Gitarre
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26.09.2018

Kaufberatung Tonabnehmer und Mikrofone für akustische Gitarren

Pickup, Mikrofon und Preamp für Akustikgitarre - der Realitätscheck

Geniale Tonwandler oder Nadelöhre für den Sound?

Ganz gleich, ob meine Akustikgitarre mit einem Tonabnehmer oder einem Mikrofon ausgestattet ist: Einen natürlichen Akustikgitarrenklang über einen Verstärker gibt es nicht, wird es nie geben, kann es gar nicht geben. Zu komplex ist das, was das Ohr von einer unverstärkten Akustikgitarre mitbekommt. Aber findige Tüftler haben dennoch einige Möglichkeiten ersonnen, wie man eine akustische Gitarre zumindest so verstärken kann, dass man sie als Akustikgitarre erkennt.

Im folgenden Workshop wollen wir die wichtigsten Fragen zum Thema beantworten und uns mit den Vor- und Nachteilen einer verstärkten Akustikgitarre etwas eingehender beschäftigen.

Tonabnehmer für Akustikgitarre - Quick Facts 

Welche Tonabnehmer für Akustikgitarre gibt es?
Am häufigsten werden bei Akustikgitarren Piezo-Tonabnehmer eingesetzt, sogenannte Kontakttonabnehmer, die normalerweise unter der Stegeinlage versteckt sind. Magnettonabnehmer werden meist ins Schallloch geklemmt und als dritte Variante können Mikrofone im Inneren des Korpus den Schall aufnehmen. Bei Gitarren mit mehreren Möglichkeiten lassen sich diese in der Regel kombinieren.

Warum brauche ich einen Preamp für die Akustikgitarre?
Vor allem Piezo-Pickups benötigen eine elektrische Anpassung an den Eingang des Verstärkers oder Mischpults, weil ihr Klang ansonsten relativ wenig mit dem akustischen Klang zu tun hat. Integrierte Vorverstärker bieten darüber hinaus häufig auch eine Klang- und Lautstärkeregelung, unter Umständen sogar Feedback-Kontrolle, Notch-Filter, Phasenschalter und Stimmgerät.

Die Akustikgitarre auf der Bühne - worauf muss ich achten?
Die größte Herausforderung beim verstärkten Einsatz einer Akustikgitarre mit Tonabnehmern ist das Feedback, dem man aber mit mechanischen Mitteln und der Ausstattung des Preamps zu Leibe rücken kann, die in diesem Workshop beschrieben werden.

Tonabnehmer für Akustikgitarre - Grundsätzliches

Eine akustische Gitarre auf der Bühne ist eine feine Sache, denn sie verleiht vielen Stilen die notwendige Glaubwürdigkeit. Wenn man jedoch versucht, dieses eigentlich ziemlich dezent klingende Instrument zu verstärken, fangen die Probleme an: Feedback und unnatürlicher Klang scheinen unvermeidbare Begleiterscheinungen zu sein. Alle akustischen Instrumente sind davon betroffen, weil eine PA ein akustisches Signal nun mal nicht linear wiedergeben kann. Der Beweis: Speziell als Musiker hört man sofort, ob ein akustisches Instrument direkt zu hören ist oder über ein Lautsprechersystem - auch bei identisch eingestelltem Schalldruck.

Das wirkliche Nadelöhr bei der Übertragung einer Akustikgitarre ist jedoch der Tonabnehmer. Er muss das komplexe Schwingungsverhalten einer Gitarre in einem einzigen Signal zusammenfassen. Dabei muss er scheitern, denn vieles von dem, was den Sound ausmacht, entwickelt sich an unterschiedlichen Stellen des Korpus, werden von dort abgestrahlt und verbinden sich eigentlich erst im Ohr des Zuhörers zum Gitarrenklang. Streng genommen gibt es also nur schlechte und weniger schlechte Tonabnehmer, oder?

