Gitarre Hersteller_Joyo
Test
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04.07.2017

Joyo JCA-12 Beale Street Test

Vollröhren-Topteil für E-Gitarre

Blues-Purist

Der Joyo JCA-12 Beale Street, ein 12-Watt Röhrenamp, ist nach der gleichnamigen Straße benannt, die durch Memphis im US-Bundesstaat Tennessee führt und als Geburtsort des Memphis Blues gilt. Marc Cohen beispielsweise brachte sie in seinem Song "Walking in Memphis" im Chorus unter und die Blues-Ikone B.B. King war als "The Beale Street Blues Boy" bekannt. Aber auch Musiker wie Albert King, Muddy Waters und auch Louis Armstrong traten dort in den 20er bis 40er Jahren des letzten Jahrtausends auf.

Wenn man seinem Verstärker einen solchen Namen gibt, ist die musikalische Marschrichtung recht eindeutig. Hier geht es in erster Linie um die Sounds der Fünfziger und um den ultimativen Ton für Jazzer und Blueser - so zumindest recht vollmundig der Produkttext.

Details

Optik/Verarbeitung:

Das in China gefertigte Topteil fällt zuallererst durch seine eigenständige oder besser gesagt eigenwillige Optik ins Auge. Krokolederimitat wird mit modernem Lochblech-Design kombiniert, die Kanten des 448 x 196mm x 226 mm kleinen und 8,5 kg leichten Verstärkers sind mit schwarzen Winkeln verstärkt, und für den Transport steht ein schwarzer Griff auf der Oberseite bereit. Einmal abgestellt ruht der kleine Amp auf vier Gummifüßen. Zwei auffällige Lochbleche reichen weit in die Vorderseite des Amps hinein und dienen der Frischluftzufuhr. Gleichzeitig verleihen sie dem Topteil seine spezielle Optik, mit der es sich von der Masse absetzt.

Die Bedienfläche ist cremefarben und mit orangefarbenen Lettern beschriftet, und vor allem die runde Bedruckung um die drei Potis fällt besonders ins Auge. Mehr zu den drei Potis gleich, aber zuerst möchte ich auf die vier Eingangsbuchsen auf der linken Seite zu sprechen kommen. Der Verstärker besitzt zwei Eingangskanäle, von denen jeder mit einer Normal- und einer Bright-Klinkenbuchse versehen ist. Außerdem lassen sich die beiden Kanäle mit einem Kabel brücken, um so mehr Gain zu generieren, also ganz so, wie man es beispielsweise von einem Marshall JTM 45 kennt. Zwei der drei Potis regulieren die Lautstärke der beiden Kanäle, der dritte Regler dient zum Einstellen des Klanges und bearbeitet das Höhenbild. Wie der ins Geschehen eingreift, werde ich später im Praxisteil herausfinden. Werden die Eingangskanäle miteinander verbunden, lassen beide Volume-Regler ein gemeinsames Einstellen zu. Bis auf das Standby- und Powerschalter-Duo samt zugehöriger roter LED, die den Betriebsstatus anzeigt, bietet die Frontseite keine weiteren Einstellungsmöglichkeiten.

Die Rückseite ist über fünf Schrauben mit dem Gehäuse verbunden und besitzt zwei großzügige, mit einem Metallgitter verschlossen Ausfräsungen, die ebenfalls der Frischluftzufuhr dienen. Auch hier findet sich ein cremeweißes Paneel wie auf der Vorderseite, auf der die Kaltgerätebuchse und zwei Boxenausgänge für 8 Ohm oder 16 Ohm Cabinets zu finden sind. Ganz links wurde zudem ein Umschalter eingebaut, der zwischen 110/120 Volt und 230/240 Volt wählt.

Beim Beale Street Amp handelt es sich um ein Vollröhren-Topteil, das mit zwei 12AX7 Röhren in der Vorstufe und zwei 6V6 Röhren in der Endstufe bestückt ist. Hinzu kommt eine 5Y3 Gleichrichterröhre, die für die natürliche Kompression und das sogenannte Sagging verantwortlich ist, was sich klanglich durch einen komprimierten, leicht pumpenden Sound bemerkbar macht. Auch das werde ich im Praxisteil natürlich genauer untersuchen.

Will man den originalen 50s Sound aus dem Amp kitzeln, lassen sich die beide 12AX7 Röhren laut Bedienungsanleitung auch durch 12AY7 Röhren mit weniger Gain ersetzen.

Der Amp liefert 12 Watt, was, je nach Musikstil, auch im Proberaum ausreichend sein kann.

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