Hersteller_dbx_professional_audio
Test
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18.08.2016

Praxis

Mächtiges Werkzeug

Es wird schnell klar, dass der DBX 520 ein ziemlich mächtiges Werkzeug ist, mit dem man auch eine Menge kaputtmachen kann. Andere 500-De-Esser, etwa von Pendulum Audio, bieten nur den halben Kompressionshub an. Dies ist aber keineswegs als Nachteil des DBX zu werten. Er ist kräftig motorisiert, aber mit der Kennzeichnung des „Normbereichs“ am Regelweg des Range-Potis wird diese Power übersichtlich und unmissverständlich gezähmt. In der Tat löst sich dies auch in der Praxis in so gut wie allen Anwendungssituationen ein: Tatsächlich wird man den De-Esser meist in diesem Regelbereich einsetzen, hier gibt der Hersteller dem Anwender also eine sinvolle Hilfestellung mit auf den Weg. Fährt man den Prozessor zu weit aus, dann ist das typische Lispeln die Folge, hier aufgrund der hohen Pegelreduktion in einer Heftigkeit, die jede Gesangsaufnahme nachhaltig ruinieren kann. Aber, noch einmal: Es liegt beim Anwender, wie stark er eingreift, und um den Normbereich herum arbeitet der De-Esser tatsächlich weitgehend artefaktfrei. Trotz seiner mit zwei Filterpolen eher weichen Abstimmung bekommt man mit dem Sidechainfilter die Probleme gut zu packen. Und der HF-Modus erlaubt eine zusätzliche Verfeinerung der Ergebnisse, wobei der Unterschied je nach Einsatzzweck etwas unauffällig ausfallen kann. Tatsächlich ist man bei den meisten Vocals mit dem normalen Fullrange-Modus bestens bedient.

Threshold überflüssig

Gesangssignale verlieren bei richtiger Anwendung nur wenig Glanz und Frische, oftmals ein Problem bei De-Essern. Dies mag auch an der internen Logik liegen, die einen Threshold-Parameter überflüssig macht. Denn die Schaltung ermittelt selbständig das Verhältnis von sibilanten und tonalen Klanganteilen und greift dann entsprechend proportional dazu ein. In der Folge bleiben die unproblematischen Klanganteile angenehm unangetastet, während das Problem kraftvoll bearbeitet wird. In der Folge ist der 520 ein ungemein effektiver Problemlöser, der viele Befürchtungen der „Anti-De-Esser-Fraktion“ ins Leere laufen lässt. Er eignet sich insbesondere auch für eine Arbeitsweise, bei der man die Höhen einer Vocal-Aufnahme dynamisch frequenzselektiv glättet, um dann mit einem Sweetening-EQ statisch wieder eine Menge hauchiges Top-End dazuzugeben – oftmals das Geheimnis eines luftigen, offenen, nicht-agressiven Vocalsounds.

Nicht nur Vocals

Weniger bekannt ist, dass ein De-Esser nicht nur auf Vocals interessante, gute und wichtige Resultate liefern kann. Man kann einen solchen Prozessor auch einsetzen um etwa „giftige“ Cymbals auf Drum-Overheads oder heftig komprimierten Room-Mics im Zaum zu halten. Für solche Einsätze macht der hohe Maximalhub des 520 ebenso Sinn wie der HF-Modus, bei dem dann etwa nur das Cymbal-Zischeln abgeregelt wird, nicht aber die tieferen Klanganteile des Drumsets.  

 

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