Tonabnehmer sind besser als ihr Ruf

Damit tut man den Tonabnehmern unrecht, denn zumindest die bisherigen Systeme müssen sich ohne Ausnahme einem simplen Gesetz unterwerfen: Je natürlicher der Tonabnehmer den Klang aufnimmt und überträgt, desto mehr Probleme gibt es mit Rückkopplungen. Und umgekehrt. Das erklärt auch den Erfolg der Instrumente von Ovation oder speziell Takamine: Ihr verstärkter Sound tönt nicht besonders natürlich, aber er funktioniert auch unter Stadionbühnenbedingungen ohne Probleme: plug, play and forget! Hier würde ein Mikrofon, einen Meter vor der Gitarre platziert, nicht funktionieren. Ein solches wiederum wäre in einem leisen, intimen Rahmen das Mittel der Wahl.

Es gibt im Wesentlichen drei Methoden, den Ton einer akustischen Gitarre abzunehmen: mit einem Mikrofon, mit einem Kontakttonabnehmer oder mit einem magnetischen Pickup.

Mikrofone für die Akustikgitarre: die Champions

Ein hochwertiges Mikrofon ist vom klanglichen Aspekt die beste Methode, ein akustisches Instrument abzunehmen. Speziell mit zwei Mikrofonen in einer Stereoanordnung und mit einem gebührenden Abstand überträgt es das Erlebnis Akustikgitarre am genauesten und wird daher auch in Studios eingesetzt. Hier benutzt man Kondensatormikrofone mit einer kleinen Membran, wie es das Neumann KM 184, das AKG C 451, das Shure KSM 137 oder das the t.bone SC 140 sind. Diese Mikrofone tönen natürlich und direkt; sie können speziell den Attack einer Akustikgitarre präzise übertragen. Auch Kondensatormikrofone mit einer großen Membran werden gerne eingesetzt, aber sie neigen dazu, den Sound zu färben - was allerdings auch oft erwünscht ist.

Für die Soundbeispiele habe ich eine Low-End-Gitarre (Ibanez Concorde aus den 1970er-Jahren) benutzt. Die Mikrofone sind zwei Audio-Technica AT4041 in XY-Anordnung.

Hier habe ich MS-Stereofonie eingesetzt. Ein AKG C414 lieferte das Seitensignal, ein AKG C4000 das Mittensignal.

Der Nachteil dieser Methode ist, dass über das Mikrofon auch alles andere zu hören ist, was sonst in diesem Raum geschieht - also auch das eigene, verstärkte Signal. Das wird besser, wenn man die Mikrofone näher an der Gitarre positioniert, aber dann "hören" sie nur noch einen Ausschnitt des Sounds. Das ist noch immer genug, um eine überzeugende Darstellung zu gewährleisten, aber nicht genug, um Feedback bei höheren Pegeln, wie sie live nun mal herrschen können, zu verhindern. Außerdem muss der Musiker wie angewurzelt an einer Stelle stehenbleiben, um einen gleichbleibenden Abstand zum Mikrofon sicherzustellen.

Für dieses Close-Up-Beispiel kommt ein AKG C451 zum Einsatz, das auf die Decke unterhalb des Stegs gerichtet wurde.

Für dieses Beispiel mit einem mit zehn Zentimetern Abstand auf das Griffbrettende gerichteten Kleinmembran-Kondensatormikrofon habe ich mein Audio-Technica AT4041 eingesetzt:

Daher gibt es die Möglichkeit, ein Mikrofon von außen an der Gitarre zu befestigen. Das geschieht beispielsweise mit einer entsprechenden Halterung, wie es sie im Set mit den Mikrofonen von DPA (d:vote Core 4099) oder the t.bone (Ovid System CC 100) gibt. Diese Lösungen bieten die gleichen klanglichen Vor- und Nachteile wie ein Mikrofon auf einem Stativ, erlauben aber dem Musiker, sich zu bewegen, ohne dass sich der Abstand zwischen Mikrofon und Gitarre verändert.

Wie klingt es im Korpus?

