Gitarre GuitarFX_Reihenfolge Workshop_Thema
Workshop
1
24.05.2016

Die optimale Effekt Reihenfolge - Gitarreneffekte Workshop

Gitarreneffektpedale optimal verschalten

Der Weg ist das Ziel

Wenn man Effektpedale hintereinander schaltet, hat die Reihenfolge der Effektgeräte einen unmittelbaren Einfluss auf die klangliche Ausbeute. Möchte man das Optimum aus seinem Setup herauskitzeln, sind also ein paar kleine Regeln zu beachten, was Reihenfolge und Anordnung der Guitar FX betrifft. Man sollte auf keinen Fall die Pedale wahllos hintereinander schalten, sondern eine gewisse Ordnung beibehalten, um den bestmöglichen Sound zu erreichen. Dafür gibt es eine gewisse Grundstruktur, wie Pedale verschaltet werden sollten. Andererseits ist das Ganze natürlich nicht in Stein gemeißelt, man kann auch Pedale, zum Beispiel den Equalizer, an unterschiedlichen Positionen einsetzen um bestimmte Soundergebnisse zu erzielen. Die Standard-Aufstellung für verschiedene Einsätze sowie diverse Tipps und Tricks zur alternativen Verschaltung der Effektpedale erfahrt ihr hier in diesem Workshop.

Bevor wir uns den detaillierten Erläuterungen und Audiobeispielen widmen, hier erst mal die Aufstellungen der einzelnen Mannschaften.

HINWEIS: Die beiden nachfolgenden Bilder sind für das Verständnis der im Workshop vorgestellten Setups sehr wichtigt, da ich immer wieder Bezug auf die einzelnen Komponenten (und deren Numerierungen in den Bildern) nehme. Deshalb haben wir euch das Ganze unter der Bildergalerie auch noch einmal als PDF zum Ausdrucken hinterlegt. Das macht die Sache praktikabler!

Pitch Shift Effekte

Effekte mit Tonhöhenverschiebung platziere ich an zwei Stellen innerhalb meines Setups. Das Whammy Pedal sollte recht weit nach vorne. Ein Harmonizer, der für mehrstimmige Sounds zuständig ist, macht hinter der Zerreinheit die beste Figur. Beim Octaver ist das so eine Sache und variiert je nach Pedal. Meistens findet er seinen Platz am Anfang (2), manchmal aber auch hinter der Verzerrung (7). Ausprobieren!

Noise-Gate

Das Noise-Gate habe ich bewusst nicht mit in die Reihenfolge genommen, es ist ja eigentlich auch kein Effekt und außerdem gibt es auch hier zwei Möglichkeiten, das Ganze zu positionieren.

Pre Distortion

Zum einen könnte man das Gate direkt an den Anfang noch vor das Wah-Pedal (1) setzen. Dadurch reagiert das Gate auf die Toneingabe der Gitarre. Wenn gespielt wird, ist es offen, findet keine Toneingabe statt, ist Ruhe.

Post Distortion

Das größere Problem, das mit Hilfe eines Noise-Gates gelöst werden soll, stellen aber meistens die rauschenden Zerrgeneratoren dar. Vor allem braut sich im Laufe einer Signalkette einiges zusammen. Overdrive, Kompressoren und die Vorstufe des Amps sind klare Spitzenreiter, wenn es um unangenehme Geräusche geht. Daher wird von vielen Gitarristen die Post Distortion Variante bevorzugt, bei der man das Gate hinter die Distortion-Pedale (5) oder die Amp-Vorstufe (5a) schaltet, um das Rauschen so direkt zu unterdrücken. Es gibt auch Noise-Gates mit zwei Schaltkreisen (z.B. ISP Decimator II, ISP Decimator Rack). Hier kann man ein Gate am Anfang platzieren und das andere hinter die Zerr-Einheiten setzen. Auf keinen Fall sollte ein Noise-Gate ganz am Ende der Kette sitzen, denn so würden Hall oder Echo-Wiederholungen unnatürlich abgeschnitten. Das Noise-Gate sollte also auf jeden Fall immer spätestens vor Delay und Reverb seinen Job verrichten.

Equalizer

Auch beim Einsatz eines Equalizers stehen zwei Positionen innerhalb der Signalkette zur Wahl. Und auch hier geht es wieder darum, das Gerät vor oder hinter die Zerreinheit zu schalten, denn die Einstellungen haben dadurch unterschiedliche Auswirkungen auf den Sound. Einige Gitarristen nutzen beide Varianten und haben deshalb gleich zwei EQs im Einsatz.

Pre Distortion EQ

Setzt man den EQ vor den Verzerrer, hat seine Einstellung Auswirkung auf das Zerrverhalten. Logisch, denn der Equalizer hebt oder senkt den Pegel in einem gewissen Frequenzbereich. Bei Anhebung fährt dieser Bereich die Vorstufe oder den Overdrive/Distortion heißer an und schon zerrt es etwas mehr. Wer den EQ vor die Zerreinheit schaltet, sollte auf jeden Fall mit Frequenzanhebung arbeiten.

