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21.03.2019

Gear-Chat Shall Ocin

Der Musiker und DJ spricht über sein Leben, Label und das endlose Touren

Elektronische Musik ist sein Leben

Der in Cordoba, Argentinien geborene Nicolas Abalos a.k.a. Shall Ocin (Nicolas rückwärts geschrieben) ist Musiker durch und durch. In seiner Jugend startete er als Gitarrist und Bassist, inspiriert durch die 80er Funk und Soul Sounds. Seit 1998 dreht er die Plattenteller und zog 2006 nach Valencia in Spanien. Dort baute er sich ein beachtliches Tonstudio auf, das auch seine Karriere ankurbelte.

Mittlerweile tourt der elektronische Musikproduzent und Label-Inhaber durch die ganze Welt und bespielt Clubs und Festivals, von denen andere nur träumen.

Hallo Nicolas! Schön, dich hier im Gear-Chat Interview zu haben. Wann wurdest du mit Musik infiziert? Wer hat deine Anfänge in der Musik beeinflusst? Ist deine Familie ebenso so kreativ wie du selbst?

Ja. Es kam tatsächlich über meine Familie. Die meisten meiner Verwandten spielten irgendein Instrument, einige sogar professionell. Mein Bruder ist ein professioneller Gitarrist, mein Cousin spielt die Klarinette in einem Orchester und meine Schwester ist eine Sopran-Sängerin. Also bin ich sozusagen umrundet von Musik aufgewachsen, seitdem ich ein Baby war. Und als ich älter wurde, war es selbstverständlich, dass ich mit meiner eigenen Musik zu starten.

Als Teenager hast du gelernt, Gitarre und Bass zu spielen. Benutzt du diese Instrumente immer noch für deine elektronische Musik?

Ja klar! Auf jeden Fall. Ich spiele aber nicht mehr so oft Gitarre und Bass, aber ich liebe es zu üben und spiele auch nebenbei, um zu relaxen und Spaß zu haben. Mir kommen oftmals dabei Ideen, die dann in einen neuen Track einfließen. Es gibt viele gespielte Instrumente, versteckt in meinen Songs. Es ist immer gut, organische und unerwartete Elemente einfließen zu lassen.

Du hast mit deiner Musikkarriere zu einer Zeit angefangen, in der Studio-Equipment sehr teuer war. Hattest du damals zu Beginn eigene Hardware und ein Home-Studio?

Nein. Wie schon gesagt war alles damals wirklich sehr kostspielig. Ich besaß, was ich bekommen konnte zu dieser Zeit. Einige billige MIDI-Controller, einen einfachen Computer und eine Stereoanlage von meinen Eltern. Das war ok, denn ich musste lernen, mit solche Geräten umzugehen und das Beste herauszuholen. Jetzt habe ich ein großartiges Studio mit tonnenweise Gear und es klingt richtig gut ... Es ist ein Traum!

Du tourst durch die ganze Welt und spielst live und als DJ in den verschiedensten Locations vor tanzendem Publikum. Bist du immer noch nervös, bevor du die Bühne betrittst? Wie meisterst du diese Gefühle?

Ja. Ich warte heute noch auf den Tag, an dem sich diese Nervosität legen wird, aber es ist wie am ersten Tag, sobald ich die Bühne betrete. Aber das gehört einfach dazu, wirklich ... Es ist immer so, als würde ich ein großes Spiel vorbereiten und das gehört wie gesagt dazu.

Du bist Mitglied der elektronischen Musikszene seit den späten Neunzigern. Aus deiner Sicht: Wie hat sich die Clubszene der letzten zehn Jahre verändert?

Alles hat sich geändert. Es gibt mittlerweile so viele Clubs, tonnenweise Optionen, mehr Musik, mehr DJs, mehr Produzenten ... Auf der anderen Seite vermisse ich das "Avantgarde"-Gefühl dieser alten Tage – die Partys, die Musik, die Leute interessierten sich mehr für neue Möglichkeiten der Kommunikation und des Ausdrucks

Mitte März 2019 wird auf deinem Label Clash Lion deine neue EP „Stay Here“ erscheinen. Dieses Label ist eine Zusammenarbeit von den drei Künstlern TERR, Daniel Watts und dir. Beschreibe uns doch bitte in wenigen Worten, wie die Label-Arbeit zwischen euch aufgeteilt ist. Und welches musikalische Konzept verfolgt ihr eigentlich mit Clash Lion?

Wir sind drei Personen mit einem komplett unterschiedlichen Background und Ideen, aber irgendwie finden sich auch viele Denk- und Gefühlsaspekte, die wir miteinander teilen. Das Konzept hinter dem Label ist sehr flexibel. Wir sind nicht sehr auf einen Style fokussiert. Wir sind mehr daran interessiert, wie wir einen Track fühlen, welche Energie er versprüht und welche Geschichte dahinter steckt. Wenn wir den Track mögen und den Künstler dahinter natürlich auch, wird der Titel veröffentlicht, egal welches Musikgenre

Erzähle uns doch bitte ein wenig über deine EP. Welche Instrumente hast du hauptsächlich eingesetzt und welche Schlüsselelemente gibt es in den Songs? Wie lange hast du für diese EP benötigt?

