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04.08.2021

Die besten Netzwerk-Tools und drahtlosen Audio-Übertrager für den FoH-Engineer

Nützliches FOH-Equipment zur Signal- und Datenübertragung: DI Box, Switch, Router, WLan, Bluetooth Transmitter und Receiver

Eine digitale Signalübertragung hat viele Vorteile. Keine Nebengeräusche, keine Signalverlust bei größeren Entfernungen und oftmals ist die Einbindung einer bereits vorhandenen Netzwerkumgebung möglich. Logisch, dass nicht wenige Tontechniker diese Vorteile gerne in ihren Arbeitsalltag implementieren. Digital arbeitet zwar mit „Nullen & Einsen“, wer allerdings in puncto Netzwerktechnik und digitale Audio-Übertrager ein stets verlässliches Ergebnis erzielen möchte, der muss schon bis drei zählen können. Oftmals liegt der Teufel im Detail und nicht jeder Anwender hat profunde Kenntnisse in Netzwerk-Administration. Gut, dass es neben sündhaften teuren Profilösungen mittlerweile auch reichlich Auswahl mit Gerätschaften für Einsteiger und ambitionierte Anwender gibt.

Denn eines ist klar: Richtig eingesetzt, kann Digitaltechnik den Gig deutlich vereinfachen. Standardaufgaben lassen sich komfortabel über praktische kleine Helferlein abdecken. Dieser Kaufberater unterteilt sich daher in zwei Abschnitte. Zunächst betrachten wir nützliche Netzwerk-Tools, die vor allem dazu dienen, unterschiedliche Geräte über größere Entfernungen zu verbinden oder gar fernzusteuern. Im zweiten Abschnitt widmen wir uns den digitalen Audio-Übertragern.

Netzwerk für Dummies

Die derzeit vielfach beschworene Digitalisierung mag gesamtgesellschaftlich derzeit vielleicht nicht über genügend Drehmoment verfügen, aber in der Veranstaltungstechnik ist sie längst angekommen. Wer als Tontechniker arbeitet, der kommt kaum noch ohne einige Grundkenntnisse in Netzwerktechnik aus. Ein Blick auf die Vielzahl an unterschiedlichen digitalen Netzwerkprotokollen zeigt das Dilemma: AES50, DANTE, AVB, SoundGrid – um nur einige Beispiele zu nennen. Alles Protokolle für digitale Audio-Übertragung in Netzwerken, und jedes Protokoll hat dabei seine Eigenheiten und Tücken. Was den meisten Digitalformaten vereint, ist die Tatsache, dass sie auf die bekannte Netzwerk-Topologie aus der Computertechnik zurückgreifen. Das beginnt bei der RJ45-Netzwerkbuchse und endet beim Netzwerk-Switch. Letztere sind immer häufiger an den FoH-Plätzen zu orten, da sie zur Standardausstattung eines jeden DANTE-, AVB- und Waves-SoundGrid-Setups zählen. Daher gehören ein, zwei Switche oftmals zur Grundausstattung.

Der Switch – managed oder unmanged?

Wie bei jedem Pro-Audio-Gerät ist auch die Bandbreite an Netzwerk-Switch-Angeboten groß, was sowohl die Features als auch den Preis betrifft. Von einem Netgear GS-105 Switch für eine Handvoll Euro bis hin zu sündhaft teuren Gerätschaften wie einem Luminex GigaCore Switch reicht die Bandbreite. Hier die passende Auswahl zu treffen ist nicht leicht und hängt auch vom persönlichen Anforderungsprofil und den notwendigen Grundkenntnissen ab.

Profi-Switche fallen fast alle in die Kategorie „managed“ Switch. Von meiner Seite aus gibt es eine klare Empfehlung. Wer nicht sattelfest in Netzwerk-Administration ist, der sollte sich einen unmanaged Switch zulegen. Hier trifft der Leitsatz „weniger ist mehr“ durchaus zu. Dabei sind managed Switches mit deutlich mehr Funktionen versehen. Der Nachteil: Man muss diese auch entsprechend konfigurieren können. Ein managed Switch erlaubt eine größere Kontrolle des Netzwerks und über alle Pakete, die sich darin befinden. Bei einem managed Switch könnt ihr jeden Port einzeln konfigurieren. Auch das Netzwerk lässt sich auf unterschiedliche Weise konfigurieren. Man hat Kontrolle, wie sich die Daten im Netzwerk bewegen und wer darauf Zugriff hat. Managed Switches bieten zudem oft die SNMP-Funktion (Simple Network Management Protocol), mit der man den Status der Verbindungen überwachen kann. Zusätzlich erhält man Auskunft zum Traffic-Durchsatz, Netzwerk-Fehlern und Port-Status.

