Gitarre
Test
1
06.01.2015

Driftwood Purple Nightmare Test

E-Gitarren Topteil

Zerr-emonienmeister

Das Driftwood Purple Nightmare E-Gitarren Topteil reiht sich ein in die Galerie von Röhrenamps Made in Germany, denn die sind nicht erst seit gestern angesagt. Verstärker von Engl und Diezel sind weltweit auf den Bühnen zu sehen, Bogner hat ebenfalls deutsche Wurzeln, im Saarland sitzt Hughes & Kettner und aus Bautzen kommt ein weiterer Hersteller, der sich der härteren Metallverarbeitung verschrieben hat. Das rustikale Motto "Ohrenbluten dank echter Handarbeit" ist auf der Website von Driftwood zu finden und weist recht deutlich den Weg zur Firmenphilosophie.

Mastermind des kleinen Betriebes ist Marek Drozdowski. der uns freundlicherweise einen 100 Watt starken Purple Nightmare zur Verfügung gestellt hat, handgefertigt in Deutschland mit viel Liebe zum Detail. Was der Alptraum in Lila so alles auf und im Kasten hat, erfahrt ihr im folgenden Test.

Details

 Gehäuse/Optik

Das Gehäuse des Heads besteht aus 18 mm starkem Birke Multiplex. Unser Topteil kommt im lila Tolex-Dress und Metallschonern an allen Ecken. An der Vorderseite strahlt uns ein beigefarbener Frontbezug entgegen, der von weißem Keder umrahmt wird. Driftwood bietet aber ohne Aufpreis (!) auch andere Designs. Im Customizing-Shop der Website stehen diverse Tolex- und Frontgrill-Varianten zur Auswahl, selbst die Farbe der Kontroll-LED auf dem Frontpanel ist nicht festgelegt. Was seine Konstruktion anbelangt, kommt der Purple Nightmare in traditioneller Optik mit dem Bedienfeld in der unteren Hälfte der Front, der Amp steht stabil auf vier großen Gummifüßen und lässt sich gut ausbalanciert mit dem Griff auf der Oberseite tragen. Er hat einige Pfunde auf den Rippen - klar, pure Röhrentechnologie mit dicken Ausgangstrafos hat nun mal ihr Gewicht und das schlägt bei unserem Kandidaten mit 20 kg zu Buche. Aber dazu trägt auch die Qualität der Bauteile bei, auf die Marek Drozdowski sehr viel Wert legt. So werden zum Beispiel die Trafos von einem deutschen Unternehmen per Hand gewickelt, jeder kommt mit einem Messprotokoll und 10-Jähriger Garantie. Auch die Röhren sind handselektiert. Bei unserem Testmodell glühen ECC83 von JJ, Electro Harmonix und eine weitere nicht näher definierte E83CC in der Vorstufe. In der Endstufe arbeitet eine Kombination aus KT88 und 6L6 von JJ. Man kann auch hier bei der Bestellung zwischen den gängigen Typen im Endstufenbereich wählen. Auch der Effektloop ist mit einer Röhrenschaltung versehen. Die Einstellung des Bias übernimmt beim Purple Nightmare der Besitzer im Fall des Falles selbst. Per Schlitzschraubenzieher werden die Werte von V6 & V9 und V7 & V8 auf der Rückseite justiert.

Bedienfeld

Auf dem schwarzen Frontpanel findet man alle Regel- und Schaltmöglichkeiten, und da gibt es einiges zu vermelden. Der Amp ist ein reinrassiger Zweikanaler mit komplett getrennter Klangregelung. Somit stehen für jeden Kanal Gain, Volume, Treble, Middle und Bass zur Verfügung, die hier übereinander angeordnet sind. Jeder Kanal hat zwei unterschiedliche Sound-Modi. Im Clean Channel wird zwischen Normal und Bright umgeschaltet, im Zerrkanal zwischen Low Gain und High Gain. Eine LED zeigt den jeweils aktiven Kanal an. In der Endstufen-Sektion warten zwei Master-Regler, wobei Master 2 für die Solo-Lautstärke benutzt werden kann. Außerdem besteht die Möglichkeit, den Bassbereich (Rumble) und die Höhen (Sharp) einzustellen. Das sind alle bis auf die drei Regler neben der Eingangsbuchse auf der rechten Seite mit den Beschriftungen Volume, Tone und Gain. Diese Kombination ist sehr vertraut, allerdings eher von Zerrgeneratoren in Pedalform. Aber genau das hat Marek Drozdowski hier eingebaut. Weil viele Gitarristen gerne einen Tube Screamer vor einen mehr oder weniger verzerrten Amp als Booster schalten, hat er seine Tube Screamer Version (T/S) gleich im Amp integriert, die auch in unterschiedlichen Konstellationen verschaltet werden kann.

