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09.11.2021

Die besten Online-DAWs

… und Tools für die Kollaboration.

Mucke machen aus dem Home-Office: Websites und Programme für virtuell Recording-Sessions

Dieser Text ist für alle Musiker, die auch im Urlaub nicht ohne ihre Band auskommen, für alle, die ihre Heimat auf Zeit verlassen und den Proberaum somit um eine schwitzende Person erleichtert haben. Doch auch alle anderen, die Bock haben, mit ihren musikalischen Verbündeten aus dem Home-Office virtuell an neuen Songs zu tüfteln, sollten jetzt weiterlesen.

In diesem Artikel zeigen wir euch DAWs, die dank Cloud- und Collaborations-Features auch online funktionieren, spannende Browseranwendungen mit ziemlich coolen Features zum Online-Musik-Fabrizieren sowie Tools, mit denen gemeinsam an Projekten gewerkelt werden kann. Auch für den Austausch großer Datenmengen haben wir einen Geheimtipp parat – let‘s go!

Audiotool – Kostenloses Arbeitstier

Die erste von uns vorgestellte Online-DAW ist kostenlos und üppig ausgestattet: Audiotool  heißt sie. Besonders EDM-Künstler dürften hiermit aufgrund der virtuellen Instrumente und Samples glücklich werden. Registrieren könnt ihr euch ganz einfach über euren Facebook-Account. Eine Zusammenarbeit mit anderen Musikern ist selbstverständlich auch möglich. Kabelverbindungen lassen sich übrigens genau wie im richtigen Studio ganz einfach mit der Maus routen.

Effekte, Samples und Klangerzeuger sind kostenlos und werden einfach per Drag-and-drop ins Hauptfenster gezogen. Zusätzlich gibt es noch Fenster für den Sequenzer, die Piano-Roll für MIDI-Spuren sowie altbekannte Werkzeuge wie Stift und Papier, äh, Schere natürlich. Fertige musikalische Ergüsse können problemlos auf der Audio-Tool-Website veröffentlicht werden.

Website: https://www.audiotool.com/

  • Pro
  • kostenlos
  • 6 virtuelle Instrumente integriert
  • cloud-basierte Library mit über 250.000 Samples
  • intuitiver Workflow durch Drag-and-Drop
  • Contra
  • schlechte Auflösung der Nutzeroberfläche

Bandlab – Urgroßvater der Online-DAWs

Eine Online-DAW mit eigener Hardware? Klingt krass – und das ist es auch. Mit der Bandlab-Link-Serie stellt der Websitebetreiber eigens entwickelte Audio-Interfaces bereit, die zu einem Preis zwischen 29 und 79 Euro zu haben sind. Natürlich könnt ihr auch alle anderen Wandler für das Recording mit der Online-DAW nutzen. 

Über Bandlab könnt ihr integrierte Effekte und Instrumente verwenden, eine eigene Mastering-Funktion auf euren Mix klatschen und über den Browser mit anderen Musikern zusammenarbeiten. Und dabei seid ihr noch nicht einmal auf euren Rechner beschränkt. Auch Tablets und Smartphones könnt ihr problemlos mit Bandlab nutzen. Über den verfügbaren Shop lässt sich eure produzierte Musik easy weiterverkaufen.

Website: https://www.bandlab.com/  

  • Pro
  • kostenlos
  • integrierte Effekte & virtuelle Instrumente
  • auch mobil via Smartphone- & Tablet-App nutzbar
  • Contra
  • kein Contra

Soundation – Recording-Software mit Multiplayer-Mode

Je nach Preismodell können Anwender von Soundation auf bis zu 14 Effekte, vier Sample-Player, fünf Synthies sowie unzählige Loops und Samples zugreifen. Natürlich gibt es auch eine kostenlose Version, die jedoch mit ein paar Einschränkungen daherkommt. Nutzer der Vollversion können beispielsweise Hardware wie MIDI-Controller oder Audio-Interfaces verwenden. Das geht in der „Free-Variante“ leider nicht. Bis zu zehn Musiker können in einer Session herumwursteln. In Soundation heißt das übrigens Multiplayer-Mode.

Website: www.soundation.com

  • Pro
  • Integrierte Effekte & Instrumente
  • kostenlose Variante nutzbar
  • integrierter Shop
  • Contra
  • zu große Sprünge bei der Preisstaffelung

Soundtrap – online mit Auto-Tune

Was ist eines der meistgenutzten und gleichzeitig meistgehassten Effekt-Plugins aller Zeiten? Genau, Auto-Tune! Soundtrap verfügt als einzige Online-DAW, die uns bekannt ist, über eine eigene Version von Antares Auto-Tune. Ob das jetzt für oder gegen die Online-DAW spricht, sei hier anderen Richtern überlassen.

