Hersteller_Electro-Harmonix
Test
7
02.06.2014

Praxis

So lange man die Filterregler der neuen Crossover-Sektion nicht anfasst, klingt die Deluxe-Ausführung des Bass Big Muff wie das beliebte Standard-Modell. Das wird keinen wundern, schließlich arbeiten in beiden Pedalen die gleichen Schaltungen und die Regler-Grundausstattung ist ebenfalls identisch. Stehen Blend- und Sustainregler auf 12 Uhr, produziert das Pedal einen griffigen, warmen und cremigen Fuzzsound mit einem mächtigen Fundament. Selbst, wenn ich den Sustainregler komplett aufdrehe, bleibt der Tiefenbereich mit dem per Blendregler beigefügten Clean-Sound total straff und fett. Der Sound hat Sustain ohne Ende und aus meinem Amp kommt wirklich eine brachiale Zerrsound-Wand. Bei niedrigeren Gain- oder Sustaineinstellungen reagiert der Muff sehr schön auf die Spieldynamik und klingt eher wie eine moderate Distortion, die den Sound rauer macht und anwärmt. Zwischen diesen beiden Extremen liegen naturgemäß unzählige Variationen, die per Tone-Regler schnell an die eigenen Klangvorstellung angepasst werden. 

Mit dem Blendregler findet man immer das richtige Verhältnis zwischen dem sauberen und dem verzerrten Signal, damit der Bass im jeweiligen Kontext gut funktioniert. Sein komplettes Klangpotential entfacht der Deluxe Bass Big Muff aber erst, wenn man die neue Crossover-Sektion einschaltet, denn mIt den Filtern lässt sich der Sound wesentlich drastischer und flexibler verändern als mit dem Tone-Regler. Auch hängt das Ergebnis sehr stark vom verwendeten Equipment ab, aber prinzipiell lässt sich mit dem Highpass-Poti im mittleren Bereich die Hochmittenabteilung sehr schön hervorheben und den Ton so aggressiver und direkter gestalten. Hat man den Sweetspot seiner Bassanlage gefunden, funktioniert es wirklich hervorragend. Wenn man den Filter weiter aufdreht und dem verzerrten Sound noch mehr tiefe Frequenzen wegnimmt, begibt man sich eher in experimentelle Gefilde, aber gerade im Zusammenspiel mit dem Lowpass-Filter entstehen super interessante Effektsounds mit Synth-Charakter. Da das Lowpass-Filter nur auf das unbearbeitete Basssignal wirkt, kann man aus dem Deluxe Muff auch ziemlich extreme Sounds ohne Verzerrung locken. Gerade die Sub-Bass-Sounds klingen großartig und bringen mit ihrer Tiefbassgewalt die Wände zum wackeln. Insgesamt ist die Crossover-Sektion ein tolles neues Feature mit unendlichen Klangmöglichkeiten. Außerdem bekommt man durch den gesonderten Fußtaster zur Aktivierung der Filter quasi einen zweiten Kanal mit einem drastisch anderen Klang. 

Als weitere große Neuerung hat EHX seiner Deluxe Big Muff Version ein Gate spendiert. Integrierte Gates sind ein heikles Thema, denn nicht selten ruinieren sie den Ton, sägen lang klingende Töne zu früh ab oder erzeugen Stotter-Sounds. EHX hat seine Hausaufgaben allerdings gemacht, denn das Gate im Big Muff arbeitet wirklich problemlos und eliminiert Geräusche zwischen den einzelnen Anschlägen zuverlässig und ohne unerwünschte Nebenwirkungen – ich bin durchaus beeindruckt!  

Für die Audiobeispiele habe ich einfach die vier Einstellungen verwendet, die EHX in der Bedienungsanleitung zum Einstieg vorschlägt und die einen ganz guten Eindruck der Klangmöglichkeiten des Pedals vermitteln. 

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