Man kann nun auf die Idee kommen, das Mikrofon in der Gitarre zu platzieren, wo es schön abgeschirmt nur den Gitarrensound aufnehmen könnte. Das hat man auch versucht - mit meist mäßigem Erfolg. Innerhalb einer Gitarre tummeln sich so viele Resonanzen, Phasenschweinereien und ähnliche Gemeinheiten, dass es schwer ist, hier einen vernünftigen Sound herauszuziehen.

Dieses Soundbeispiel entstand mit einem im Korpus angebrachten AKG C418. Der eigentliche Klang ist verblüffend brauchbar, aber um ihn wirklich einsetzen zu können, muss man ordentlich mit einem parametrischen Equalizer eingreifen, will man die Resonanzen in den Griff zu bekommen. Aber auch dann kommt es schon bei niedrigen Pegeln zu nervendem Feedback.

Etliche Hersteller wie beispielsweise Fishman (unter anderem Ellipse Matrix Blend) oder der deutsche Akustikverstärkerspezialist AER (AK-Serie) benutzen ein zusätzliches Mikrofon, das sie von innen durch das Schallloch auf die Saiten richten, um zumindest im hochfrequenten Bereich eine natürliche Abnahme zu gewährleisten - hier haben sowohl die magnetischen als auch die Kontakttonabnehmer ihre größten Schwächen.

Inzwischen ist es dem amerikanischen Hersteller L.R. Baggs gelungen, mit seinen "Anthem"-Systemen eine überzeugende Mikrofonabnahme auch innerhalb der Gitarre zu ermöglichen. Die Feedback-Sicherheit ist überraschend gut, aber auf großen Bühnen und bei hohen Lautstärken pfeift es noch immer zu früh, zumindest wenn der Gitarrist ein vernünftiges Monitoring wünscht.

Piezo-Tonabnehmer: die Pragmatischen

Ein Kontakttonabnehmer steht in direktem Kontakt mit einem der schwingenden Teile - jedoch nicht der Saite! - einer Gitarre. Meistens handelt es sich um sogenannte Piezo-Tonabnehmer. Sie arbeiten mit einem Kristall, der bei Verformung (und genau das passiert bei einer Schwingung) eine Spannung erzeugt, die man ableiten und verstärken kann. Dieser Tonabnehmertyp funktioniert in der Regel zuverlässig und völlig problemlos, weswegen er bereits in den frühen 1970er Jahren in den populärsten elektroakustischen Gitarren der Frühzeit eingesetzt wurde, den Instrumenten von Ovation. Und wie erfolgreich dieses Konzept letztendlich ist, beweist die Tatsache, dass Ovations noch immer erhältlich sind.

Preamp ist Pflicht

Damit ein Piezo so problemlos funktioniert, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Die Bauart muss es ermöglichen, dass man ihn direkt unter der Stegeinlage platziert. Und er muss mit einem Vorverstärker verbunden werden, denn aufgrund seiner elektronischen Besonderheit - sein Widerstand (korrekt "Impedanz)" ist enorm hoch - arbeitet er mit den üblichen Verstärkereingängen nicht gut zusammen. Er tönt dünn, zirpig, kraftlos und unnatürlich. Das nennt man "Fehlanpassung".

Hier hören wir einen älteren Standardpiezo ohne Preamp. Die Fehlanpassung führt zu diesem ziemlich seltsamen Sound. Ich habe hier, wie bei allen anderen Beispielen auch, keine Klangregelung eingesetzt. Das tönt wirklich so!

Ohne eine sogenannte Impedanzwandlung, die uns jeder entsprechend ausgewiesene Vorverstärker zur Verfügung stellt, ist kein brauchbarer Sound möglich. Bei diesem Beispiel habe ich einen Preamp von Lehle benutzt. Allerdings reicht es unter Umständen schon, für einen vernünftigen Ton beispielsweise ein Effektpedal mit gepuffertem Signalweg, also ohne True Bypass, davorzuschalten.

