Fussmaschine_Pro_DW_MCD_Chain
Test
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17.11.2016

Praxis

Auch im Einsatz lassen die MCD Pedale kaum Wünsche offen 

Das Geständnis zuerst: ich gebe zu, dass mir die direkt getriebenen Versionen unserer heutigen Testkandidaten mechanisch zwar extrem gut gefallen, spielerisch bin ich im damaligen Test mit ihnen aber nicht so recht warm geworden. Umso begeisterter bin ich von den MCD-Pedalen. Hier wurde einfach an (fast) alles gedacht, was sich der Freund einer exzellenten Kettenfußmaschine so wünschen kann. Mit dem klitzekleinen Wermutstropfen fange ich trotzdem an, dann haben wir es hinter uns. Gleich an meiner ersten Test-Bassdrum können die Pedale nicht befestigt werden. Der Grund ist einfach: die alte 1966er Ludwig besitzt auch an den unteren beiden Spannböckchen große Flügelschrauben. Und die verhindern, dass die breiten Bodenplatten der DW Maschinen überhaupt den Spannreifen erreichen. Fans alter Schlagzeuge wären also in vielen Fällen gezwungen, diese beiden Schrauben gegen Modelle mit Vierkantkopf zu ersetzen, sofern sie die edlen DWs verwenden wollen. So, das war es mit dem Genörgel. Obwohl die Maschinen nach High Tech aussehen, funktioniert der Zusammenbau wie gewohnt. Sowohl an sehr dünnen als auch übermäßig dicken Spannreifen finden die Pedale Halt, das Klemmsystem funktioniert sehr überzeugend. Auch absichtlich seitlich montierte Bassdrums lassen die MCD Pedale nicht abheben. 

Die Laufeigenschaften sind herausragend

Schon der erste Check der Laufeigenschaften per Fingeranstoß gibt einen Ausblick auf das, was die Teile in der Praxis können. Zunächst einmal sind keine Geräusche zu vernehmen, die Pedale bleiben buchstäblich mucksmäuschenstill. Dass die Beater sehr lange ausschwingen, ist den engen Toleranzen und dementsprechend spielfrei zusammen arbeitenden Bauteilen zu verdanken. Am beeindruckendsten fällt allerdings der „Knicktest“ aus. Hierbei geht es darum, herauszufinden, wie es um die Übertragungseigenschaften der Kardanwelle bei Doppelpedalen bestellt ist. Stehen beide Pedale parallel, ist die Welle im Grunde nur eine Verlängerung der Achse des Slave-Pedals und beeinflusst dessen Laufeigenschaften nur durch ihr Eigengewicht. Beginnt man jedoch, den Winkel der Pedale zueinander zu vergrößern, beginnen die meisten Wellen irgendwann, die Kraftübertragung durch Reibung in den Gelenken zu behindern. Die meisten preisgünstigeren Maschinen sind dann beim 90 Grad-Winkel nicht mehr spielbar. Um es abzukürzen: das MCD Doppelpedal läuft selbst mit diesem krassen Knick in den Gelenken praktisch genau so, als würde sie gerade stehen. Erst der mechanische Anschlag bringt die Funktion zum Erliegen. Das ist beeindruckend und macht das Pedal nicht nur für Drummer interessant, die eben solch extreme Winkel der Trittflächen bevorzugen. 

Alle Einstellungen lassen sich schnell und praxisgerecht vornehmen

Im Spiel überzeugen die Pedale durch eine extrem flüssige und verlustfreie Übertragung der Kraft von den Füßen auf die Beater. Sie ähneln damit den bekannten 9000ern, fühlen sich aber noch etwas schneller und müheloser an, auch bei stärkeren Federeinstellungen. Nach den ersten Schlägen gehe ich nun daran, die Pedale zu „personalisieren“, wie es heutzutage so schön heißt. Zunächst verringere ich die Federspannung per Stimmschlüssel und freue mich, dass ich dafür nicht aufstehen, den Hocker zur Seite schieben und mich vor die Maschine knien muss, um dann beidhändig zwei Schrauben zu bedienen. Hier reicht der Stimmschlüssel, bei gelenkigen Drummern kann sogar der Fuß auf dem Pedal bleiben. Kaum minder bequem gehen auch die Veränderungen von Trittplatten- und Beater-Winkel vonstatten. Nach ein paar Stunden Unterricht und einer Probe komme ich zu dem Schluss, dass mir ein ganz bisschen „Bumms“ fehlt, ich schnappe mir also den Beutel mit den kleinen Messingzylindern, schraube die Beater-Köpfe ab und bestücke sie mit allen vier Gewichten. Und siehe da: die Erhöhung des Trägheitsmomentes bringt sofort den gewünschten Effekt. Es muss etwas mehr Kraft aufgewendet werden, das Pedal reagiert jetzt allerdings fast wie eine 5000er mit den schweren Standard DW-Beatern. Ob man das möchte, ist eine andere Frage, Tatsache ist, es geht. Das spannendste neue Feature habe ich allerdings noch gar nicht angefasst.

Klick, Klick: Gear Shift Time!

Endgültig zu einer Mischung aus MacBook und Revolver werden die Pedale durch die kleinen Wählscheiben zur Einstellung der Umlenkrolle. Das System funktioniert in der Praxis so gut wie es auf dem Papier aussieht. Wo man als Besitzer einer Pearl Eli oder einer 9000er zwar tolle Optionen hat, zum Abrufen dieser aber gezwungen ist, die Maschine abzubauen und daran rumzuschrauben und zu drücken, reicht bei den MCDs der Dreh an dem kleinen Alu-Pinökel, und schon ändert die Maschine ihre Antrittscharakteristik. Die Sache wirkt zudem stabil umgesetzt, aber wie sich die Konstruktion auf lange Sicht bewährt, kann dieser Test natürlich nicht klären. In der Summe kann ich allerdings sagen, dass mir noch keine Fußmaschine unter gekommen ist, die sich so variabel und gleichzeitig so benutzerfreundlich handhaben lässt. 

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