Im folgenden Beispiel hört hier zuerst nur den Overdrive.

Jetzt kommt das Ganze mit einem vorgeschalteten EQ, bei dem der Mittenbereich (800 Hz, 1.6 kHz) angehoben wurde.

Post Distortion EQ

Diese Position (6) hat keine Auswirkung auf den Zerrgrad. Hier kann der verzerrte Sound entsprechend modelliert werden. Wer zum Beispiel einen Mid-Scoop Sound mit hohem Zerrgrad erzeugen möchte, der sollte auf jeden Fall den EQ hinter die Zerreinheit schalten. Würde man die Mitten absenken und den EQ vor den Distortion setzen, würde dadurch auch der Zerrgrad abgesenkt. Und das sollte ja dann nicht sein.

Hier kommt ein Beispiel, was ein falsch positionierter EQ mit Mid Scoop Einstellung anrichten kann. Ich habe einen grafischen Equalizer mit abgesenktem Mittenbereich (V-Kurve) einmal vor und dann hinter ein Distortion-Pedal geschaltet. Zuerst hört ihr nur das Zerrpedal.

Jetzt kommt das EQ-Pedal vor den Verzerrer und durch die reduzierten Mitten saugt es quasi den Zerrgrad heraus.

Wenn der EQ hinter das Zerrpedal geschaltet ist, erhalten wir den gewünschten Effekt: die Mitten werden abgesenkt, der Zerrgrad bleibt beibehalten.

Volume-Pedal

Das Volume-Pedal habe ich bewusst nicht mit einbezogen. Streng genommen ist es kein Effekt und außerdem stehen hier mehrere Möglichkeiten zur Auswahl, abhängig davon, wie es eingesetzt werden soll.

Pre Distortion

Wenn ein Volume-Pedal vor die Zerreinheit geschaltet wird, hat dieses Einfluss auf das Zerrverhalten. Prinzipiell arbeitet es dann wie das Volume-Poti an der Gitarre, mit dem man den Klang durch Zurückdrehen entzerren kann. Wer das gerne mit dem Fuß erledigt, sollte das Volume-Pedal vor die Overdrive/Distortion-Einheit (5), bzw. Amp-Vorstufe (5a) schalten. Ihr hört nun ein vorgeschaltetes Volume-Pedal, das im Laufe des Riffs langsam durchgetreten wird.

Post Distortion

Sitzt das Volume-Pedal hinter dem Zerrblock, ist man etwas flexibler und das Volume-Pedal fungiert als Master-Volume, hat also keinen Einfluss auf den Zerrgrad und lässt Delay oder Hallfahnen natürlich ausklingen. Wer einen Amp mit Effektloop benutzt, sollte darauf achten, dass der Loop seriell ist bzw. der Effektanteil auf Maximum steht. Bei einem parallelen Effektweg wird bei zurückgenommenem Volume-Pedal immer noch Signal an die Endstufe geschickt. Der Vorteil dieser Positionierung (hinter der Distortion-Einheit (5) bzw. Amp-Vorstufe (5b)) ist, dass man die Verzerrung mit dem Volume-Poti an der Gitarre beeinflussen kann und die Gesamtlautstärke ohne Einfluss auf den Zerrgrad mit dem Fuß bedient. Im folgenden Beispiel hört ihr ein Fade-In mit dem Volume-Pedal, das zwischen Overdrive und Delay geschaltet ist. Die Echos werden nicht abgeschnitten, wenn ich direkt nach dem Einblenden wieder mit dem Pedal zurückgehe.

So würde das gleiche Beispiel klingen, wenn das Volume-Pedal am Ende der Kette, also hinter dem Delay geschaltet ist.

Post Effects

Wie man hören konnte, geht nichts mehr durch, wenn das Pedal oben ist. Das ist sozusagen die Mega-Master-Volume Position, die Position der absoluten Macht. Hallfahnen oder Echowiederholungen werde hier gnadenlos vom Pedal gekappt. Wer im Metal-Bereich unterwegs ist, der wird diese Variante wählen, weil man das Signal für harte Stopps so komplett stummschalten kann.

Wohin mit dem Tuner

Der Tuner ist natürlich am sinnvollsten am Beginn der Signalkette positioniert, damit er eine optimale Tonerkennung hat und nicht durch irgendwelche modulierten Sounds das falsche Ergebnis anzeigt. Allerdings saugen manche Tuner-Pedale aber auch im ausgeschalteten Zustand einiges an Signal. Wer eine optimale Klangqualität erhalten möchte, der kann einen AB Loop-Schalter benutzen, bei dem das Signal direkt hinter der Gitarre gesplittet wird und dann wahlweise zu den Effekten oder zum Tuner geht.