Fast alle managed Switches lassen sich fernsteuern, indem sie dem Anwender eine Remote-Konsole zur Verfügung stellen. Entweder über eine Kommandozeile oder ein Web-Interface. Administratoren können dadurch Änderungen vornehmen und müssen sich nicht am selben physischen Standort befinden. Aber nur wer diese Switches sicher programmieren kann, wird von den Vorteilen profitieren. Für kleine Netzwerke und weniger IT-affine Anwender ist ein unmanaged Switch oftmals die bessere Wahl. Letztere funktionieren in der Regel mittels Plug-and-play und erlauben die Kommunikation diverser Ethernet-Geräte ohne großen Aufwand.

Einen guten Mittelweg stellt der Swissonic Stage Switch POE dar. Dieser kommt in einem Road-tauglichem 19-Zoll-Gehäuse und wird über PowerCon-Armaturen mit Strom versorgt. Auf der Rückseite befinden sich acht RJ45-Buchsen, die via PoE (Power Over Ethernet) weitere Netzwerkgeräte komfortabel mit der notwendigen Spannung versorgen können. Auf der Vorderseite befinden sich dagegen acht Netzwerk-Ports mit EtherCon-Verbindern, die eine Verriegelung der angeschlossenen Netzwerkkabel erlauben. Der Preis ist zudem sehr attraktiv, was den Swissonic für kleinere und mittlere Setups empfiehlt.

Für den günstigen Preis muss man allerdings in Kauf nehmen, dass der Switch nicht offiziell von DANTE oder SoundGrid zertifiziert ist. Außerdem ist der Switch unmanged, was bei dem Preis allerdings nicht weiter verwundern dürfte. In seiner Preisklasse ist der Swissonic ohne Mitbewerber als 19-Zoll-PoE-Switch mit verriegelbaren Armaturen und PowerCon-Anschluss unterwegs. Daher erhält er eine ausdrückliche Empfehlung.

Der W-Lan Router als Spielpartner des Switches

Wo ein Switch ist, da ist auch meist ein Router nicht weit entfernt. Dabei steht die weniger Option auf einen Internetzugang am FoH-Platz im Fokus. Vielmehr geht es um die drahtlose Verbindung mehrerer Gerätschaften in einem Netzwerk. Die gebräuchlichste Anwendung dürfte der Remote-Zugriff auf das FoH- oder Monitormischpult sein. Dafür schraubt man sich gerne einen Router, bevorzugt im 19-Zoll-Format in das FoH- oder Monitorrack. Die Mission ist klar umrissen: Mittels Smartphone oder Tablet-PC soll eine Fernsteuerung der Monitorsignale (aus Sicht der Musiker) oder gar des ganzen FoH-Mischpults (aus Sicht des FoH-Technikers) generiert werden. Dafür wird der Router mit dem Mischpult verbunden und die Remote-Geräte (beispielsweise ein iPad) verbinden sich dabei drahtlos mit dem Router.

Im Proberaum oder im Clubgig reicht dafür oftmals ein günstiger Router vom Technik-Discounter aus, der sich zudem problemlos in einem Rucksack verstauen lässt. Wer ambitionierter zur Sache geht, der wird sich bei so einem Router meist an zwei Dingen stören: dem fehlenden 19-Zoll-Formfaktor und der Tatsache, dass sich die Antennen nicht abnehmen lassen. Warum abnehmbare Antennen hilfreich sein können, werden wir später noch sehen. Wer einen Tour-tauglichen Router mit nützlichen Zusatz-Features sucht, sollte sich die Preis-/Leistungs-Empfehlung einmal genauer ansehen.

