Gitarre Hersteller_Gibson Genre_Metal
Test
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09.06.2010

Praxis/Sound

Die Angus Young SG wird in einem sehr stabilen Formkoffer ausgeliefert, der auch die benötigten Werkzeuge zum Einstellen der Saitenlage und Halskrümmung beherbergt. Da die Gitarre ab Werk bereits bestens in Form ist, können die Inbus-Schlüssel erst mal im Koffer bleiben und wir starten – quasi aus dem Koffer - mit dem Praxistest. Schon trocken angespielt macht das Instrument einen sehr guten Eindruck: Es liegt gut in der Hand und liefert auch ohne angeschlossenen Amp eine ordentliche Ladung Power.

Um Grundsound und Ausgangsleistung der beiden Humbucker zu checken, wird die SG an einen clean eingestellten Amp angeschlossen. Sofort fällt die hohe Ausgangsleistung der Tonabnehmer auf, denn um überhaupt ein unverzerrtes Signal zu erhalten, muss ich den Gain-Regler am Amp noch einen Hauch zurückdrehen. Angus Youngs neues Stück macht dem Motto „Ready to rock“ also tatsächlich alle Ehre. Der Halspickup liefert ein warmes Klangbild mit kräftigen und druckvollen Bässen.

Der Steg-Humbucker ist selbstverständlich etwas brillanter, hat aber immer noch ein ausgeprägtes Bassfundament mit dominierenden oberen Mitten. Also nichts Schrilles, sondern fett und cremig.

In der mittleren Position, der Kombination beider Pickups, bekommen wir den typischen hohlen Sound mit einem sehr smoothen Klangbild. Knackige Bässe und klare Höhen inklusive.

Den Halspickup kann man im Cleanbereich sehr gut für Begleitungen mit Fingeranschlag nutzen. Die Übertragung ist ausgezeichnet, der warme Ton des Fingerpickings wird bestens an den Amp weitergeleitet.

Selbst warme Jazz-Sounds sind hier problemlos möglich. Wenn es noch etwas „muffiger“ klingen soll, einfach den Tonregler ein wenig zurückdrehen. Die SG hat ein gutes Sustain, die Töne klingen lange auf dem gleichen Lautstärke-Level, was natürlich gerade bei Cleansounds zu einem sehr entspannten Spiel führt. Aber auch in der Disziplin „kurz und knackig“ kann die schwarze Lady punkten. Die Kombination beider Pickups eignet sich hierfür besonders gut. Schnelle Ansprache und ein brillanter, aber immer noch kräftiger Ton sind garantiert.

Auf der nächsten Seite geht es mit den Crunch- und Overdrive-Sounds weiter.

Kommen wir nun zum Spezialgebiet dieser Gitarre: Crunch-Sounds mit britischem Einschlag. Mit meinem alten Sound City Amp versteht sich die SG auf Anhieb blendend. Alle Regler am Verstärker voll aufgedreht und wir erhalten den fetten Brit-Rock Sound der 60er. Auch Pete Townshend hätte seine Freude an Youngs neuer Signature-Waffe, die in dieser Kategorie ein wenig schärfer und aggressiver klingt als eine Standard SG. Auch eine etwas heftigere Anschlagsweise des Gitarristen macht dem Instrument nichts aus. Die SG ist hart im Nehmen, gibt sich gelassen und erledigt den Job ganz ohne Intonations- oder Stimmungsprobleme. Recht so!

Aber nicht nur der Steg-Humbucker kann bei Crunchsounds überzeugen. Auch die Kombination beider Pickups ist eine gute Wahl für etwas dezentere Rock-Rhythm-Sounds. Der Ton ist hier nicht zu aggressiv, hat aber immer noch genügend Durchsetzungsvermögen.

Der Halspickup ist gut für Rhythm- oder auch bluesige Leadsounds geeignet. Er hat immer noch sehr viel Brillanz und Dreck im Abgang.

Hier fällt auch die Anschlagsdynamik auf. Schlägt man hart an, erhält man einen höhenreicheren Ton und die Verzerrung wird stärker und brillanter. Bei weichem Anschlag ist der Ton entsprechend zahmer. Hier ein Beispiel mit dem Hals-Pickup, bei dem ich zuerst leicht mit den Fingern, dann hart mit dem Pick angeschlagen habe.

Auch die „Steuerung“ der Verzerrung über das Volume-Poti funktioniert einwandfrei. Beim nächsten Beispiel habe ich den Steg-Pickup scharfgeschaltet und den Lautstärkeregler zuerst auf drei, dann auf zehn gedreht. Am Anfang bekommt man einen fast cleanen Sound, dann die volle Packung, wobei der Pegel nur wenig abnimmt, wenn man den Regler zurückdreht. Das sind natürlich optimale Voraussetzungen für Puristen, die ihren Sound primär mit den Fingern und dem Lautstärkeregler an der Gitarre erzeugen und auf Kanalumschaltung am Amp eher verzichten.

Auch für die härtere Abteilung ist die SG zu haben. Hier zwei Beispiele: Einmal mit Drop-D-Tuning über einen HK Duotone und dann noch mal mit einem Metal Zone Pedal über einen clean eingestellten Sovtek. Die Obertonansprache ist ausgezeichnet, Artificial Harmonics lassen sich ohne große Anstrengung erzeugen.

Zum Abschluss hört ihr noch einmal die Angus Young SG mit der kompletten Band in allen drei Tonabnehmerkombinationen. Die Rhythmusgitarre auf der rechten Seite wurde mit dem Steg-Tonabnehmer eingespielt, die Rhythmusgitarre auf der linken mit beiden Pickups. Für den Leadsound habe ich den Hals-Pickup benutzt und am Amp den Gainregler etwas weiter aufgedreht. Die Gitarre setzt sich sehr gut durch, und obwohl ich dasselbe Instrument benutzt habe, sind die klanglichen Schattierungen sehr unterschiedlich.

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