Gitarre Hersteller_Fender
Test
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21.05.2019

Praxis

Mit ihren ca. 3,3 kg hängt unsere Testkandidatin angenehm leicht und perfekt ausbalanciert am Gurt. Das Setup ab Werk ist absolut vorbildlich und erlaubt eine bequeme Bespielbarkeit. Klar, die kürzere Mensur in Verbindung mit dem relativ kleinen Korpus hat schon etwas eigenwilliges und braucht einen Moment Umgewöhnung. Mir persönlich fallen die Maße der Gitarre aber nach ein paar Minuten Einspielzeit nicht mehr allzu sehr auf.

Trocken angespielt gibt sich unser Testmodell etwas matter, als ich es von anderen Gitarren mit geschraubten Hälsen gewohnt bin. In der Tendenz könnte die Gitarre für mein Empfinden auch eine Spur offener und lebendiger schwingen. Die dünnen Saiten mit einer Stärke von .009 - .042 passen ansonsten sehr gut zu dem Instrument, weisen genug Spannung auf und intonieren daher auch bei härteren Anschlägen im Standard Tuning vergleichsweise gut. Auch der seidenmatte Hals mit seinen Jumbo-Bünden liegt toll in der Hand und dürfte Spielern mit schwitzigen Fingern absolut entgegenkommen.

Für den Testlauf stehen verschiedene Röhrenamps bereit, die alle über einen 1x 12 Celestion G12 Greenback-Speaker laufen, der mit einem SM57 mikrofoniert wird.
Das kalifornisch gefärbte Clean-Signal wird von meinem Ibanez TSA 15 produziert. Beginnend beim Hals-Pickup hören wir uns zunächst alle drei Pickup-Positionen an.

Auch diese Fender kann natürlich ihre Herkunft nicht verleugnen, tritt aber dennoch mit einer eigenen Note aufs Parkett. Dabei haben die insgesamt gut abgestimmten Pickups etwas weniger Output. Der leicht versetzte, schräg positionierte Hals-Pickup klingt im Detail vergleichsweise nicht so glockig wie bei einer Strat und hat auch nicht die direkte und ungeschliffene Note einer Telecaster. Besonders in der Mittelposition sind "twangende" Sounds aber durchaus realisierbar.

Hier ein Beispiel, bei dem ich das Signal stilecht mit etwas Kompression und Federhall angereichert habe.

Sehr gut gefällt mir die Ausrichtung der Pickups in Crunch- und Medium-Gain-Settings. Der im Sound typischerweise mittig klingende Steg-Pickup macht hier eine super Figur und auch der Hals-Pickup kann der Gitarre warme und smoothe Lead-Sounds entlocken.

Wir hören erst wieder alle drei Pickup-Einstellungen nacheinander. Danach gibt's ein Solobeispiel mit dem Hals-Pickup. Das Signal läuft jetzt über einen VOX AC 15, der schon etwas weiter aufgerissen ist.

Das traditionelle Tremolo der Gitarre sollte man typischerweise nicht überstrapazieren. Wie man in den vorangegangen Beispielen schon hören konnte, arbeitet es bei moderatem Einsatz aber recht stimmstabil.

Wir wechseln auf ein Marshall Mini Silver Jubilee Topteil, das schon einen deftigen Overdrive-Sound erzeugt. Auch hier fühlt sich die Gitarre wohl. Allerdings sollte man spätestens jetzt ein Noisegate im Gepäck haben. Für richtige High-Gain-Sounds ist die Singlecoil-Gitarre meiner Ansicht nach nicht die erste Wahl, was aber keinen Kritikpunkt darstellt, sondern in der Natur der Sache liegt. Auch wenn das Volume-Poti vielleicht eine Spur früher ansprechen könnte, lässt sich die Zerrintensität sehr schön abstimmen und auch die Höhen bleiben erhalten. So soll es sein! Wir hören dazu ein Beispiel mit dem Marshall. Ich habe den Steg-Pickup aktiviert.

Die Grease-Bucket-Schaltung überzeugt mich bei verzerrten Sounds absolut. Hier sind mit geschlossenem Tone-Poti sehr mittige und durchsetzungsfähige Sounds mit einem herrlichen Obertonspektrum realisierbar. Klar, der muffige Sound, den man auf Solidbody-Gitarren für Jazz-Spielweisen mit einer herkömmlichen Tonblende gern nutzt, ist dafür nicht an Bord, bei dieser Art von Gitarre aber wahrscheinlich auch meist nicht gefragt.


Wie schon erwähnt, sehe ich die dieses Modells vor allen Dingen in Crunch- und Medium-Gain-Gefilden gut aufgehoben, was sich nach einer kleinen Recording-Session zum abschließenden Alternative-Rock-Song auch noch einmal bestätigt. Dabei harmoniert der Charakter der Gitarre mit dieser Art von Musik besonders gut. Zum Einsatz kamen wieder der Vox und der Marshall sowie ein Hermida Zendrive vor dem Marshall. Den Roto-Vibe-Effekt im ersten Teil des Songs habe ich außerdem später in Logic hinzugemischt.

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