Hersteller_Gemini
Test
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20.09.2012

Gemini CDJ-650 Test

Tabletop Media Player

Ein Typ für alle Fälle?

Der Gemini CDJ-650 ist ein Tabletop Media Player. Allgemein erfreuen sich Desktop-CD-Player seit mehr als einem Jahrzehnt größter Beliebtheit. Doch reicht es heutzutage kaum noch aus, lediglich Silberlinge abspielen zu können, denn die Scheibchen geraten langsam aus der Mode. Der Absatz sinkt aufgrund des digitalen Vertriebes, zumal ein MP3-Album bei den Onlinestores oft deutlich weniger kostet als die CD-Version, so diese überhaupt angeboten wird. Aufgrund der mit dem Download verbundenen sofortigen Verfügbarkeit und Medienflexibilität gehört ein USB-Anschluss Typ-A für Wechselspeicher eigentlich schon zum guten Ton.

MIDI-Kompatibilität und ein USB-Audio-Interface, damit die Kommunikation mit einer DJ-Software reibungslos erfolgen kann, werden gleichfalls immer häufiger in freier Wildbahn gesichtet. Grund genug für uns, ein Exemplar dieser Spezies zu erhaschen und in die Redaktion zu zerren. Mein heutiger Testkandidat Gemini CDJ-650 kostet 459 Euro UVP und tritt in Konkurrenz mit Numarks NDX-900 (459 Euro), Pioneers CDJ350 (599 Euro) und dem Radius 3000 von American Audio (429 Euro).

Details

Der in den USA beheimatete Hersteller Gemini präsentierte uns auf der Frankfurter Musikmesse seine brandneue DJ-Produktpalette, bestehend aus diversen Mixern, Rack-Ware, Workstations und Controllern sowie den beiden CD-Playern CDJ-650 und CDJ-700. Letztgenannter fand sich bereits im Frühjahr zum Test ein. Nun klopft der kleine Bruder an die Tür und möchte uns beweisen, dass er trotz eines Preisunterschiedes von etwa 30 Prozent einiges auf der Pfanne hat. Zum Beispiel, dass er neben seinen angestammten Aufgaben als Abspielgerät für CDs auch Tracks von USB-Sticks und Festplatten unterschiedlicher Dateisysteme wiedergeben kann, ein grafisches Display im Gepäck hat, mit MIDI und HID-Unterstützung glänzt und sogar ein integriertes Audio-Interface im Bauch hat.

Aus der Verpackung entnommen zeigt ein erstes Befingern des Neuankömmlings grundsätzlich ordentliche Verarbeitungsqualität. Der kompakte Recke misst etwa 22 x 29 Zentimeter bei einem Gewicht von 2,2 Kilogramm, ist überwiegend aus Kunststoff gefertigt und vereint auf seiner mattschwarzen Oberfläche 28 Tasten, einen Encoder, einen Flachbahnregler, ein Jogdial, den USB-Schlitz und eine etwas mehr als DIN-A7 große, angewinkelte Fläche, auf der das vertikale (!) Display mit einigen Schaltflächen angeordnet ist. Die Bedienelemente entsprechen dem, was man in dieser Preisklasse erwarten darf. Das Raumangebot würde ich als angemessen bezeichnen. Auf den Kopf gestellt wird der Blick auf eine metallverstärkte Bodenplatte sowie vier große Standfüße frei, die einem sicheren Halt auf dem DJ-Tisch gewährleisten. An den Seiten ausgestanzt, prangt in großen Lettern Geminis Marken-Schriftzug.

Backpanel und Frontpanel

An der Vorderseite ist lediglich der CD-Einschub auszumachen, der gänzlich unbeleuchtet ist, obgleich ein kleines Lämpchen in dunklen Keller-Sessions sicherlich keine schlechte Orientierungshilfe gewesen wäre. Auch finde ich, dass die Betriebsgeräusche nach dem Einzug eines Silberlings etwas laut ausfallen, was in der zuvor genannten Lokalität sicherlich zu vernachlässigen, aber im morgendlichen Studiobetrieb relativ auffällig ist. Drehe ich den Probanden um 180 Grad, zeigt das rückseitige Anschlussfeld von links nach rechts: einen schutzumrandeten Einschaltknopf, die Stromkabelaufnahme, eine USB-Buchse Typ-B zur Verbindung mit dem PC oder Mac sowie einen Ausgang als Stereo-Cinch. Der S/PDIF-Out des großen Bruders fiel dem Rotstift zum Opfer.

