Gitarre Hersteller_Gibson
Test
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15.02.2012

PRAXIS

Der Hals im Rounded 50’s Profil liegt ziemlich fett in der Hand und resoniert beim Spiel recht intensiv. Die Gitarre hängt gut ausbalanciert am Gurt und das, obwohl der Hals um einiges länger ist als bei einer normalen Paula und den Schwerpunkt so entsprechend verlagert. Natürlich ist es Gewohnheitssache, eine Bariton-Gitarre zu spielen. Wegen der längeren Mensur muss man sich für Akkorde in den tieferen Lagen schon etwas Strecken. Durch die aufgezogenen Saiten ( .012 - .016 - .024 - .032 - .042 - .052) verleitet sie nicht unbedingt zum Solospiel, soll sie meiner Meinung nach aber auch gar nicht, hier geht´s um andere Werte...

Schon unverstärkt zeigt die Gitarre ihre Resonanzfreudigkeit und lässt Akkorde langsam ausklingen. Das Frequenzbild ist typisch Gibson. Der Mahagoni-Korpus bringt genau diesen typischen LP-Mittengrowl, die Ahorn-Decke und das verwendete Backed-Maple-Griffbrett steuern angenehme Höhen bei.Ich bin gespannt, wie sich die Axt am Amp macht. Ich habe die Gitarre übrigens in H gestimmt, also H, E, A, D, F#, H.Los geht´s wie immer clean. Ich schalte, beginnend mit dem Steg-Pickup, durch alle drei Positionen und verwende dabei einen Fender Deluxe.

Der Steg-PU lässt schon clean gespielt ahnen, was in ihm steckt. Das Höhenbild ist für eine heruntergestimmte Les Paul erstaunlich frisch. In der Regel versinken Humbucker-Gitarren in einem solchen Tuning ja schnell im tonalen Mumpf. Die Baritone-Paula nicht – alles, was man spielt, bleibt transparent und relativ knackig. Die Zwischenposition gibt dann den Extraschub Höhen und höhlt die Mitten etwas aus, dadurch entsteht ein fast schon“stratiger“ Sound. Auch der Kollege am Hals macht einen sehr souveränen Eindruck und hält sich in den Bassfrequenzen (zum Glück) angenehm zurück. Auch hier bringen die Pickups eine gute Portion Höhen in´s Spiel. Um das eben gehörte in einem anderen Kontext zu hören, spiele ich das Ganze jetzt noch mal gepickt.

Hier lassen sich sehr gut die verschiedenen Charakteristika der Tonabnehmer-Kombinationen heraushören. Auffällig ist die ziemlich schnelle Tonentfaltung, gepaart mit einem guten Attack bei jedem Anschlag.Im nächsten Beispiel habe ich einen Plexi Marshall verwendet und die Verzerrung sehr moderat gehalten. Wegen des tieferen Tunings klingt es aber wesentlich verzerrter als es tatsächlich ist. Auch hier schalte ich mich kontinuierlich durch die Pick-Up-Kombis – beginnend am Steg.

Sehr interessant, wie sich das Klangbild verändert. Mich interessiert bei diesem Beispiel in erster Linie das Verhalten der Gitarre bei gedämpft gespielten Riffs.Das ist in allen drei Beispielen nicht zu vordergründig. Sehr gut! Die Baritone Les Paul bringt eine Menge Punch mit, perfekt für diese Spielart. Interessant ist auch, wie sich, je nach Pickup-Position, das Mittenbild verändert. Selbst der Hals-PU, bekannterweise nicht die erste Wahl für gedämpftes Getacker, lässt sich problemlos einbinden.Im nächsten Beispiel verwende ich einen Top Boost Vox, der einen satten Crunch-Sound liefert.

Der kehlige Grundsound des Amps bleibt erhalten und passt perfekt zur tiefergelegten Paula. Die Gitarre schwingt wunderbar aus, und es muss nicht viel am EQ gedreht werden, um authentische Riff-Sounds zu realisieren. Einfach einstöpseln und los geht´s. Tiefe, wie auch hohe Saiten kommen klar strukturiert rüber und bilden eine kompakte Einheit. Selbst gebrochene Akkorde lassen sich definiert heraushören.Jetzt wird´s böser. Der Rectifier glüht bereits und wartet auf Input.

Tja, was soll ich sagen? Genauso muss es klingen. Ich habe bewusst mehr Gain reingedreht, als eigentlich üblich. Aber selbst das macht ihr nicht besonders viel aus. Die Gitarre liefert genau den Growl und „Schmatz“, den diese Art Riffs brauchen. Der Steg-PU ist zwar ein kleiner Schreihals, hat aber eine ganze Menge Potenzial und bleibt dabei erstaunlich kultiviert.

Abschließend noch ein kleines “Solo“, wie gesagt, für mich sind Bariton-Gitarren keine Lead-Gitarren im klassischen Sinne.

Aber selbst das meistert sie mit Bravour. Im letzten Teil habe ich sogar auf den Hals-Humbucker gewechselt und der singt, dass es eine Freude ist.

Wer Bariton-Gitarren ausschließlich für tiefergelegte Riffs im Metallgewerbe sieht, der verkennt ihr tatsächliches Potenzial. Natürlich ist das ihr Kerngeschäft, aber auch clean bietet die Baritone-Variante der Les Paul jede Menge Möglichkeiten, die erforscht werden wollen. Akkorde zum Beispiel lassen sich in Verbindung mit einem zweiten Gitarristen, der mit einer “normalen“ Gitarre zu Werke geht, viel breiter darstellen, da sie auf der Baritone anders geschichtet werden können. Dass sich Gitarren dieser Art gerade im Studio schon seit Jahren großer Beliebtheit erfreuen, ist also absolut nicht verwunderlich.

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