Das Hauptproblem eines Piezo-Tonabnehmers ist der Grundsound. Er klingt in einer akustischen Gitarre beinahe wie eine akustische Gitarre, verfärbt den Sound aber derart, dass man sofort hört, dass es sich um ein Piezosystem handelt. Allerdings ist die Entwicklung nicht stehengeblieben und die Systeme von Fishman, Shadow und L.R. Baggs, um die wichtigsten zu nennen, liefern einen Sound, der um Klassen besser klingt als früher.

Ein zweiter Nachteil ist die Installation: Man kann einen Piezo-Pickup zwar leicht selbst einbauen, muss dabei aber sehr genau arbeiten und speziell die Unterseite der Stegeinlage perfekt gerade schleifen. Trotzdem kann es sein, dass sich die eine oder andere Saite zu laut oder zu leise präsentiert. Dann hilft nur noch der Gang zum Gitarrenbauer des Vertrauens, der sich dieses Problems sicherlich mit großer Freude annehmen wird.

Auf der Habenseite steht nach erfolgreicher Installation die unkomplizierte Handhabung und umfangreichen Regelmöglichkeiten, sofern man sich für ein System entschieden hat, das einen entsprechenden Preamp in der Zarge enthält. Hier finden sich in der Regel eine komplette Klangregelung, ein Stimmgerät sowie ein Notchfilter oder zumindest ein Phasenschalter zur Feedback-Bekämpfung. Dezentere Konstruktionen verzichten auf die Regler in der Zarge und bieten einen Volume-, vielleicht auch einen Tone-Regler, die man durch das Schallloch erreichen kann.

Magnetische Pickups: quick 'n' dirty

Von allen Methoden, eine Gitarre abzunehmen, ist der Einbau eines magnetischen Tonabnehmers die älteste. Schon Gibsons Bezeichnung "ES" beispielsweise in ES-335 deutet darauf hin, es bedeutet nämlich "Electric Spanish" - und führte letztendlich zu Telecaster, Les Paul und dem ganzen Rock 'n' Roll. Wir alle wissen aus Erfahrung, dass der Sound, der aus einer Les Paul, einer Strat oder aus einer ES-175 kommt, mit einem Akustiksound so rein gar nichts gemeinsam hat. Aber es war nun mal die erste Möglichkeit, eine Gitarre laut zu machen. Ein naturgetreuer oder auch nur naturähnlicher Klang war nebensächlich.

Das änderte sich ungefähr in den 1960er-Jahren und man versuchte, auch einem magnetischen Tonabnehmer einen einigermaßen naturgetreuen Sound abzutrotzen. Eine der frühesten Entwicklungen kam von Schaller und ist sicherlich den Älteren unter euch schon durch die markante Optik ein Begriff.

In meinem Giftschrank fand sich ein solches Exemplar, aber er wird tatsächlich noch hergestellt. Einer der deutlichsten Schwächen dieses alten Pickups ist die gut hörbare Unausgewogenheit: Die beiden glatten Saiten (h und e) tönen deutlich lauter als die vier übrigen Saiten.

Heute haben alle angesagten Hersteller mindestens einen magnetischen Pickup im Programm. Auch die ansonsten auf E-Gitarrenpickups spezialisierte Hersteller wie Seymour Duncan, DiMarzio oder der eigentlich für Saiten bekannte Dean Markley wildern in diesem Revier. Von Fishman gibt es beispielsweise den sehr populären Rare Earth Blend, der dieses Konzept mit einem direkt an den Pickup montierten Mikrofon verbindet, und von L.R. Baggs den M1 - nur um zwei Produkte zu nennen. Und sie klingen allesamt gar nicht mal schlecht, wenn man von der begrenzten Wiedergabe der höchsten Frequenzen absieht - was man immer noch als "warmen" oder "Vintage"-Klang deklarieren kann. Das gilt natürlich nicht für das Hybridsystem von Fishman, das dafür wiederum mit den Mikrofon-typischen Feedback-Problemen zu kämpfen hat.

