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07.08.2018

Drum-Programming Tutorial #2 - Kick 'n' Bass

Workshop: Das Zusammenspiel von Bassdrum und Bass

Weg mit den Scheuklappen!

Der wohl größte Fehler, den man beim Drum-Programming machen kann, ist, dabei den Rest des musikalischen Geschehens außer Acht zu lassen. Egal, wie toll ein Drum-Track in sich auch klingen mag, wenn er nicht mit dem Rest eines Arrangements Hand in Hand geht oder sogar dagegen arbeitet, dann wird sich das bemerkbar machen. „Weg mit den Scheuklappen!“ lautet also die Devise, wenn man richtig gute eigene Drums programmieren will.

Ein ganz wesentlicher Punkt beim Einbetten der Drums in ein Arrangement ist das Zusammenspiel zwischen Bassdrum und Bass. Dazu möchte ich in dieser Folge unserer Workshop-Reihe drei Konzepte vorstellen. Wer eigene Ideen hat, die damit nicht übereinstimmen, der sollte sich davon aber natürlich nicht abhalten lassen. Gut ist, was gut klingt!

Die Mutter aller Grooves

Egal ob Mainstream-Pop, Hip-Hop, Rock, EDM, Metal oder was auch immer – fast alle Drum-Grooves, die man im Alltag hört, lassen sich zumindest entfernt von ein und demselben Pattern ableiten: dem guten alten „Bumm-Tschack“. Eine Bassdrum auf „1“ und „3“ markiert die schweren Zählzeiten, während eine Snaredrum auf „2“ und „4“ den Backbeat bildet. Für den rhythmischen Fluss sorgt eine Hi-Hat, die konstant in Achtelnoten durchläuft.

Dieses Pattern funktioniert natürlich schon in dieser einfachen Form und ist so seit Jahrzehnten in Songs aus allen möglichen Genres zu hören. In den Audio-Beispielen wird es einmal von akustischen Drums (XLN Addictive Drums) und einem elektronischen Kit mit Samples der geschichtsträchtigen Roland TR-909 abgespielt (Native Instruments Battery 4).

Wenn es darum geht, dieses Basis-Pattern weiter auszuarbeiten, dann können alle drei Bestandteile, also Kick, Snare und Hi-Hat nach Lust und Laune variiert werden. Sich zum Einstieg auf die Bassdrum zu konzentrieren, macht aber Sinn, da entsprechende Figuren nicht nur besonders leicht zu programmieren sind, sondern auch in der Interaktion mit dem Bass wesentlich für das Feel eines Songs sind.

Beim Programmieren von Kick-Patterns gibt es keine prinzipiellen und wesentlichen Unterschiede zwischen akustischen und elektronischen Drums. In beiden Welten kann man mit der Bassdrum sehr viel anstellen, solange ein homogenes klangliches Fundament erhalten bleibt. Die Schläge auf den schweren Zählzeiten eines Patterns sollten also in etwa gleich laut sein. Und auch wenn einmal leisere, verzierende Schläge dabei sind, sollten diese in der Lautstärke nicht zu extrem abfallen. Dies sollte man zumindest als Faustregel beachten.

Bassdrum-Patterns – Konzept 1: Mit dem Bass

Ein gängiger Ansatz ist, die Bassdrum und den Bass beim Arrangieren wie ein einzelnes Instrument zu behandeln, bei dem die Bassdrum das perkussive Anschlagsgeräusch (bzw. den Punch oder Attack) und der Bass den tonalen Anteil bzw. das Sustain liefert. Wenn man dieses Konzept strikt umsetzt, dann spielen also beide Instrumente ausschließlich auf den gleichen Zählzeiten. Die nächsten Audios folgen diesem Ansatz auf unterschiedliche Arten. Im ersten Beispiel werden dem ursprünglichen „Bumm-Tschack“ einzelne Schläge auf der Bassdrum hinzugefügt, im zweiten Beispiel werden die bestehenden Schläge rhythmisch verschoben.

Der Ansatz, Bassdrum und Bass zu einem Instrument zu verschmelzen, muss natürlich nicht immer so kompromisslos befolgt werden, wie in den obigen Beispielen. Sehr oft hört man, dass die gemeinsamen Akzente von einem der beiden Instrumente umspielt werden. Im ersten der folgenden Beispiele wird diese Rolle vom Bass übernommen, während das Pattern der Drums unverändert bleibt. Im zweiten Beispiel werden den elektronischen Drums weitere Bassdrum-Schläge hinzugefügt, die sich diesmal auf der Basis von Sechzehntelnoten bewegen. Im Gegenzug bleibt der Bass unverändert.

Bassdrum-Patterns – Konzept 2: Der Fels in der Brandung

Bassdrum und Bass müssen nicht immer so fest umschlungen durchs Leben gehen wie im ersten Konzept. Einer der beiden Partner hat durchaus die Freiheit, einen kleinen Ego-Trip zu starten, solange der andere ihm den Platz dazu lässt und sich dabei mit einem zurückhaltenden, klaren und konstanten Pattern wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung verhält. Gleichzeitige Ego-Trips von beiden Instrumenten führen dagegen schnell zu musikalischem Chaos. Auch das kann manchmal erwünscht sein, um es zu erzeugen, muss man aber keinen Workshop auf bonedo lesen!

Bassdrum-Patterns – Konzept 3: Gegen den Bass

Wer hätte das gedacht! Wenn eine Bassdrum „mit dem Bass“ spielen kann, dann kann sie natürlich auch „gegen den Bass“ spielen. Dies kommt vor allem dann vor, wenn eine Bassline (z.B. gekoppelt mit einem Gitarren- oder Synth-Riff) einerseits rhythmisch komplex aufgebaut ist und andererseits mit längeren Pausen viel Platz im Taktgefüge lässt. In einem solchen Fall kann die Bassdrum diesen freien Platz auffüllen und sozusagen in einen Dialog mit dem Bass treten. Dass dabei trotzdem noch manche Schläge gemeinsam gespielt werden (vor allem die Zählzeit „1“), tut diesem Dialog-Charakter keinen Abbruch.

Zusammenfassung

Bassdrum und Bass stehen immer in einer direkten Beziehung zueinander. Sie können wie ein einzelnes Instrument behandelt werden, sich gegenseitig umspielen und verzieren, sich gegenseitig Platz lassen oder auch in einen Dialog miteinander treten und sich ergänzen. Je nach Song oder Musikstil wird man immer zu einem schlüssigen Ergebnis kommen, wenn man einem dieser Konzepte folgt – und natürlich lassen sie sich in größeren Groove- oder Song-Strukturen oder sogar innerhalb eines Patterns kombinieren. Auf die Dynamik sollte man vor allem bei schnellen Schlagfolgen achten, da sich hier sonst ein maschineller Effekt einstellen kann, der vor allem bei der Arbeit mit akustischen Drums in der Regel nicht erwünscht ist.

Hier findet ihr die wichtigsten DAWs CubaseStudio OneLivePro Tools sowie NI Komplete 11Toontrack Superior Drummer 3Fxpansion BFD 3 bei Thomann.de.

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