Zudem zeigt sich Soundtrap recht anwenderfreundlich, da es egal ist, ob Nutzer über einen Rechner, ein Tablet oder ein Smartphone musizieren. Instrumente lassen sich direkt in die DAW aufnehmen, Automationen schreiben sich kinderleicht von der Hand und auch das Zusammenarbeiten mit anderen Musikschaffenden ist möglich. Über 4.000 Loops und Presets sowie virtuelle Instrumente stehen Anwendern bereit. Preislich sollten Interessierte rund 8 Euro im Monat locker haben.

Website: https://www.soundtrap.com/

  • Pro
  • kostenlose Version verfügbar
  • integriertes Auto-Tune
  • auch mobil via Smartphone- & Tablet-App nutzbar
  • Contra
  • Complete-Version zu teuer

Avid Cloud Collaboration – auf Wolke Avid

Mit Avid Cloud Collaboration fühlt sich das Musikproduzieren wie Fliegen an – ok, vielleicht nicht ganz, aber es gibt durchaus Parallelen. So lassen sich Entfernungen schnell zurücklegen – zumindest, was den Datentransfer angeht. Die Cloud-Collaboration-Funktion kann nur mit Pro Tools genutzt werden und lässt sich dort im Programmmenü aufrufen. Nutzer anderer Software dürfen nicht mitfliegen.

Ob ihr Pro-Tools als Standard- oder Ultimate-Version auf eurem Rechner nutzt, ist unerheblich. Bandkollegen mit klammen Geldbeuteln und ohne eigene Pro-Tools-Version können übrigens auch auf das kostenlose Pro-Tools-First zurückgreifen, sie können Kollaborationsprojekten dann allerdings nur beitreten. Wer auch eigene Sessions erstellen möchte, muss eines der kostenpflichtigen Abo-Modelle wählen.

Dank der Wolke könnt ihr MIDI- und Audiospuren teilen sowie bearbeiten und außerdem Projektfiles synchronisiert austauschen. Kontakt mit euren Mitmusikern könnt ihr über einen eigenen Chat aufnehmen, der jedoch nicht über eine Video-Funktion verfügt. 1 GB Speicherplatz gibt es kostenlos, mehr Speicher stellen verschiedene Abo-Modelle bereit.

Website: https://www.avid.com/de/pro-tools/cloud-collaboration 

  • Pro
  • kann einfach über das Programm-Menü in Pro Tools aufgerufen werden
  • 1 GB virtueller Speicherplatz ist kostenlos
  • Contra
  • nur mit Pro Tools nutzbar

Steinberg VST Transit – Ab in die Cloud

Mit VST Transit bietet Steinberg einen eigenen Cloud-Collaboration-Service an. So könnt ihr virtuell mit Musikern und Produzenten in Kontakt treten und gemeinsam in der Wolke an Projekten schrauben. Audio- und MIDI-Files werden in einem Cloud-Speicher verwaltet. Da das Ganze nicht in Echtzeit stattfindet, müssen Nutzer Songprojekte erstellen oder an bestehenden Projekten teilnehmen. 

Mit VST Transit Go könnt ihr auch euer iPad für die Anwendung nutzen. Das Ganze funktioniert dank VST Transit Join übrigens DAW-unabhängig. Bis zu 750 MB Speicher und 1.5 GB Download-Traffic können kostenlos genutzt werden – mehr Speicher steht in der kostenpflichtigen Premiumvariante bereit.  

Website: https://www.steinberg.net/de/vst-transit/ 

  • Pro
  • DAW-unabhängig
  • integrierter Cloudspeicher
  • auch via iPad nutzbar
  • Contra
  • kein Contra

Steinberg VST Connect – das Bindeglied

Programm Nummer zwei aus dem Hause Steinberg ist eine Echtzeit-Remote-Recording-Lösung, die es euch erlaubt, mit euren Bandkollegen Aufnahmen für eure nächste Platte zu realisieren – egal wo auf der Welt sich die anderen gerade bewegen. Der „Leiter“ der Recording-Session braucht entweder eine Vollversion von Steinberg Nuendo (ab Version 8) oder Steinberg Cubase Pro (ab Version 9.5).

Bei beiden Programmen ist VST Connect in einer abgespeckten SE-Version im Lieferumfang enthalten. Hier können im Vergleich zur kostenpflichtigen Variante (199 Euro) keine verschlüsselten Übertragungen realisiert werden. Zudem erlaubt es euch die Vollversion, mehr Spuren gleichzeitig aufzunehmen (16 Tracks) und MIDI-Daten auszutauschen. Die „aufgenommenen“ Musiker benötigen übrigens lediglich die kostenlose Anwendung VST Connect Performer, um ihre Parts einzuspielen. Ein eigener Videochat sorgt für eine Kommunikation wie im Studio. Der Monitor ist praktisch die Scheibe hinter dem Mischpult.

