkordverbindung im Jazz. In C-Dur: Dm7-G7-Cmaj7) fehlt uns also nur noch eine „Ausweich-Pentatonik“ für den Dominantseptakkord. 

Dominantseptakkorde werden im Jazz gerne als V7/9/13 gespielt, ein typisches Voicing sähe also so aus: 

Dieses Voicing enthält Grundton (G), Terz (H), Septim (F), None (A) und Dreizehn (E).  Als Skala würde man über diesem Akkord normalerweise G-Mixolydisch spielen, also die C-Dur Tonleiter bei G angefangen. Oder vereinfacht gesagt: alle weißen Tasten. Allerdings gibt es auch hier wieder zwei Töne, die nicht ganz so gut zum Voicing passen, nämlich das C (reibt sich mit dem H) und das F (reibt sich mit dem E). Lassen wir diese Töne weg, landen wir … bei der E-Moll Pentatonik.

Regel: Wir merken uns also: Über einem V7/13 können wir die Moll-Pentatonik nutzen, die auf der 6. Stufe der G-Mixolydischen Skala liegt. G-Mixo: G A H C D E F G

Nehmen wir jetzt alle unsere Erkenntnisse zusammen, kommen wir für eine II-V-I in C zu folgendem Ergebnis:

über Dm7/9 die A-Moll Pentatonik
über G7/13 die E-Moll Pentatonik
über Cmaj7 auch die E-Moll Pentatonik

Damit du die Chance bekommst, dich von der Schlagkräftigkeit der Konzepte zu überzeugen, hier wieder ein paar Beispielphrasen:

AUFGABE: Spiele die Beispielphrasen in verschiedenen Tonarten und erfinde auch eigene Varianten.

TIPP: Wie man mit Pentatoniken über alterierten Akkorden spielen kann, habe ich ja schon in meinem letzten Workshop im Abschnitt „alterierte Zwischendominanten“ erklärt. Solltest du den Workshop verpasst haben, hier der Link auf die entsprechende Seite.

So, das war’s erst einmal zum Thema „geliftete“ Bluestonleiter. Im nächsten Teil meiner Masterclass beschäftigen wir uns eingehender mit chromatischen Umspielungen. Bis dann!

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