Der Nanomag von Shadow gehört zu den aktuellen Pickup-Modellen auf Magnetbasis. Er zeigt eindrucksvoll, was diese Technik dann doch zu leisten imstande ist.

Der wirkliche Vorteil eines magnetischen Tonabnehmers ist jedoch ein anderer: Die meisten können ohne großen Aufwand und unerreicht schnell ins Schallloch geklemmt werden und so jeder Akustikgitarre in Windeseile eine Verstärkungsmöglichkeit spendieren. Von Shadow gibt es sogar einen Pickup, der mit einem Wireless-System gekoppelt ist, sodass man nicht einmal an einem Kabel hängt. Er wird einfach ins Schallloch geklemmt und wirkt nebenbei als "Feedback Buster", da das Schallloch verschlossen wird. Ein systembedingter Nachteil soll jedoch nicht verschwiegen werden. Magnetische Pickups funktionieren natürlich nicht mit Nylonsaiten.

Rückkopplungen: dein größter Feind

Warum haben, wenn es laut wird, eine Les Paul oder eine Strat eigentlich nie Probleme mit dem Feedback, eine Akustikgitarren jedoch immer? Das liegt an dem hohlen Korpus und der resonanzfreudigen Decke. Verstärkung an sich ist nie ein Problem. Schwierig wird es erst, wenn sich der Gitarrist selbst hören will. Dieser Schall kommt natürlich auch bei der Gitarre an und regt die Decke sowie die Korpusresonanzen zum Schwingen an. Das schaukelt sich auf und ergibt das Pfeifen oder Dröhnen, das wir Feedback oder Rückkopplung nennen.
Das Gemeine daran: Je besser und schwingungsfreudiger eine Gitarre akustisch tönt, desto eher liefert sie ein Feedback. Unsere 3.000 Euro teure Martin oder Taylor funktioniert daher möglicherweise "on stage" nicht so gut wie eine deutlich billigere Takamine oder Harley Benton.

Aber es gibt drei starke Verbündete im Kampf gegen das Feedback, sehr einfache, aber recht wirksame Methoden, Feedback zumindest ein wenig einzudämmen: Verschließt das Schallloch. Dafür gibt es spezielle Gummischeiben, die unter der Bezeichnung "Feedback-Buster" von den verschiedensten Herstellern auf dem Markt sind. Man kann im Notfall natürlich auch ein paar Lagen Gaffa nehmen, sollte sich aber nicht wundern, wenn der Lack danach ab ist.
Darüber hinaus stehen uns mit Notch-Filter und Phase-Schalter zwei weitere Feedback-Killer zur Verfügung. Das Notch-Filter erzeugt eine "Kerbe" im Frequenzgang, indem es eine Frequenz (und ein bisschen drum herum) stark absenkt, also leiser macht. Und nur diese Frequenz, weswegen der Sound auch nur minimal beeinflusst wird. Ein Notch-Filter ist immer durchstimmbar, man kann diese Frequenz also verändern. Wenn man genau die Feedback-Frequenz erwischt, ist es schlagartig leise. Dazu muss man es natürlich erst einmal pfeifen oder dröhnen lassen, was für die Umwelt nervend sein kann. Man sollte sie vorwarnen ...

Der Phasenschalter - eine Kür für Mathe-Versteher

Der Phasenschalter ist schwieriger zu verstehen. Er dreht die Phase des Signals um. Dazu muss man wissen, dass es sich bei dem Signal des Pickups um eine Wechselspannung handelt, also um die Summe vieler Sinusschwingungen. Wer in der Schule aufgepasst hat weiß, dass man Sinusschwingungen addieren kann und je nach Phasenlage (also wann die jeweilige Schwingung genau anfängt) mehr oder weniger wilde Kurven herauskommen. Wenn man zwei phasengleiche Signale addiert (Wellenberg und Wellenberg liegen genau aufeinander), verdoppelt sich die Amplitude (=Lautstärke) des Signals. Dreht man nun eine der beiden Signale in der Phase um (Wellental und Wellenberg liegen genau aufeinander), löschen sich die Signale gegenseitig aus.

