Test
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19.11.2018

Praxis

Interessant ist, dass sich im Gegensatz zum gegenwärtig ausgedehnten Hype um dunkle und trashige Becken bei den Sterlings alle Zutaten für klassische Becken wiederfinden. Es sind also keine besonders modernen Sounds zu erwarten, und dennoch ist die Spannung vor dem ersten Schlag sehr groß, immerhin lässt die Bezeichnung Crash-Ride auf ein reichhaltiges klangliches Angebot schließen. Die ersten Töne aus beiden Becken klingen sauber und präsent. Doch hören wir uns die Modelle mal genauer an.

Um ehrlich zu sein, hätte ich persönlich von Aaron Sterling andere Signature Becken erwartet, da er in den Videos seiner Masterclasses eher dünne traditionelle Becken oder dunkle Modelle im Natural Finish spielt. Somit wirken diese Becken wie eine neue Facette in seiner umfangreichen Klangpalette. Die eingangs erwähnte Inspiration durch alte Becken findet sich in einem Mix aus den speziellen klanglichen Nuancen von Zildjian Avedis und Paiste 602 Becken aus den Sechzigerjahren wieder. Gleichzeitig besitzen die Agops im brandneuen Zustand naturgemäß mehr Höhen und klingen dadurch viel brillanter als jahrelang gespielte Becken mit der entsprechenden Patina. Auch das Spielgefühl ist für Agop Becken eigentlich untypisch, und besonders da erinnern die Testkandidaten an bestimmte Modelle von Paiste. Die Artikulation des Stocksounds ist klar und hell und wird von einem warmen, kontrollierten Wash unterfüttert. 

Das 20 Zoll Modell liegt tonal erwartungsgemäß über dem zwei Zoll größeren Becken und eignet sich deshalb auch hervorragend als Crash. Durch das kontrollierte Sustain und den auch hier nicht zu vordergründigen Wash lässt es sich aber eben auch als Ride-Becken nutzen. Das größere Modell hat einen ausgeprägteren Ride-Charakter und öffnet schwerfälliger beim Ancrashen. Die Bell ist bei beiden Becken sehr präsent, was bei Agop Becken häufig nicht der Fall ist – man denke da besonders an die 30th Anniversary Modelle, deren Glocke sich kaum vom Grundsound der Becken abhebt. Bei leisen Anschlägen und vor allem beim Spiel mit Mallets zeigt sich die große dynamische Bandbreite, die einen Einsatz der beiden Sterlings in den verschiedensten Musikrichtungen ermöglicht. Sicher sind es keine Becken für düstersten Metal oder härtesten Rock, aber ansonsten fällt mir wirklich keine Stilrichtung ein, bei der diese Becken fehl am Platz wären, was uns wieder zum Namensgeber der Signature Linie führt. In einem Podcast-Interview sagte Aaron Sterling, dass er sich zwar in vielen Musikrichtungen zuhause fühlt, aber beispielsweise im Doublebass-Metaldrumming hoffnungslos verloren wäre. So verloren, dass er für eine Soundtrack-Session kurzerhand den Doublebass Part mit den Händen auf den Bassdrum-Pedalen als Overdub einspielen musste. Mit diesen Becken, die klanglich äußerst homogen aufeinander abgestimmt sind, werden er und viele, die ihm nacheifern, aber in vielen Stilistiken den passenden Sound liefern können.

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