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Test
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19.01.2015

Gibson Les Paul Deluxe WR 2015 Test

E-Gitarre

Paula Reloaded

Beim Öffnen des Koffers mit der Kandidatin für unseren bondeo-Test, der Gibson Les Paul Deluxe WR 2015, fällt mir auf, wie spannend es doch immer noch ist, eine dieser legendären E-Gitarren auszupacken. Immerhin gibt es unsere kultige Paula schon seit über sechzig Jahren, ohne dass sie an Faszination eingebüßt hätte. Und die Frage, was Gibson sich beim Thema Produktpflege hat einfallen lassen, stellt sich bei jedem Upgrade und bei jeder Modellvariante neu.

Demzufolge sind auch die neuen 2015er Gitarren mit einigen aktuellen Features bestückt, die wir im folgenden bonedo-Test an's Licht befördern wollen.

Details

Optik/ Verarbeitung:

Schon das besagte Transportbehältnis erweist sich als Schmuckstück - ein funky aussehender Rechteck-Koffer in Gold! Darin finden sich neben der Gitarre eine Qualitäts-Checkliste, ein Foto des Instrumentes, eine Gebrauchsanweisung und ein Netzteil, auf das ich später noch zu sprechen komme. Beim Herausheben allerdings fällt mir das relativ hohe Gewicht auf. Nun ja, es ist halt eine Les Paul, denke ich ... Und ein Blick auf die Waage bestätigt meinen ersten Eindruck: Exakt 4459 Gramm müssen geschultert werden - dem interessierten Gitarristen empfehle ich deshalb einen extrabreiten Gurt oder bei längeren Gigs eine Sitzgelegenheit. Was mich in diesem Zusammenhang etwas verwundert ist die Tatsache, dass das Instrument mit einem Weight Relief mit neun Löchern versehen ist. Der Korpus dieser Les Paul Deluxe besteht aus zwei Teilen Mahagoni, auf dem eine ebenfalls zweiteilige Ahorndecke verleimt wurde. Diese wird von einem cremeweißen Binding umrahmt, das optisch ganz wunderbar zur weinrot lackierten Gitarre passt.

Elektronik

Als Pickups kommen zwei neue Mini-Humbucker zum Einsatz, die beide in ebenfalls cremeweissen Rahmen stecken und sich mittels kleiner Schrauben wie üblich in der Höhe verstellen lassen. Natürlich muss auch das Pickguard farblich zu Binding und Pickup-Rahmen passen. Die vernickelte Tune-O-Matic Bridge mit Stop Tailpiece besteht aus Zamak, einer Zink-Druckgusslegierung, deren Bezeichnung für Zink, Aluminium, Magnesium und Kupfer steht, und sie weist eine weitere Neuerung auf: Die Böckchen sind aus Titan und lassen sich natürlich einzeln justieren.

Die Deluxe besitzt drei Potis, wobei zwei jeweils die Lautstärke der beiden Pickups regeln und ein weiteres für den Gesamtklang verantwortlich ist. Beide Volumenpotis verfügen über eine Push/Pull-Funktion und ermöglichen ein Coil-Splitting der Mini-Humbucker. Der aufmerksame Leser wird sicherlich den Kippschalter an der Stelle bemerkt haben, an der sich normalerweise ein weiteres Tone-Poti befindet. Dieser sorgt für einen satten 15dB Boost. Geschaltet werden die Tonabnehmer mit dem traditionellen Dreiwegschalter, der an gewohnter Stelle im vorderen oberen Korpusbereich angesiedelt ist.

Natürlich kann auch ein Gurt angebracht werden, dafür stehen zwei Aluminium-Gurtpins bereit, die jedoch nicht mit einem Filzring unterlegt sind und somit direkt auf dem Lack ruhen. Auch wenn ich kleinlich erscheinen mag, aber in meinen Augen muss das nicht sein, und keinesfalls bei einer Gitarre in dieser Preislage.

Ein Blick auf die Rückseite zeigt neben der Ausfräsung für den Pickup-Schalter, den sogenannten Toggle Switch, auch das Elektronikfach, in dessen Deckel ein Batteriefach integriert ist. Auch darauf komme ich noch zu sprechen.

Weiter geht es mit dem Hals, der selbstverständlich mit dem Korpus verleimt ist und aus einem Stück Mahagoni besteht, darauf ein Palisandergriffbrett mit 22 Jumbo-Bünden. Diese sind tadellos entgratet und hochglanzpoliert. Die klassischen Perlmutt Trapez-Inlays dienen ebenso wie kleine schwarze Punkte an der Halskante der Orientierung, und auch hier gibt es verarbeitungsmäßig nichts zu beanstanden. Ein cremeweißes Binding setzt das Griffbrett von der Halsrückseite ab und integriert es optisch perfekt in das Outfit der schmucken Gitarre. Auch bei unserer Kandidatin kam eine Plek-Maschine zum Einsatz, die für eine perfekte Saitenlage und beste Bespielbarkeit garantieren soll. Beim Sattel hat sich Gibson in der Tat etwas Neues einfallen lassen. Er nennt sich Zero Fret Nut und besteht aus Messing. Bei ihm laufen die Saiten über einen Nullbund, der mithilfe des beiliegenden Schlüssels in der Höhe verstellt werden kann. Vor allem die Slide-Spieler werden diese Nachricht besonders gern hören und es ist, wie ich finde, eine großartige Idee!

Die Saiten laufen von dort aus zu den sechs Mechaniken, die endlich auch die wahrscheinlich größte Neuerung offenbaren, das G Force Tuning System, den Nachfolger des bisher verbauten Min-ETune. Dabei handelt es sich um ein automatisches Stimmsystem mit motorisierten Mechaniken. Die Bedienung ist recht einfach, es muss lediglich der On-Knopf gedrückt und alle Saiten angeschlagen werden. Das sollte man ruhig öfter tun, da so die Stimmgenauigkeit erhöht wird. Die noch zu stimmenden Saiten werden rot dargestellt, gestimmte Saiten grün.

Ist das Resultat nicht zufriedenstellend, kann auch ein langsamer Modus aktiviert werden. Dafür muss der On Button länger gedrückt werden. Über das Für und Wider solcher Gadgets lässt sich sicherlich streiten, aber wer mit unterschiedlichen Stimmungen spielt, wird das G Force Tuning System als wahren Segen empfinden. Gibson hat für diesen Zweck verschiedene Tunings bereitgestellt, die über einen Links/Rechts-Taster ausgewählt werden, per Up/Down-Taster erreicht man die jeweilige Preset-Bank. Das Instrument lässt sich aber auch ganz normal per Hand stimmen, dafür muss das G Force Tuning System ausgeschaltet sein.

In der folgenden Grafik seht ihr eine Übersicht der möglichen Stimmungen.

Das mitgelieferte Netzteil dient zum Aufladen der Stimmmechanik-Batterie, die zu diesem Zweck entnommen und in das Ladegerät gesteckt werden muss. Das Batteriefach auf der Korpusrückseite versorgt den oben genannten Booster.

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