Spiels noch einmal, Sam!

Ob das Audiosignal von einem Silberling, Datenträger oder PC kommen soll, entscheiden die Tasten CD, USB und MIDI auf Rechtsaußen, woraufhin das Gerät innerhalb von ein bis zwei Sekunden in den ausgewählten Modus umschaltet. Von nervigen Wartezeiten keine Spur. Links oben ist der USB-Schlitz (TYP-A) für Wechseldatenträger beheimatet. Ein SDHC-Kartenslot ist nicht zugegen. Schade eigentlich. Laut Herstellerangaben funktionieren an der Schnittstelle Flash-Speicher und Festplatten mit den Dateisystemen FAT, FAT32, NTFS und HFS+, was ich für Sticks bestätigen kann. Da sich die Limitierung für die Festplatte ebenfalls aus den unterstützten Dateisystemen ergibt, freut es mich mitteilen zu dürfen, dass auch große Musiksammlungen nicht außen vor bleiben. Meine 250 GB große NTFS-Platte sowie der 640 GB „schwere“ Mac-formatierte Datenträger wurden anstandslos eingebunden und waren schneller abspielbereit als ein Gast „Hey, Deejay! Kannste mal die neue Scheibe von den Toten Hosen auflegen“ sagen kann.

Das Tonträgersammelsurium entpuppte sich als kompatibel mit WAV-, MP3-, AIFF- und AAC-Dateien (auch iTunes m4a). Die Umschaltzeit zwischen einzelnen Musikstücken einer Audio-CD ist sehr flott, das gleiche gilt auch für Track-Wechsel auf einem Datenträger. Selbst das erstmalige Einlesen eines Moduls geschieht im Handumdrehen. Mittels Push-Encoder und „Back“ - Button geht die Navigation effizient von der Hand und bereitet dem DJ auch bei verschachtelten Hierarchien keine Probleme. Prima, Gemini! Ich habe bis hierher nix zu meckern.

Display

Beim Display muss der Käufer einen formellen und funktionalen Einschnitt hinnehmen, denn Gemini verzichtet beim Sechshundertfünfziger auf Berührungsempfindlichkeit. Bevor jetzt gleich das Gemecker losgeht, möchte ich sagen, dass uns beim Test des Siebenhunderters auffiel, dass die Touch-Funktion etwas schwammig und das enge Layout in einigen Bereichen nicht wirklich von Vorteil war, zum Beispiel bei der Navigation mit dem Zeigefinger statt mit dem Encoder. Zwar ließen sich auch die integrierten Effekte via Screen dirigieren, jedoch zieht das vorliegende Modell ohne Effektgeschwader um die Häuser, daher empfinde ich das Weglassen der Touchscreens nicht als schwerwiegenden Nachteil. Um ein paar Bread & Butter - FX  wie z.B. Flanger oder Reverb ist es da schon eher schade.  

Der Screen nimmt eine Fläche von insgesamt etwa 75 x 55 Millimetern ein. In der oberen Hälfte werden Titelinformationen, Laufzeiten und Tempoangaben in praxisdienlicher Größe visualisiert. Was die senkrechte Ausrichtung angeht, möchte ich feststellen, dass eine Vertikale gerade beim Browsen positiv zum Tragen kommen kann, allerdings hätte ich mir gewünscht, Wellenform und Infos beim Durchstöbern der Library ausblenden zu können. Vier Einträge sind nicht gerade üppig. Aber immer noch besser, als nur den nachfolgenden Track ablesen zu können. Das sollte definitiv mal festgehalten werden. Mit 20 Zeichen pro Zeile und Scroll-Vorgang in moderatem Tempo fällt die Identifizierung eines Musikstückes zudem sehr leicht. Obendrein hat der Anwender bei einem MP3-Titel die Möglichkeit, zwischen Dateibezeichnung, Album, Artist und Genre umzuschalten.

