Gitarre Banjo Hersteller_HarleyBenton
Test
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25.09.2018

Praxis

Ja, dieses Banjo ist richtig schwer, aber auch nicht schwerer als andere Banjos mit dieser Ausstattung. Dafür hängt es an einem Gurt sehr ausgewogen und angenehm vor dem Körper. Der Hals liegt ebenfalls sehr gut und satt in der Hand. Bespielbarkeit und Sound direkt nach dem Auspacken waren nicht überzeugend und werden dem Potenzial des Instruments in keiner Weise gerecht. Das sah nach zwei Stunden in der Werkstatt völlig anders aus.

Fertig eingestellt liefert das Harley Benton BJ-65Pro einen sehr spritzigen, dynamischen und lauten Ton, wie er typisch ist für ein Banjo mit Tone Ring. Hier spielt sicherlich auch die längere Mensur eine Rolle, die für ein deutlich perkussives Einschwingverhalten der Saiten sorgt. Der Grundsound ist nicht so fein wie bei einem hochpreisigen Banjo, allerdings ist eine hochwillkommene Portion Schmutz im Ton, die für eine erdige Gesamtperformance sorgt. Was aber uneingeschränkt vorhanden ist, ist das typische "Klingeln", das aus dem Zusammenspiel von Tone Ring und korrekt gespanntem Fell resultiert.

Ein solcher Sound schreit geradezu nach einem entsprechenden, Bluegrass-inspirierten Anschlagpattern. Das tönt dann schon ordentlich authentisch, speziell wenn man sich Fingerpicks ansteckt und vielleicht sogar auf ein "Lift-E-A-Tuning" umstellt, also mit nach oben oktavierten E- und A-Saite. Allerdings funktionieren dann die üblichen Gitarrenpattern nicht mehr, und es ist schon sehr überraschend, wenn man einen Solo-Lauf nach unten spielt und plötzlich mit einem Oktavsprung nach oben konfrontiert wird.

Durch diesen prägnanten Sound hat das Harley-Benton-Banjo einen deutlichen Schwerpunkt auf schnelle Picking-Patterns auf der einen oder Swing-Viertel auf der anderen Seite. Wenn man vorsichtig mit dem Pick umgeht, kann man ihm jedoch auch ganz nette Strumming-Sounds entlocken. Vorsichtig deswegen, weil ein etwas zu forsch geführter Anschlag die entsprechende Note förmlich explodieren lässt. Auch Power Chords sollte man entsprechend vorsichtig angehen; diese Sounds kommen am besten, wenn man die Saiten mit dem Handballen dämpft.

Eine Paradedisziplin für das Harley Benton sind dann allerdings Single-Note-Lines, wie man sie in der irischen Musik findet. Sie werden ausdrucksvoll, charakterstark und vor allem durchschlagskräftig dargestellt. Natürlich benutzen die Chefs ein viersaitiges Tenorbanjo dafür, aber die Tonlage des Harley Benton BJ-65Pro entspricht ziemlich genau der Gitarrenstimmung. Endlich Guinness-Sound ohne Quintstimmung!

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