Gitarre Hersteller_Gibson
Test
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03.01.2019

Praxis

Bespielbarkeit und Sound

Wie immer spiele ich eine Testgitarre vor dem eigentlichen Test ein paar Stunden im Wohnzimmer ein, um mir einen ersten Eindruck vom Instrument zu verschaffen. Dabei benutze ich in der Regel keinen Verstärker, um nicht zu sehr vom Primärklang und dem natürlichen Schwingungsverhalten abgelenkt zu werden. Diese Vorgehensweise kann ich übrigens nur wärmstens empfehlen, denn wenn man eine E-Gitarre sofort mit viel Verzerrung testet, hört man unter Umständen die Feinheiten nicht mehr heraus, die letztlich für einen ausgewogenen und transparenten Sound verantwortlich sind. In punkto Bespielbarkeit gibt es hier nichts zu meckern. Die Slim-Taper-Halsform ist für eingefleischte Gibsonspieler wie der leckere Braten bei Muttern und dementsprechend fühlt man sich auch sofort wie zuhause. Allerdings war die Werkseinstellung der Gitarre nicht gerade das Gelbe vom Ei, und so war nicht nur die Bundreinheit und die Höhe der Saiten jenseits von Gut und Böse, sondern auch die Höhe der Pickups. Der Stegtonabnehmer war ab Werk so hoch eingestellt, dass die Saiten zeitweise beim Greifen in hohen Lagen auf der Kappe auflagen. Aber mit einem Schraubendreher und einem Stimmgerät bewaffnet wird man schnell Herr der Lage.

Kommen wir zum Primärklang der Gitarre. Rein akustisch gespielt kommt der typisch holzige Twäng der SG-Konstruktion gut zur Geltung. Der Ton ist perkussiv mit ausgeprägten oberen Mitten, während das Sustain in einem gesunden Mittelfeld angesiedelt ist. Die kräftigen Pickups sind für meinen Geschmack in den oberen Mitten ebenfalls einen Tacken zu überpräsent, was mit dem Sound eines klassischen PAF-Pickups nicht wirklich viel zu tun hat. Aber gut, die Gitarre will auch keine Replik des Urmodells aus den 60er Jahren sein. Hier hat man es mit einem reinrassigen Rocker zu tun und so versteht sich die Neuauflage des gehörnten Klassikers am besten mit einem weit aufgerissenen High-Gain-Amp. Leichte Abstriche muss man dagegen bei den cleanen Sounds machen, die im Gegensatz zu meiner Referenz-SG komprimierter und statischer daherkommen. Hier zuerst einmal der Stegpickup am cleanen Amp.

Die Zwischenstellung tendiert in Richtung des berühmten Telecastersounds, allerdings bleibt der Obertonbereich wegen der verwendeten Hölzer und der kürzeren Mensur naturgemäß etwas bedeckter. Der Ton ist knackig und perkussiv, mit einem leicht holzigen Twäng.

Der Halspickup bringt einen völlig matschfreien Ton, der wegen seiner leicht nach hinten versetzten Position einen etwas anderen Sound liefert als sein Pendant auf einer Les Paul. Das leichte Vibrato, das ihr hier bei den Audios hört, habe ich übrigens mit einem dezenten Heranziehen des Halses erzeugt.

Kommen wir zu den High-Gain-Sounds. Dank der komprimierten und mittenbetonenden Pickups setzt sich die Gitarre auch im härtesten Gefecht mit einem tobenden Drummer und einem muskulösen Bassisten problemlos durch. Meine Befürchtung, dass sie zu harsch klingen könnte, hat sich nicht bestätigt, auch wenn es dem Primärklang im Vergleich zu meiner alten SG an Wärme fehlt. Hier der Bridgepickup am High-Gain-Amp.

Wenn beide Pickups aktiviert sind, bleibt der Ton weitestgehend transparent. Im Gegensatz zu den cleanen Sounds klingt die Gitarre am High-Gain-Amp umso besser. Wer dem Sound jetzt noch etwas mehr Kraft geben möchte, sollte die dünnen Werkssaiten gegen einen 010er Satz tauschen.

Auch wenn der Halstonabnehmer naturgemäß etwas fetter klingt als sein Kollege in der Stegposition, kommt auch hier der Sound am High-Gain-Amp spritzig und matschfrei angeflogen. Nur bei Chords in den tiefen Lagen klingt es etwas undifferenzierter, was aber in den besten Familien vorkommt.

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