Eine rote von 3,2 bis 24 Sekunden zoombare Wellenformanzeige bildet die Peaks des aktuell geladenen Titels ab. Es handelt sich hierbei lediglich um eine Ausschnittbetrachtung und nicht wie bei manchen Konkurrenten um eine Gesamtübersicht. Alles, was sich weiter als 24 Sekunden von der momentanen Abspielposition entfernt befindet, lässt sich daher nicht erkennen. Bei hohem Zoomfaktor ist die Peak-Anzeige durchaus als visuelle Mix-Hilfe geeignet, wobei die nächste Signalspitze während der Laufzeit aufblinkt, sobald sie an der Abspielposition angelangt ist. Beatmatching plus. Klar, die Anzeige kann nicht mit einem 2000 Euro teuren CDJ2000 mithalten, ist aber vielen Mitbewerber in diesem Preissegment überlegen, denn diese verbauen erst gar kein grafisches Vollfarb-Display. Der Screen lässt sich auf gewohnter Mix-Entfernung gut ablesen und bei Bedarf über den Push-Encoder im Kontrast regulieren. Fein.

Jogwheel

Ein entscheidendes Kaufargument bei einem Tabletop-Player ist das Jogwheel. Gemini verzichtet im Gegensatz zum Flaggschiff auf das mittige Display. Auch unterstützt keinerlei LED-Resonanz bei Berührung der Metalloberfläche den visuellen Reigen. Geblieben ist der Scratch-Modus, der mittels „Vinyl“-Taste zu aktivieren ist und die Touch-Sensorik der Metalloberfläche einschaltet. Beim Scratchen liegt der geriffelte Teller ordentlich unter der Hand. Abbremsen oder Beschleunigen geschieht wie gehabt über den Rand des Platters. Das Rad lässt keine mechanische Kontrolle des haptischen Widerstandes zu, ist aber fürs Beatmatchen meiner Meinung nach sehr zweckdienlich eingestellt. Im Pausenmodus kann zudem eine frame-basierte Suche im Audiomaterial erfolgen, womit sich Cue-Punkte passgenau anlegen lassen.

Auf dem westlichen Flügel machen es sich zwei extragroße, farbig umrandete Cue- und Play-Tasten sowie die Schaltflächen für den Schnellvorlauf, die Richtungsumkehrung und zum Track-Skipping bequem. Darüber residieren Autocue und Time (Elapsed, Remain) sowie ein Button zur Umschaltung des Wellenform-Zooms und der ID-3Tag-Anzeige.

Pitchfader

Gut dimensioniert gibt sich der 100 mm lange Pitchfader. Er kann in sechs Stufen zwischen vier und 100 Prozent betrieben werden, die sich mit der obligatorischen Range-Taste durchschalten lassen. Was ich allerdings bemängeln muss, ist das seitliche Spiel, der anhaftende Plastik-Look-and-Feel und das im Neuzustand teilweise (noch) etwas hakelige Gleitverhalten. Bei einem Gerät, dass im Handel knapp an der 400-Euro-Grenze schrammen wird, hätte ich hier mehr erwartet. Allerdings arbeitet der Pitchfader ziemlich präzise. Das ist wohl die Hauptsache.  

Die Pitchbend-Buttons beschleunigen oder bremsen kurzzeitig und operieren unabhängig vom aktuellen Pitch-Wert mit 100 Prozent in beide Richtungen. Im negativen Bereich kommt der Titel somit zum Stillstand. Eine Invertierung der Laufrichtung am Nullpunkt findet nicht statt. Eine Master-Tempo-Funktion friert die Tonhöhe bei Geschwindigkeitsänderungen während des Pitch-Vorganges ein, so dass keine Mickey-Maus Effekte, je nach Material ab einem bestimmten Wert jedoch sehr wohl hörbare Artefakte auftreten können. Geminis Timestretcher schlägt sich achtbar, wie in den nachfolgenden Audiofiles festgehalten.

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