Website: https://www.steinberg.net/de/vst-connect/ 

  • Pro
  • perfekte Integration in Steinberg Cubase
  • Video-Chat verfügbar
  • verschlüsselte Übertragung (Pro-Version)
  • Contra
  • kostenpflichtige Version recht teuer

WeTransfer – der kostenlose Klassiker

WeTransfer ist ein Filehosting-Dienst, der es euch erlaubt, bis zu 2 GB an Daten kostenlos zu verschicken. Ihr gebt hierfür eure E-Mail-Adresse und die des bzw. der Adressaten auf der Website ein und ladet die Daten hoch. Diese können dann über einen Link, den der Empfänger bekommt, heruntergeladen werden. WeTransfer benachrichtigt euch per Mail, wenn der Empfänger die Dateien heruntergeladen hat. Nach sieben Tagen verfällt der Link und die Daten werden gelöscht. Besonders für das Versenden ganzer Recording- und Mixing-Sessions ist WeTransfer eine hervorragende Alternative zu ähnlichen Diensten wie beispielsweise Dropbox.

Website: www.wetransfer.com 

  • Pro
  • 2 GB pro Nutzung kostenlos verschicken
  • eigener Download-Link
  • Contra
  • kein Contra

Jampool – der große Traum

Die Macher von jampool haben sich ein Ziel gesetzt: Musiker weltweit sollen vereint werden. Über verschiedenste Songprojekte, denen alle Musiker beitreten können, soll dieses Ziel erreicht werden. Dabei kann aber nicht jeder x-Beliebige seinen Senf zu euren erstellten Projekten dazu geben. Ihr entscheidet, ob die „Bewerber“ gut genug sind. Andersherum könnt ihr euch natürlich auch bei anderen Projekterstellern bewerben. 

Kurz gesagt stellt jampool eine Art spezielle Dropbox für Musiker dar, die darauf ausgelegt ist, Recording-Projekte virtuell mit anderen Musikern zu realisieren. Ihr habt hier Zugriff auf eine Chat-Funktion, eine detaillierte Musikersuche sowie eine übersichtliche Verlaufshistorie. Das Mitmachen kostet übrigens keinen Cent – einzig ein Nutzerprofil wird benötigt.

Website: https://www.jampool.net/de 

  • Pro
  • kostenlos
  • einfache Handhabung
  • projektbezogene Chatfunktion
  • Contra
  • Community ist (noch) sehr klein
  • wenige Projekte verfügbar

Bounce Boss – Lets talk about music

Bounce Boss erlaubt es Nutzern, verschiedene Versionen der aufgenommenen Musik hochzuladen, um diese dann mit anderen Personen zu teilen. DAW-Funktionen gibt es nicht, da Bounce-Boss als eine Art Besprechungsraum für Musiker und Engineers fungiert. Rubriken wie Stems, Mixes und Masters sorgen für eine hervorragende Übersicht. Eine Kommentarfunktion erlaubt den Austausch auch über Landesgrenzen hinweg. Ab vier britische Pfund pro Monat werden dafür fällig, allerdings müssen die Mitredenden keinen eigenen Account besitzen. 

Website: https://eu-central.bounceboss.co.uk/ 

  • Pro
  • übersichtliche Nutzeroberfläche
  • kollaborations-Partner benötigen keinen kostenpflichtigen Account
  • Lossless-Streaming-Funktionalität
  • Contra
  • teures Preismodell

Pibox – Kleiner Helfer

Eines vorweg: Mit Pibox könnt ihr keine Aufnahmen erstellen oder gar auf eine große Bibliothek an Effekten, Loops oder virtuellen Instrumenten zurückgreifen. Trotzdem handelt es sich hier um ein hilfreiches Tool, dank dem mit mehreren Muckern an einem Song gebastelt werden kann. So könnt ihr Tracks problemlos mit Engineers oder Bandkollegen teilen. Diese können dann Kommentare hinterlassen. Getreu dem Motto: „Keep it simple“. 

Auf diese Weise können Songideen gemeinsam weiter ausgearbeitet werden. Übrigens handelt es sich hierbei um ein Konkurrenzprodukt zu Bounce Boss. Pibox verlangt monatlich 4,50 USD aus der Bandkasse – eine kostenlose Version gibt es nicht. Alles in allem überzeugt das Tool jedoch durch eine einfache Handhabung und eine schicke Nutzeroberfläche.

Website: www.pibox.com

  • Pro
  • sehr gutes Design
  • übersichtliche Bearbeitungs-Historie
  • 2 GB integrierter Speicherplatz
  • Contra
  • teures Preismodell

Fazit

Heutzutage bieten sich Musikern unzählige Möglichkeiten, um gemeinsam mit anderen Musikbegeisterten aus der ganzen Welt Musik zu machen. Vor nicht allzu langer Zeit wäre eine Live-Recording-Session bzw. Übertragung aus dem Studio oder dem Proberaum eine ziemlich aufwendige und kostenintensive Sache gewesen. Doch dank Online-Kollaborationsmöglichkeiten wie Steinberg VST Connect oder Bandlab sowie immer erschwinglicherer Technik und schnellen Internetverbindungen sind Studio-Sessions und Bandproben in virtuellen Studios einfacher realisierbar als jemals zuvor.

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