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Test
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16.02.2015

Gibson Les Paul Traditional 2015 Test

E-Gitarre

Nix für Weicheier

Gerade erst hat das neue Jahr begonnen, und mit der Gibson Les Paul Traditional 2015 stellt sich das nächste Prachtstück des amerikanischen Gitarrenbauers einem bonedo-Test. Einige grundlegende Veränderungen hat Gibson seinen E-Gitarren verpasst und es ist auf jeden Fall spannend zu sehen, ob der Schwerpunkt speziell bei unserer Testkandidatin weiterhin im Bewährten und Traditionellen liegt, oder ob auch sie in diesem Jahr grundlegende Veränderungen erfahren hat.

Was das Stimmen anbelangt, gibt es nämlich den klaren Schritt in die andere Richtung, denn die Gitarre ist mit dem G-Force Tuning System mit automatischen Tunern ausgerüstet. Was sonst eventuell ebenfalls weg von der Vergangenheit und in Richtung Zukunft zeigt, soll der folgend Test offenbaren.

Details

Korpus

Bei der Holzauswahl bleibt man bei Gibson beständig und dem Erfolgsrezept treu. Auch die 2015er Les Paul wird mit einem Mahagoni-Korpus und aufgeleimter Ahorndecke ausgeliefert. Wenn man die Gitarre in die Hand nimmt, dann wird einem klar, worauf sich die Bezeichnung Traditional auf jeden Fall beruft: Unsere Testkandidatin wiegt stramme 4,5 kg und das kommt nicht von ungefähr, denn bei ihr hat man auf das übliche Weight Relief durch Einfräsungen im Korpus komplett verzichtet. Ein Maximum an Sustain sollte theoretisch also auf jeden Fall erreicht werden. Diese Gitarre ist übrigens die einzige aus dem 2015er Kader, die nicht den üblichen Gewichts-Erleichterungsfräsungen unterworfen wurde. Das gute Stück ist in fünf verschiedenen, mehr oder weniger traditionellen Finishes erhältlich: Ocean Blue, Honey Burst, Heritage Cherry Sunburst, Placid Purple und Tobacco Sunburst, der Lackierung unseres Testmodells.

Alle besitzen ein cremefarbenes Binding am Korpusrand und die sonstige Ausstattung entspricht eindeutig den Erwartungen an eine Les Paul. Es gibt zwei Humbucker, die über einen Toggle-Switch geschaltet und mit vier Reglern eingestellt werden können. Bei den Poti-Knöpfen handelt es sich um Supreme Grip Gold Speed Knobs, deren seitlich Riffelung sie griffiger macht. Für die bessere Kontrolle über die Einstellungen sind an jedem Poti Markierungszeiger aus Metall angebracht. Das cremefarbene Schlagbrett aus Kunststoff ist nur an den beiden Pickup-Rahmen eingesteckt und nicht mehr an die Zarge geschraubt wie bei früheren Modellen. Dadurch lässt es sich sehr schnell und ohne Loch an der Zarge entfernen - viele Gitarristen hat das aus ästhetischen Gesichtspunkten immer gestört. Bei der vernickelten Tune-O-Matic Bridge gibt es ein kleines, aber feines Upgrade: Die Saitenreiter aus Titan und die Höhe der Zamak-Brücke können nun bequem mit einem Inbus-Schlüssel eingestellt werden. Beim Basismaterial des Stegs handelt es sich übrigens um eine Zinkdruckguss-Legierung, die ihren Namen aus den beteiligten Metallen Zink Aluminium Magnesium und Kupfer ableitet.

Pickups

Die Gitarre ist mit zwei identischen 1959 Tribute Humbuckern bestückt, die mit Alnico II Magneten ausgestattet sind. Die Pickups kommen in vernickelten Kappen und sind in cremefarbenen Kunststoffrahmen befestigt. Laut Hersteller liefern sie einen vintage-orientierten Ton mit leichter Höhenanhebung. Split-Kombinationen der Tonabnehmer sind nicht vorgesehen, es gibt drei Grundsounds, die mit dem Toggle-Switch geschaltet werden, jeder Pickup einzeln und in der mittleren Schalterstellung sind beide aktiviert. Geregelt werden sie getrennt mit je einem Volume- und einem Tone-Regler.