Allerdings sollte der AB-Switcher eine gute Klangübertragung haben - denn sonst macht das Ganze ja keinen Sinn.

Testbericht AB-Switcher

Eine andere Möglichkeit gibt es für Nutzer von Volume-Pedalen. Diese haben nämlich meistens einen parallel geschalteten Tuner-Ausgang, an den sich das Stimmgerät anschließen lässt und der auch bei zurückgenommenem Pedal noch aktiv ist, sodass man geräuschlos stimmen kann. Auf diese Weise ist der Tuner aus dem direkten Signalweg. Allerdings solltet ihr dabei darauf achten, dass keine vorgeschalteten Pedale aktiviert sind und die Tonerkennung erschweren.

Ausnahmen bestätigen die Regel…

Wenn ihr eure Pedale nach diesen Vorgaben schaltet, dann sollte nichts schiefgehen. Es gibt aber auch noch ein paar Ausnahmen.

Wah Pedal nach Fuzz

In der Regel setzt man das Wah an den Anfang der Kette. Aber in Kombination mit manchen Fuzz-Effekten funktioniert das leider nicht richtig. Hier ist ein Beispiel mit einem Cry Baby und Dunlop Fuzz Face. Ihr hört zuerst das Fuzz Face allein.

Jetzt kommt die "ordentliche" Verschaltung, zuerst Wah, dann Fuzz Face. Der Wah-Effekt ist eigentlich nicht richtig zu hören, obwohl ich das Pedal permanent über den kompletten Weg bewege. Man hört nur einen harten Treble-Boost, und das ist hierbei noch harmlos. In manchen Kombinationen wird sogar ein stark oszillierender Ton erzeugt.

Im nächsten Beispiel habe ich das Wah-Pedal hinter das Fuzz Face geschaltet und die Welt ist in Ordnung.

Dieses Problem beim Verschalten von Fuzz und Wah tritt auf, weil Ausgangs- und Eingangsimpedanz von Wah und Fuzz zu unterschiedlich sind. Hendrix hat angeblich ganz lange Kabel zwischen Wah und Fuzz benutzt, um dem Problem zu begegnen. Es gibt aber auch Fotos, auf denen er das Wah hinter das Fuzz geschaltet hat. Eine weitere Möglichkeit, eventuellen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, wenn man unbedingt das Wah vor das Fuzz schalten möchte, ist, einen Buffer-Amp zwischen beide zu schalten. Aber auch hierbei gibt es keine Gewährleistung. Manche Fuzz-Pedale reagieren da gar nicht gut. Die wollen halt immer in der ersten Reihe sitzen. Auf jeden Fall solltet ihr mit diesen Konstellationen experimentieren - und nicht etwa denken, dass euer Wah-Pedal oder das Fuzz defekt ist.

Delay vor der Amp-Vorstufe (Overdrive)

In den 50er und 60er Jahren gab es keine Amps mit Effekt-Einschleifweg, und wer ein Delay für den authentischen Slapback Echo Rock´n´Roll-Sound benutzt hat, der musste das Teil vor den Verstärker schalten. Die Amps waren damals bekanntermaßen nicht mit hohen Zerrgraden gesegnet, daher führte diese Art der Verschaltung zu einem recht dreckigen Sound, zumal manche Echo-Geräte den Pegel angehoben haben und die Amps gerade dadurch erst zu zerren anfingen. Für diese amtlichen Rockabilly-Sounds kann man das Delay oder auch den Hall gerne vor die Zerreinheit schalten, sofern der Zerrsound nicht zu viel Gain im Gepäck hat.

Phaser oder Flanger vor der Amp-Vorstufe (Overdrive)

Manche Phaser oder auch Flanger-Pedale heben durch ihr Modulationsverhalten den Pegel an. Dadurch kann unter Umständen ein interessanter Zerrsound erzeugt werden, wenn man diese Effekte auch mal vor die Amp-Vorstufe bzw. das Overdrive/Distortion-Pedal schaltet. Hier möchte ich ebenfalls zum Experimentieren auffordern.

Das war´s erst mal mit der Tretminenanordnung. Viel Spaß beim Pedalstepptanz!

Thomas Dill

Weitere Informationen und Artikel zu Gitarren Effektgeräten findest du in unserer Themenwelt Effektgeräte

Verwandte Artikel

Vergleichstest Wah-Wah Pedale

Wah-Wah Pedale gibt es wie den sprichwörtlichen Sand am Meer. Wir haben für euch 30 Exemplare aufgefegt und intensiv getestet.

Vergleichstest Modulationseffekte

Modulations Effektpedal Vergleich: Mit 101 Vertretern aus den Bereichen Chorus, Flanger, Phaser und Co. ist das Starterfeld unseres Testmarathons üppig besetzt. Und das Line-Up wird ständig erweitert! Go!

User Kommentare