Rückseite

Neben den üblichen und notwendigen Anschlüssen findet man auf der Rückseite einige Ideen, die nicht jeder Amp-Hersteller in seinem Programm hat. Ganz links die zwei Anschlüsse (Parallel Out) für die Lautsprecherboxen und daneben ein Chickenhead-Schalter für die Wahl der Impedanz, die zwischen 16, 8 und 4 Ohm einstellbar ist. Dann die Multipin-Buchse für den Fußschalter, die den hauseigenen Fünffach-Schalter (nicht im Lieferumfang, aber empfehlenswert!) mit dem Amp verbindet. Mit ihm lassen sich die Kanalumschaltung, Master 1/2, Loop, T/S und Mute fernbedienen. Die Mute-Funktion schaltet den Amp übrigens komplett stumm. Zusätzlich besteht aber auch die Möglichkeit, diese fünf Funktionen einzeln zu schalten, und zwar über die danebenliegenden entsprechenden Klinkenbuchsen. Das wäre zum Beispiel dann angesagt, wenn man den Amp mit einem Multieffekt mit Schaltfunktion oder einem externen Switcher ansteuern möchte. Optional lässt sich der Purple Nightmare seit neuestem auch auf volles MIDI-Switching aufrüsten, dabei kann sogar der Zerr-Mode in Channel 2 ferngesteuert werden. Wer den T/S (Overdrive) oder den Effektloop (seriell) permanent einem Kanal zuordnen möchte, erledigt dies mit den beiden Assignment-Schaltern. Neben dieser Zuordnung lassen sich die beiden auch auf Master 2 schalten oder permanent aktivieren. Folgendes Szenario wäre so beispielsweise möglich: Man hat ein Delay oder Reverb-Pedal, das man nur für Leadsounds benutzen möchte. Das Pedal wird auf den Amp gelegt, bleibt eingeschaltet, und der Loop wird dem Master 2 (Leadsound mit höherer Lautstärke) zugeordnet. Sobald Master 2 an der Reihe ist, ist der Effekt, egal welcher Kanal gewählt ist, ebenfalls aktiv. Damit man nicht noch eine zusätzliche Stromversorgung für das Pedal benötigt, gibt es am Amp einen 9 Volt DC Ausgang, der bis zu 1000 mA Strom liefert. Und wer sein Stimmgerät anschließen möchte, findet auch einen Tuner-Out.

Die Konzeption ist tatsächlich sehr praxisorientiert, man merkt, dass der Entwickler nicht nur in seinem Kämmerlein bastelt, sondern aktiv im Rock´n´Roll-Geschehen zu Hause ist. Und auch für den Gitarristen, der entspannt zu später Stunde im heimischen Wohnzimmer spielen möchte, gibt es ein sinnvolles Feature. Der Purple Nightmare hat ganz links auf der Rückseite einen sogenannten Night Switch, der die Röhrenendstufe komplett abschaltet und eine zwei Watt starke Mosfet-Endstufe zum Einsatz bringt. Mit ihr kann in Zimmerlautstärke mit High-Gain-Sounds gerockt werden.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

VOX AC30S1 Test

Der Vox AC30S1 hat als Einkanaler und mit nur einem Speaker höchstens gewichtsmäßig abgespeckt: Ansonsten bleibt er ab dem ersten Ton ein echter AC30.

Rocktron Valvesonic Plexi Test

Der Rocktron Valvesonic Plexi bietet im Rackgehäuse die historischen Plexi-Klänge der 80er und 90er und jede Menge Eingriffsmöglichkeiten in den Kultsound.

Vox MV50 Boutique Test

Das Vox MV50 Boutique-Topteil ist kompakt, leicht, robust und laut, und sein Sound entstammt einer neuartigen Röhrenvariante. Der Beginn einer neuen Ära?

Seymour Duncan Power Stage 700 Test

Die Seymour Duncan Power Stage 700 hat den Anspruch, das Pedalboard zu verstärken und den Gitarrenamp zu ersetzen, oder die Stimme für Amp-Modeler zu sein.

User Kommentare