Ich komponierte die EP in zwei verschiedenen Momenten. „Boreal's“ erste Demos stammen aus 2014. Die Bassline kommt von einem klassischen Roland SH-101. „Stay Here“ entstand 2018. Ich benutzte den Alesis Andromeda A6 für die Pads und den Access Virus Ti für die Bassline. Natürlich finden sich auch etliche andere Effektgeräte, Synthesizer und mehr in den Tracks. Aber die hier aufgeführten bilden die Hauptelemente.

Wie sieht denn so ein typischer Studiotag mit Shall Ocin aus?

Jeder Tag ist anders. Es gibt keine eingespielte Routine, aber ich arbeite eigentlich hauptsächlich nachts, wenn es keine E-Mails, Geräusche, Telefonklingeln gibt. So kann ich absolut relaxed jammen und die Ideen fließen lassen. Am Tag mache ich eigentlich eher den technischen Kram, Mixing, Detailarbeit und mehr ...  

Du arbeitest auch zusammen mit dem Musik-Mastermind Maceo Plex. Wie habt ihr euch kennengelernt? Was ist so speziell an Kollaborationen? Oder arbeitest du lieber alleine in deinem Studio? Welcher Synthesizer, Drum-Synth oder Effekt bildet die typische Signatur des Shall Ocin Sounds?

Wir sind schon eine lange Zeit befreundet, seitdem wir beide in Valencia in Spanien leben. Wir sind auch musikalisch sehr verbunden und wir interessieren uns beide sehr für Musik-Equipment, Audio-Zeugs und so weiter. Aus diesem Grund war es absolut einfach, eine Freundschaft zu schließen. Ich mag es eigentlich mit Leuten zusammenzuarbeiten, mit denen ich eine gute künstlerische Verbindung eingehen kann. Normalerweise arbeite ich aber alleine, obwohl in Zusammenarbeit oft gute Ideen entstehen. Wegen den Synths ...

Ich mag die Abwechslung sehr und das Ausprobieren von neuen Geräten. Der Korg MS-20 war in den Anfängen sehr wichtig für mich, aber das hat sich jetzt geändert ...

Ich nutze auch sehr oft mein Modular-System, Access Virus, SH-101...

Kannst du dich noch an deinen ersten Synthesizer oder Drum-Machine erinnern, mit dem du deinen ersten Track produziert hast? Welche Hard- und Software ist heute dein wichtigstes Tool?

Ich kreierte den ersten Titel mit Fruity Loops 2.5 auf einem alten PC. Damals hatte ich noch keine echte Hardware bis 2011. Wenn ich zwischen einer Software wählen müsste, wäre es auf jeden Fall Ableton Live. Das Arbeiten mit der DAW ist sehr schnell und intuitiv. Auf der Hardware-Seite ist es mein Modular-System. Damit kann ich komplett neue und unerwartete Sounds erstellen.  

Dein Studio ist vollgepackt mit Gear und Software. Wie siehst du die Diskussion „analog vs. digital“?

Ich bevorzuge analoge Hardware, aber es ist absolut möglich, auch etwas Gutes im Digitalen hinzubekommen. Es geht eigentlich vielmehr darum, wie man es bedient. Es ist schlecht, wenn du keinen guten Sound aus einem analogen Synth herausbekommst, aber es kann richtig gut klingen, wenn du deinen digitalen Synthesizer beherrschst. Am Ende sind die Ideen und die harte Arbeit ausschlaggebend

Hast du im Moment andere musikalische Projekte neben Shall Ocin laufen?

Nicht offiziell im Moment, aber ich arbeite schon eine Zeit an einem anderen Projekt, dessen Werke ich irgendwann in der Zukunft veröffentlichen werden. Es ist absolut anders und unterscheidet sich komplett von Shall Ocin.

Du tourst sehr viel und spielst in den unterschiedlichsten Locations. Welche Lokalität sollten wir uns nicht entgehen lassen? In welchem Club oder Festival hattest du die heftigste Gänsehaut? Warum?

Hier gibt es viele. Es ist sehr hart, eine zu wählen. Im Moment würde ich aber sagen BNP Outdoor in Cordoba (Argentinien) und Mandarine Park in Buenos Aires. Die Crowd ist unglaublich und sie haben einen einzigartigen Vibe.

Du magst es, als DJ auf der Bühne zu spielen. Was bevorzugst du: Live mit Instrumenten, mit USB-Sticks und CDJs oder mit Laptop und Audiointerface?

Im Moment spiele ich eigentlich nur DJ-Sets mit USB-Sticks und ab und zu mit externen Effektgeräten.  

Was sind deine fünf Hard- oder Software Favoriten im Studio? Und auf der Bühne?

Alesis Andromeda A6

Strymon Magneto

Make Noise 0 Coast

Avalon vt-747sp

Moogerfooger MF-108M

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