Hersteller_HarleyBenton Gitarre
Test
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23.10.2017

Harley Benton Electric Guitar Kit ST-Style Test

E-Gitarrenbausatz ST-Style

Respekt, wer’s selber macht!

Wer das Abenteuer sucht, nicht gerade zwei linke Hände hat und sich seine eigene Gitarre bauen möchte, der braucht einen Gitarrenbausatz von Harley Benton. Die Marke bietet für wenig Geld diverse Gitarren (u.a. bereits bei uns im Test:  LP-Style und DC-Style) und Bässe zum Selberbauen, für deren Fertigstellung man nicht viel mehr braucht als etwas handwerkliches Geschick. Dass man dabei auch erfährt, wie ein solches Instrument von innen aussieht und wie es funktioniert, ist ein zusätzlicher Nutzen.

Bei unserem heutigen Projekt handelt es sich um den Nachbau einer Stratocaster, die ja im Grunde genommen ohnehin wie ein Bausatz konzipiert wurde. Bei der Konstruktion dieses Klassikers legten Leo Fender und sein Mitarbeiter Freddie Tavares besonderen Wert auf die Erfordernisse moderner Massenproduktionstechnik. So wurden die Hälse im Gegensatz zu Gibson auf einen massiven Holzkorpus geschraubt und konnten bei einem Defekt leicht per Post verschickt und ausgetauscht werden. Wie gut sich der Bausatz von Harley Benton macht, sagt euch unser Test.

Details

Die Vorbereitung

Um den Zusammenbau möglichst reibungslos zu gestalten, sollte man sich vorab einige Werkzeuge bereitlegen. Dazu gehören ein kleiner und ein großer Kreuzschraubendreher, sowie ein mittelgroßer und ein großer Schlitzschraubendreher. Für die Montage des Halses haben wir beim Zusammenbau einen Akkubohrer benutzt, weil man hier etwas mehr Kraft einsetzen muss, um die beiden Komponenten bombenfest zu bekommen. Für die Muttern der Mechaniken sollte man einen entsprechenden Maulschlüssel nehmen und nach Möglichkeit keine Kombizange, mit der man immer wieder abrutscht und so das Holz ruiniert. Eine Kombizange oder Spitzzange als Grundausstattung ist aber grundsätzlich gut, falls man improvisieren muss. Ein Lötkolben ist übrigens nicht vonnöten, da alle elektrischen Komponenten gesteckt werden. Die zum Bausatz gehörenden Bauteile wie Schrauben, Muttern und Mechaniken etc. sind in unterschiedliche Tütchen verpackt, die man grundsätzlich nacheinander abarbeiten kann. Wir haben die einzelnen Teile herausgenommen und in Gläser gefüllt, um nicht alles zu vermischen. Die Kartonage und alle Plastiktüten wurden anschließend weggeräumt, um Platz zu schaffen und sauber arbeiten zu können.

Der Hals

Eines vorweg: Laut Produktbeschreibung sind weder Hals noch Korpus lackiert, sondern lediglich mit Porenfüller grundiert, sodass sie anschließend lackiert werden können. Verzichtet man darauf, wird das Instrument mit der Zeit Schmutz aufnehmen. Ob das in Anbetracht des wirklich sehr geringen Preises irgendjemanden juckt, kann ich mir allerdings nicht vorstellen, denn eine professionelle Lackierung übertrifft den Preis dieses Bausatzes um ein Vielfaches. Bevor es an den Zusammenbau von Hals und Korpus geht, sollte man die beiden Hauptbestandteile zuerst einzeln fertig montieren. Wir haben uns dazu entschlossen, zuerst den Hals zu präparieren und danach den Korpus fertig zu machen. Der Hals ist übrigens gut bundiert und abgerichtet, sodass nach dem Zusammenbau und Besaiten kein Nachjustieren der Halsstellschraube nötig war. Kommen wir zur Montage der Mechaniken, die in der beigelegten Bauanleitung gut beschrieben wird. Die Mechaniken werden von der Rückseite der Kopfplatte in die vorgebohrten Löcher geschoben und von vorne mit den Gewindehülsen und den dazugehörigen Unterlegscheiben fixiert. Vorgebohrte Löcher nehmen die kleinen Schräubchen auf, die für die Fixierung der Mechaniken an der Rückseite dienen. Wenn die beiden Saitenniederhalter mit zwei weiteren Schrauben auf die Kopfplatte montiert sind, ist der Hals fertig.

Der Korpus

Zuerst haben wir uns an den Einbau des fertig verdrahteten Pickguards gemacht. Dazu nehmen wir das mit den Pickups ausgestattete Schlagbrett - es müssen lediglich zwei Kabel verlegt werden, wobei an einem eine Steckverbindung angebracht ist, an dem anderen nicht. Das Kabel ohne Steckverbindung wird durch ein Loch im Elektrofach in die rückseitige Federkammer gefädelt - später muss man dieses dann an das Feder-Einhängeblech klemmen. Bevor das Schlagbrett angeschraubt wird, schließt man die Ausgangsbuchse noch per Steckverbindung an. Anhand der Fotos samt Bildunterschriften werden die einzelnen Schritte klar.

Das Pickguard wird nun mit dem Korpus verschraubt. Es kann passieren, dass beim Einpassen des Schlagbretts in den Korpus das Erdungskabel wieder etwas zurückrutscht - sollte das geschehen, kann man das Erdungskabel vorsichtig mit einer kleiner Flachzange wieder herausziehen.

Im nächsten Schritt bauen wir das Tremolo-System ein. Hierbei handelt es sich um eine Kopie des klassischen Fender-Tremolos mit vormontierten Saitenreitern, das mit sechs langen Schrauben auf dem Korpus befestigt wird. Dabei sollte man darauf achten, dass man die Schrauben nicht "anknallt", sondern etwas Spiel lässt, damit man später überhaupt damit arbeiten kann. Sie sollten nur so weit eingedreht werden, bis der Schraubenkopf bei komplett nach vorne gedrücktem System ganz leicht mit der Grundplatte des Tremolos in Kontakt kommt.

Jetzt wird der Korpus umgedreht und das Feder-Einhängeblech angebracht, an dem anschließend die drei Federn Halt finden. Bevor man die Kunststoffabdeckung wieder auf die Federkammer schraubt, sollte die Erdung angebracht werden.

Wir nähern uns langsam dem Finale - jetzt wird der Hals per Neckplate und schwarzer Schutzdichtung verschraubt. Einstellarbeiten an Halskrümmung und -winkel waren hier übrigens nicht nötig, auch der Sattel war perfekt gefeilt und brauchte keine Nacharbeit. Einzig die Bundreinheit und die Höhe der Saitenreiter benötigten noch etwas Justierung, um das Schätzchen spielbereit zu machen. Das Tremolo habe ich in diesem Fall so eingestellt, das es nicht freischwebend ist, sondern ganz leicht auf dem Korpus aufliegt. Nachdem die Gurtpins angeschraubt sind, sieht unsere "Do-it-yourself"-Strat doch schon richtig gut aus und benötigt nur noch einen Satz Saiten.

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