Hals

Auch am Hals gibt es wesentliche Veränderungen bei den Gibson Modellen von 2015. Traditionell bleibt seine Machart aus Mahagoni und einem Palisander-Griffbrett, aber er ist breiter und das Griffbrett ist etwas dicker, was ebenfalls zu einem besseren Sustainverhalten führt. Wer aber schlanke Hälse mag, wird hier keinen Spaß haben, denn dieser Kandidat ist ein ordentlicher Schläger. In der Breite misst er am Sattel bereits 46 mm und vom Profil her passt er klar zum massiven Korpus. Das Rounded XL ist das dickste der momentanen Gibson-Profile, was zu einem Maximum an Sustain beitragen sollte, aber man muss sich schon daran gewöhnen und es mögen. Das String-Spacing blieb allerdings gleich, der Abstand zwischen den Saiten ist nicht größer als bei den vorangegangenen Modellen. 22 Medium Frets teilen das Griffbrett ein, Trapez-Einlagen und Punkteinlagen am Hals-Binding dienen der Orientierung. Alles ist sehr gut verarbeitet, die Gitarre ist in punkto Halsneigung und Saitenlage dank der Bearbeitung mit einer Plek-Maschine ab Werk ausgezeichnet eingestellt. Ein weiteres feines Detail wartet am oberen Ende des Halses: Der Messingsattel mit Null-Bund ist per Inbus-Schraube höhenverstellbar, somit kann die Saitenlage wirklich optimal auf die Spielbedürfnisse eingestellt werden.

G-Force Tuning System

Die Kopfplatte kommt eher im modernen Design, neben dem Logo, der Les Paul Signatur und der glockenförmigen Abdeckung des Halsstellstabes sorgt das neue G-Force Tuning System für gute Stimmung. Hierbei handelt es sich um ein Nachfolgemodell des Min-ETune Systems. Rein optisch und in seiner Bedienstruktur entspricht es dem Vorgänger, allerdings wurde laut Hersteller die Software noch weiter optimiert. Es lässt sich einfach bedienen, man schaltet es ein, schlägt einmal leicht durch alle Saiten, die Tuner beginnen zu arbeiten, eventuell noch einmal ein bis zwei einzelne Saiten nachjustieren, wenn sie noch rot angezeigt sind, fertig! Das geht recht fix, aber manchmal klappt es mit der hundertprozentigen Stimmgenauigkeit nicht auf Anhieb. In diesem Fall kommt der etwas langsamere Modus zum Einsatz, bei dem man den On/Off-Schalter länger gedrückt hält. Nun wird jede Saite einzeln angeschlagen und gestimmt, das G-Force System ist in diesem Modus wesentlich präziser und benötigt auch nicht viel mehr Zeit. Der große Pluspunkt automatischer Tuning Systeme zeigt sich vor allem beim spontanen Wechsel auf ein Open Tuning. Von DADGAD auf Standard Tuning dauert es im Test gerade einmal 10:31 Sekunden! Das ist beachtlich, und auch wenn für ein perfektes Tuning noch einmal nachgestimmt werden sollte, dauert es trotz allem nicht so lange, wie wenn man das Ganze per Hand erledigen muss. Und stressfreier ist es allemal. Es gibt eine ganze Reihe voreingestellter Tunings, die man aufrufen kann, eingeteilt in die beiden Preset-Bänke Main Tuning Presets und Low Tuning Presets, wenn es richtig in den Keller gehen soll. In den Grafiken seht ihr die unterschiedlichen Tunings dargestellt. Die Anwahl der Stimmungen ist recht einfach. Man drückt den On/Off-Schalter zwei Mal, dann wird mit den Links/Rechts-Tastern das Tuning (Saitennamen-Buchstaben) und die Preset Bank (z.B. rot, grün, blau) mit den Up/Down-Tastern ausgesucht.

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