Für den Tour-Alltag bietet sich der Waves WRC-1 mit seiner guten Ausstattung samt professionellem 19-Zoll-Gehäuse an. Natürlich funktioniert der WRC-1 nicht nur an Waves-Produkten, sondern vielmehr mit jedem Ethernet-fähigen Digitalmixer und erledigt nebenbei alle Aufgaben, die man an einen herkömmlichen Router stellen könnte. Darüber hinaus verfügt der Waves-Router über einen USB-Hub, um Smartphones und Tablets laden zu können und sogar über einen integrierten DLNA-Player für drahtlose Musikzuspielungen. Nützliche Mehrwerte, die den Preis von 500 Euro durchaus rechtfertigen. Dass der verbaute USB-Hub keine iOS-Devices laden kann, ist für Apple-User allerdings ein Manko.

Entschädigung bieten der sehr gute Empfang, abnehmbare Antennen und eine hohe Reichweite, die das Gerät auch für größere Veranstaltungen empfiehlt. In puncto Verarbeitung lässt Waves nichts anbrennen und bietet eine durchweg professionelle Qualität. IT-Nerds dürften zudem Gefallen daran finden, dass sich neben einer Basic Firmware für den einfachen Einstieg alternativ eine umfangreichere Firmware aufspielen lässt, mit der WRC-1 eine ganze Menge zusätzlicher Funktionen erhält.

Weiter, immer weiter

Falls die Jobs größer werden und damit auch die Hallengröße zunimmt, geht dem Router auf die Distanz vermutlich irgendwann die Puste aus und eine stabile Verbindung von der Bühne zum FoH-Platz kann problematisch werden. Das Problem ist meist zweigeteilt. Ist die Halle noch leer, funktioniert die Verbindung zwischen Remote Device und dem Router am FoH-Platz oft noch. Steht aber nach Einlass eine Wand von tausend Zuhörern zwischen den Geräten, kann die Verbindung schnell abreißen. Ein schneller Fix wäre es, den Router aus dem FoH-Rack zu schrauben und auf die Bühne zu verfrachten. Von dort muss man allerdings ein entsprechend langes Netzwerkkabel bis zum FoH-Mischpult legen, um die Verbindung zum Mixer herzustellen. Eine weitere Möglichkeit ist, abgesetzte Antennen zu verwenden. Daher folgende Empfehlung:

Das Nowsonic Stage Antenna Set 5.8 GHz umfasst zwei 5.8-GHz-Antennen mit langen Kabeln, die sich mit Hilfe eines Mikrofonstatives deutlich über Kopfhöhe der Zuschauer platzieren lassen. Durch die direkte Sichtverbindung zwischen den Antennen und den Remote Devices ergibt sich eine deutlich höhere Reichweite und damit eine stabilere Verbindung.

Das gleiche Antennen-Set gibt es auch für den 2.4-GHz-Bereich, wobei ich allerdings den 5.8-GHz-Bereich empfehle. Der 2.4-GHz-Bereich hat der Papierform nach die bessere Reichweite. Auf der Gegenseite bietet der 5.8-GHz-Bereich gerade im Event-Bereich oftmals die bessere Performance. Der Grund dafür liegt in der allgemein starken Frequentierung des 2.4-GHz-Bereichs mit allen möglichen anderen Gerätschaft, sodass man mit 5.8 GHz oftmals besser fährt. Wer weiter rausschwimmen möchte im W-LAN-Ozean, der sollte sich einen Rettungsring in der Form des Nowsonic Stage Antenna 5.8 GHz Sets umlegen.

Ein Gewinner im Rack

Ein guter Router mit abgesetzten Antennen, davon kann auch unsere „Klassiker“-Empfehlung profitieren. Der Presonus StudioLive RM32 AI war einer der ersten digitalen Rackmixer, die ausschließlich über ein Tablet oder Laptop bedient wurden. Dieses Konzept wurde in den Folgejahren von sehr vielen Herstellern übernommen, und die Sparte „Rackmixer“ ist seitdem nicht mehr wegzudenken. Gerade in Proberäumen, in Monitorracks und Homestudios verrichten diese kompakten Mixer vermehrt ihren Dienst.

Teil 2 unseres Kaufberaters umfasst die spannende Frage, wie man drahtlos Pausenmusik, Intros oder sonstige Zuspielmusik an den FoH-Mixer sendet. Dafür bieten sich zwei unterschiedliche Techniken an, und zwar Funkübertragungen mittels Bluetooth oder W-LAN (bzw. dem anmeldefreien 2.4-GHz-Bereich).

