Gitarre Hersteller_Gibson
Test
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27.06.2018

Gibson Les Paul Tribute 2018 Test

E-Gitarre

Phönix aus der Asche

Die Gibson Les Paul Tribute 2018 ist ein Exemplar aus einer ganzen Reihe überarbeiteter Modelle aus der aktuellen Versionspalette. Seit seiner Gründung im Jahr 1902 ging der amerikanische Gitarrenbauer durch viele Tiefen und Höhen, eine Geschichte, die am 1. Mai 2018 in der Insolvenz mündete. Die Schließung unprofitabler Geschäftsfelder und ein Sanierungsplan sollen das Weiterbestehen des Traditionsherstellers sichern.

Der Test unserer Kandidatin, der Gibson Les Paul Tribute 2018, fällt zumindest zeitlich genau in diese Turbulenzen, und ob man es will oder nicht, ist die aktuelle Situation dabei immer präsent. Und damit auch die Frage, ob sie sich in irgendeiner Weise auch in der Qualität der Instrumente niederschlägt.

Details

Optik/Verarbeitung:

Der erste Eindruck zumindest ist sehr positiv, denn unser Testinstrument wird in einem mit Samt ausgeschlagenen Gigbag geliefert, das aus Kunstleder besteht und die Gitarre beim Transport sicher verwahrt. Als Dreingabe liegt ein Foto der gelieferten Gitarre bei, die nicht montierte Treble/Rhythm-Unterlegscheibe, ein Gibson-Nylongurt, ein Poliertuch, Einstellschlüssel und sowie das Owners-Manual.

Korpus:

Die Les Paul Tribute besitzt, wie es sich für eine echte Paula gehört, einen Mahagonikorpus samt Ahorndecke, die in unserem Fall in Satin Faded Honey Burst gefärbt ist. Optional ist sie aber auch in einem Satin Gold Top Finish zu haben.

Bei unserer Testkandidatin wurde der Nitrolack sehr dünn, aber fehlerlos und gleichmäßig aufgetragen, sodass die Maserung deutlich zum Vorschein kommt. Im Vergleich zum 2017er Modell hat sie keine Hohlkammern, wurde also nicht gewichtsreduziert, was sich auch durchaus bemerkbar macht. Immerhin bringt sie satte 3855 Gramm auf die Waage - das mit Hohlkammern versehene und von meinem Kollegen Haiko Heinz getestete 2017er Modell lediglich 3500 Gramm. Die seitlichen Ränder der Ahorndecke wurden nicht eingefärbt und bilden so ein natürliches Binding als Übergang zum rötlichen Mahagonikorpus. Auch diese Arbeiten sind sauber ausgeführt.

Die beiden Tonabnehmer stecken in cremefarbenen Pickup-Rahmen, unterhalb ist ein ebenfalls cremefarbenes Schlagbrett angebracht. Am Steg sitzt ein 498T und ein 490R Doppelspuler am Hals, die per Dreiwegschalter von gewohnter Stelle aus angewählt werden. Da sich die Treble/Rhythm-Scheibe im Gigbag befindet, fehlt sie natürlich auf der Gitarre, kann aber ohne großen Aufwand unter dem Schalter angebracht werden. Dazu muss lediglich dessen Überwurfmutter gelöst werden. Die vier Regler zum Einstellen der Lautstärke und Justieren der Höhen besitzen goldene Top-Hat-Kunststoffknöpfe mit silbernen Einlagen, die sehr gut zum Erscheinungsbild passen.

Wie üblich befinden sich die Zugänge zur Elektrik und zum Dreiwegschalter an der Rückseite der Gitarre und sind mit schwarzen Kunststoffabdeckungen verschlossen. Diese besitzen im Übrigen eine Tolex-Optik und sind versenkt eingelassen.

Die Saiten werden wie gewohnt in ein Stop-Tailpiece eingefädelt und über eine Tune-o-Matic-Brücke in Richtung Kopfplatte geführt. Zwei Gurtpins an gewohnter Stelle sind natürlich auch zu finden, allerdings wurden diese ohne Unterlegscheiben direkt in den Korpus geschraubt.

Saitenhalter und Steg bestehen aus vernickeltem Aluminium und passen für meinen Geschmack ganz hervorragend zum Erscheinungsbild der Les Paul Tribute.

Hals:

Der eingeleimte, einteilige Mahagonihals besitzt ein Palisandergriffbrett, in das 22 Medium-Bünde sauber eingelassen und tadellos nachbearbeitet wurden. Letztere wurden laut Hersteller durch eine Kältebehandlung (Cryotechnik) widerstandsfähiger gemacht, was zur Folge hat, das Neubundierungen seltener notwendig werden sollen. Auf ein Binding wurde am Hals verzichtet, dafür finden sich im Griffbrett aber schicke Trapezeinlagen aus Acryl in Perlmutt-Optik, die, wie die kleinen Punkte in der Griffbrettkante, bei der Orientierung helfen. Das Halsprofil wird von Gibson als "Slim Taper" bezeichnet und bereits seit den 60er Jahren eingesetzt. Mit einem Radius von 12" liegt der Hals für meinen Geschmack sehr komfortabel in der Hand, und auch die mit Klarlack hauchdünn überzogene Halsrückseite besitzt ein holziges Greifgefühl.

Die schwarz lackierte, angewinkelte Kopfplatte beherbergt sechs geschlossene Vintage Style Keystones Mechaniken mit Stimmflügeln in Creme. Wie bei Gibson üblich, sind diese in der klassischen 3 + 3 Anordnung verbaut. Bevor die Saiten auf die Mechaniken treffen, laufen sie über einen 43 mm breiten Sattel aus Tektoid. Das goldene Gibson-Logo samt Les Pauls Unterschrift dürfen auf der schwarz lackierten Kopfplatte natürlich auch nicht fehlen. Der Zugang zum Halsstab befindet sich direkt hinter dem Sattel und ist mit einer dreilagigen, glockenförmigen Kunststoffabdeckung mit Tribute-Gravur verschlossen. Das passende Werkzeug zum Einstellen der Halsneigung befindet sich im Gigbag. Natürlich besitzt die Les Paul Tribute die typischen Gibson Mensur von 628 mm.

Das Instrument wurde in den USA gefertigt und macht einen tadellosen Eindruck. Zumindest in dieser Hinsicht gibt es keine Rückschlüsse auf die aktuelle Situation der Marke - im Gegenteil! Alle Arbeiten wurden auf hohem Niveau ausgeführt und ein Blick auf das Preisschild verwunderte mich ziemlich, denn ich hätte die Gitarre wesentlich teurer eingeschätzt.

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