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Harley Benton Bass Drive BDI-2000 Test

Praxis

Auf meiner ersten „Testfahrt“ beschäftige ich mich zuerst einmal eingehend mit dem Drive-Regler des BDI-2000, denn schließlich verspricht der Hersteller moderne Overdrive-Sounds mit dem Bass Drive. Dafür verwende ich einen Bass mit aktiver Elektronik und relativ hohem Ausgangspegel, damit mein Kandidat genug Futter bekommt und hoffentlich gut anspricht. Meine Hoffnungen lösen sich aber schnell in Luft auf, denn selbst mit voll aufgedrehten Drive- und Levelreglern erzeugt das Gerät keine Zerrsounds, der Ton bleibt sauber. Erst mit heftigem Einsatz des EQ, bei dem Mitten- und Bassregler fast voll aufgedreht sind, wird die Box schließlich böse und geht in die Zerre. Mit einem passiven Bass und dementsprechend niedrigerem Pegel wird es wohl noch schwerer, den Preamp zu übersteuern, um Zerrsounds aus der Kiste zu kitzeln. Außerdem beeinflusst der Levelregler den Driveregler, denn wenn ich die Lautstärke des Zerrsounds mit dem Levelregler zurückdrehe, um ihn an den cleanen Sound anzupassen, reduziert sich leider auch die Verzerrung enorm. Als Verzerrer vor dem Amp eignet sich das BDI-2000 also nicht, denn der Effektsound ist um ein Vielfaches lauter als das durchgeschaltete Signal. Die Verzerrung selber klingt durchaus angenehm und warm, mit den zusätzlichen Mitten und Bassschub durch den EQ kann man schön fette und angezerrte Basssounds mit Röhrenflavour aus der Box locken.

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Apropos EQ, die Center-Frequenzen des Dreiband-EQ sind gut gewählt, um den Klang in der Praxis effektiv bearbeiten zu können. Der Bassregler greift nicht zu tief, sondern pusht warme Punchbässe bis in den Tiefmittenbereich, der Mittenregler liefert aggressive Hochmitten für durchsetzungsstarke Rocksounds und die Höhen klingen transparent, aber nicht harsch. Damit kann man den Klang prinzipiell schön nach seinen Präferenzen färben, deutliche Soundveränderungen sind allerdings erst auf den letzten Millimetern des Reglerweges zu hören, die Dosierung der einzelnen Bänder ist dadurch etwas problematisch. Eine gleichmäßigere Funktionsweise wäre hier angebrachter und benutzerfreundlicher.
Der Colourregler ist noch viel schwerer zu dosieren. Er sollte eigentlich über denn gesamten Reglerweg die Höhen absenken und im Idealfall in jeder Stellung brauchbare Einstellungen bis hin zu dumpfen Vintagesounds ermöglichen. Bei einer Stellung um 12 Uhr sind aber schon so viele Höhen und Hochmitten gekappt, dass der Sound undefiniert wird und in der Praxis kaum noch sinnvoll einzusetzen ist. Schade, denn mit dem Colour Feature kann man prinzipiell, wenn auch leider nur auf der ersten Hälfte des Reglerweges, gute Sounds finden, die Dosierung ist aber alles andere als ein Vergnügen.
Der Contourregler ist wesentlich gutmütiger abgestimmt als das Colour-Feature. Nach 12 Uhr wird der Effekt zwar auch sehr extrem, aber auf dem gesamten Weg sind brauchbare Sounds zu finden. Resultat ist ein mehr oder minder starker Scoopsound mit einer ordentlichen Mittenaushöhlung, fetterem Fundament und transparenteren Höhen, der aber gottseidank nie zu undifferenziert wird und aus dem Ruder läuft. Der Contour-Regler ist für mich das Highlight der „Bass Drive“-Klangformung, bei moderatem Einsatz in Kombination mit einem hohen Gainpegel kommen durchaus Ampeg-mäßige Sounds aus der kleinen Kiste.
Die ganze Dosierungsproblematik wird etwas abgemildert durch den Blend-Regler, der das cleane Signal stufenlos mit dem Effekt mischt. Ein zu heftig bearbeiteter Sound, der aus den Fugen zu geraten droht, kann mit der Beimischung des sauberen Signals wieder etwas trockengelegt werden. Besser wäre es natürlich, wenn die Features an sich gut funktionieren würden.
In Sachen Nebengeräuschentwicklung verhält sich der „Bass Drive“ unauffällig, bei starkem Gainpegel und heftigem EQ-Einsatz lässt sich erwartungsgemäß ein leichtes Rauschen vernehmen. Für ein Gerät dieser Preisklasse geht das aber völlig in Ordnung und das BDI-2000 kann hier zum Schluss nochmal punkten.

Audio Samples
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Colour 10 Uhr Colour 12 Uhr Contour 12 Uhr Drive Voll Flat Bass und Mitten voll
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