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14.10.2016

IGS Audio 567 Blue Stripe Test

API Series 500 Limiter

1176-Style Dynamics

IGS Audios 576 trägt das Vorbild im Namen: Der originale „Bluestripe“-Limiter ist der wiederentdeckte Stern am 1176-Himmel. Zuletzt ist er auf breiter Front wieder in den Fokus geraten, und das hat zahlreiche Hersteller zu eigenen Adaptionen inspiriert. Was kann der 500-Blaustreifen von IGS Audio?

Der UREI/Universal Audio 1176 gilt bis heute als der vielleicht legendärstem erfolgreichste Transistorkompressor aller Zeiten. Er war, Mitte/Ende der 60er von Recording-Tausendsassa und UA-Mastermind Bill Putnam auf den Markt gebracht, nicht nur einer der ersten frei verkäuflichen Transistor-Kompressoren, sondern er bleibt bis heute auch einer begehrtesten, bestklingenden und meistverkauften. Bei so vielen Superlativen scheint es nachvolltziehbar, dass auch andere Hersteller ihr Stück vom Kuchen haben möchten – und so ist der 1176 auch eines der meistkopierten Dynamiktools am Markt. Dabei ist dieses Feld zumindest auf den ersten Blick schon reichlich unübersichtlich, wenn man den Blick auf das UA-Original wirft. Man sollte nämlich besser sagen: die Originale! Der 1176 wurde in seiner ersten Produktionsphase nämlich stets weiterentwickelt und wurde bereits von Universal Audio über die Jahre in rund einem Dutzend unterschiedlicher Revisionen angeboten. Lange hielt sich allgemein die Vorstellung, dass die Revisionen D und E (beide mit schwarzer Frontplatte ausgestattet und auch als „Blackface“ bezeichnet) die am meisten begehrenswerten seien. Diese Versionen verfügten nämlich einerseits noch über eine voll diskrete Class-A-Ausgangsstufe, andererseits aber auch schon über die werksseitige sogenannte „Low Noise“-Modifikation, welche den Nebengeräuschpegel senkte und dem Gerät den Namenszusatz „LN“ bescherte.

Erst kürzlich wanderte das allgemeine Augenmerk wieder auf die ersten drei Revisionen, welche, mit silberner Frontplatte und blauem Farbstreifen am VU-Meter versehen, gerne „Bluestripe“ tituliert werden. Klar, diese Variante rauscht möglicherweise etwas mehr, aber mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass einige Features das Gerät für die Vocalkompression prädestinieren – möglicherweise mehr sogar noch als sein schwarzgesichtiger Nachfolger.

Details

Die polnischen Analogspezialisten von IGS nutzen das Series-500-Format für ihre Adaption

Es überrascht also nicht, dass unter den Klonen und loser inspirierten Abwandlungen verschiedener Hersteller nun auch eine Bluestripe-Version von den polnischen Analogspezialisten IGS Audio zur Seite gestellt wird. Und praktischerweise kommt diese im 500-Format daher, was insbesondere den Freunden platzsparender und portabler Studiotechnik Freude bereiten dürfte.

Übersichtliches Layout

Als Modul mit einfacher Baubreite konzipiert, hat der IGS Bluestripe kein Überangebot an Frontplattenplatz zur Verfügung. Dennoch präsentiert sich das Gerät nicht nur gestalterisch mit einer Eindeutigkeit, die sich auf den ersten Blick zuordnen lässt, sondern diese geht auch Hand in Hand mit einem sehr übersichtlichen Layout der Bedienelemente. Oben hat die Frontplatte Platz genug für ein rundes, analoges Drehspulinstrument (aka VU-Meter), welches stilecht von einem blauen Streifen eingefasst wird. Darunter befinden sich auch noch fünf Knöpfe im UREI-Style, darunter zwei Input/Output-Potis sowie zwei weitere für die Zeitkonstanten Attack und Release. Des weiteren findet sich hier noch ein Drehschalter für die Anwahl der Kompressionsraten, und damit gleichzeitig auch eine der Besonderheiten der Bluestripe-Variante. Angewählt werden können nicht nur die klassischen 1176-Ratios 4:1, 8:1, 12:1, 20:1 sowie der hier mit „S“ für „Slam“ betitelte All-Button-Modus, sondern auch die Kompressionsrate 2:1. Was für ein Vorteil diese Option darstellt wird klar, wenn man sich die übrigen Parameter und das generelle Funktionsprinzip eines 1176 einmal genauer zu Gemüte führt. Zu Recht heißt das Gerät „Limiting Amplifier“ oder zu deutsch „Begrenzungsverstärker“. Oftmals wird das Gerät in die Kompressor-Schublade gesteckt, aber es verhält sich eher getreu seiner Bezeichnung als Limiter. Das liegt einerseits an den auf Wunsch sauschnellen Attackwerten von bis zu 20 Mikrosekunden (Spitzenfeld für analoge Dynamics), zum anderen an den recht zupackend gewählten Kompressionsraten: Schon 4:1 sorgt für eine satte, fest zupackende Kompression, die sich bisweilen wie Limiting anfühlt, und spätestens bei 12:1 kann man wirklich von Begrenzung sprechen. Damit eignet sich ein 1176 immer dann sehr gut, wenn dynamisch komplexes Audiomaterial wirklich festgehalten werden soll. Auf der anderen Seite kommt jede Eigenschaft gerade recht, welche diese robusten Eingriffe etwas abmildern und abrunden kann. Dazu zählt zum einen die vintage-typische Rückwärtsregelung des Gerätes, und speziell beim Bluestripe auch die deutlich softere Ratio-Option 2:1.

FET-Regelglied und Carnhill-Übertrager

Wie sein UA-Vorbild setzt auch der IGS im Regelelement einen Feldeffekttransistor (FET) ein. Die Audioschaltung ist unter Verwendung von konventionellen und SMD-Komponenten aufgebaut und in Übertrager des englischen Qualitätsherstellers Carnhill eingebettet. Zwei analoge OpAmps basieren auf 5534-Chips, sind also nicht vollkommen diskret aufgebaut. Da diese aber standardmäßig gesockelt sind, können Spezialisten hier jedoch mit diskreten OpAmps (DOAs) experimentieren. Für den Bypass sorgt eine Relais-Schaltung. Die Fertigungsqualität ist insgesamt sauber und ordentlich, und das Gehäuse im Hammerschlag-Look macht einen robusten Eindruck. Damit erscheint der 576 insgesamt gut designt und wertig, und mit den Übertragern wurden auch wirklich hochwertige Komponenten verbaut. Angesichts des Kaufpreises, welcher durchaus im gehobenen 500-Mittelfeld rangiert, hätte ich mir allerdings einen ähnlichen Ansatz für die Operationsverstärker gewünscht. Nun ist der 5534-IC ein analoger Klassiker, welcher in vielen durchaus hochwertigen Geräten zum Einsatz kam (z.B. Trident), aber eines der klassischen Merkmale des originalen Rev-A-Bluestripes ist eben die volldiskrete Class-A-Schaltung. Ich hätte es gerne gesehen, dass diese hier auch ab Werk ohne weitere Modifikationen vorhanden wäre, und denke, dass man das auch bei diesem Kaufpreis hätte realisieren können. Und wenn es mit minimalem Aufpreis verbunden wäre, so hätte ich dies als sinnvollere Option verstanden, eine nachträgliche Aufrüstung auf eigene Faust wird mit Sicherheit noch teurer als ein etwaiger Preisaufschlag direkt vom Hersteller.

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