Das gilt nur da, wo die beiden Signale auch aufeinandertreffen, also bei der Gitarre. Das verstärkte Signal wird nicht beeinträchtigt! Übrigens funktioniert ein Humbucker in einer E-Gitarre nach exakt dem selben physikalischen Prinzip. Das hört sich in der Theorie toll an, hat in der Praxis leider einen kleinen Nachteil: Wenn man einen Schritt zur Seite geht, kann die Phasenlage wieder eine ganz andere sein, sodass es wieder pfeift. Das sollte man wissen, bevor man dem ansonsten sehr clever funktionierenden Phase-Switch die Schuld gibt.

Fazit: Alle Akustikpickups auf einen Blick

Was soll man also nehmen, um seine Akustikgitarre so natürlich und gleichzeitig so unkompliziert wie möglich zu verstärken? Man muss sich zuerst einmal im Klaren sein, dass es keine Wirkung ohne Nebenwirkung gibt. Jedes System hat seine Vor- und Nachteile, und jedes System hat daher auch seine Berechtigung. Daher gibt es hier eine kleine Zusammenfassung:

  • 1: Mikrofon mit großem Abstand (über einem Meter)
    Vorteil: Unerreicht natürlicher Sound
    Nachteil: Sehr feedbackempfindlich
    Einsatzmöglichkeit: Aufnahmestudio, kleinere Säle mit großem Abstand zur PA und ohne Monitor
  • 2: Mikrofon im Nahbereich (unter zehn Zentimetern)
    Vorteil: Ziemlich natürlicher Sound, wesentlich bessere Feedback-Sicherheit als bei der ersten Methode
    Nachteil: Ungeeignet für hohe Lautstärken, Abstand zwischen Gitarre und Mikrofon muss konstant bleiben (was man jedoch auch mit einer speziellen Klemme erreichen kann)
    Einsatzmöglichkeit: Rein akustische Ensembles ohne die Notwendigkeit eines lauten Monitorings, auch für große Bühnen geeignet
  • 3: Piezopickup unter dem Steg
    Vorteil: Unkompliziert in der Handhabung, auch bei hohen Lautstärken einsetzbar
    Nachteil: Muss fest eingebaut werden (Bohrungen in der Gitarre), wenig naturgetreuer Sound
    Einsatzbereich: Rundum-Sorglos-Paket für Bühnenmusiker auch bei schwierigen akustischen Verhältnissen
  • 4: magnetischer Schalllochpickup
    Vorteil: Unkompliziert in der Handhabung, auch bei hohen Lautstärken einsetzbar, innerhalb kürzester Zeit montiert und ebenso schnell und spurlos wieder entfernt
    Nachteil: Typischer "Magnet"-Sound speziell in den Höhen, das fest angebrachte Kabel muss unfallsicher verlegt werden. Funktioniert nicht mit Nylonsaiten!
    Einsatzbereich: "quick'n'dirty"-Lösung für Musiker, die völlig blank mit ihrer rein akustischen Dreadnought auf die Bühne kommen. Sollte jeder FOH-Mann für Notfälle im Gepäck haben.

In der Bühnenpraxis wird es meist auf einen Piezo oder einen magnetischen Pickup herauslaufen - was auch völlig ok ist. Man sollte dabei die Möglichkeit, ein Mikrofon zu verwenden, nicht ganz vergessen. Speziell wenn es leiser, transparenter und intimer tönt, und wenn zunehmend andere akustische Instrumente beteiligt sind, werden die klanglichen Nachteile von Piezos und magnetischen Pickups immer deutlicher hörbar. Hier kann ein Mikrofon, das von außen auf die Gitarrendecke oder das Griffbrettende (nicht aber auf das Schallloch!) gerichtet wird, wahre Wunder wirken.

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