Beides hat Vor- und Nachteile, die ich gerne kurz erläutern möchte. Bluetooth gilt als der kleine Bruder der 2.4-GHz-Lösung, der zumindest in der Version Bluetooth 4.0 über eine recht beschränkte Reichweite verfügt. Bei zehn Metern mit Sichtverbindung ist oftmals schon Sendeschluss. Das reicht aber in der Regel immer aus, um an einem FoH- oder Monitorplatz Musik drahtlos auf einen Bluetooth-Empfänger zu senden. Wer dagegen über mehr Reichweite verfügen möchte, der muss warten, bis vermehrt Drahtlos-Audio-Übertrager mit dem Standard Bluetooth 5.0 am Start sind. Es gibt schon erste Geräte mit Bluetooth-5.0-Standard, aber um den Reichweitenvorteil effektiv nutzen zu können, muss auch das Abspielgerät (Laptop, Tablet oder Smartphone) über Bluetooth 5.0 verfügen, sonst bleibt die Reichweitenbeschränkung bestehen. Alternativ greift man zu einem Drahtlos-Audio-Übertrager, der im 2.4-GHz-Bereich arbeitet. Hier sind bei direkter Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger in der Regel Entfernungen von bis zu 30 Metern überbrückbar. Kommen wir zu den Empfehlungen für digitale Drahtlos-Audio-Übertrager.

Du benötigst Bluetooth und möchtest dabei nicht auf das professionelle 19-Zoll-Format verzichten? Dann ist der Denon DN-300BR ein Kandidat für den Warenkorb. Ein stabiles 19-Zoll-Metallgehäuse mit integriertem Netzteil wird kombiniert mit wenigen Bedienelementen. Neben den Cinch-Armaturen ist das Markengerät auch mit XLR-Ausgängen bestückt, was gerade im Live-Betrieb zu begrüßen ist. Auch der Endkundenpreis von fällt eher moderat aus, weshalb der Denon DN-300BR eine Empfehlung einheimst.

Eine ganze Nummer kleiner, dafür aber sogar mit Bluetooth 4.0 und einem USB-2.0-Ausgang ausgestattet ist die Sirus DI USB/BT Box, die sich wahlweise über ein optionales Netzteil oder einen internen Akku betreiben lässt. Die Akkulaufzeit von bis zu 40 Stunden dürfte für jede Party ausreichen und bietet zudem die Möglichkeit eines „off the grid“-Einsatzes ohne Netzwerkversorgung. Die empfangenen Signale lassen sich über zwei XLR-Buchsen abgreifen, wobei ein schaltbarer Ground Lift etwaige Brummgeräusche fachgerecht entsorgt. Mit einem Preis von deutlich unter 100 Euro verdient sich der kompakte Audio-Übertrager das Prädikat der „Preis-/Leistungs“ Empfehlung.

Wer eine klassische „Sender + Empfänger“-Kombination bevorzugt, die zudem im 2.4-GHz-Bereich ihre Brötchen verdient, der sollte einen Blick auf das Denon DN-202 Bundle werfen. Die beiden Einheiten erlauben es, Audiosignale über eine Entfernung von bis zu 30 Metern zu übertragen, wobei sich das gesendete Signal auf Wunsch auch von gleich mehreren Receivern empfangen lässt. Passende Netzteile sind im Lieferumfang enthalten. Die Ein- und Ausgänge stehen sowohl im 6.3-mm-Klinkenbuchsen- als auch im XLR-Format bereit. Die robusten Stahlgehäuse sind hart im Nehmen und verfügen zudem über Montagebohrungen für eine Installation.

Stichwort „Installation“.

Die Empfehlung in der Kategorie „Klassiker“ geht an den Alesis Multimix 10 Wireless. Dieser 19-Zoll-Rackmischer wird seit fast zehn Jahren unverändert gebaut und ist einer der ersten Rackmixer mit integrierter Bluetooth-Schnittstelle. Damit war der Alesis-Mixer seiner Zeit fast schon voraus, aber über die Jahre hinweg mauserte sich der Zehnkanal-Mixer zu einem Bluetooth-Klassiker im Installationsbereich, Schulen und Proberäumen.

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