Test
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05.03.2018

Praxis

Optik, Haptik, Usability

Zunächst mal lässt sich festhalten, dass die alle Bauteile des des Chameleon Labs 7603 einen hochwertigen Eindruck machen. Die Robustheit des Gerätes scheint geradezu nach einem langfristigen Einsatz zu schreien. Das betrifft die solide Verschraubung ebenso wie die Haptik und das Einrastverhalten der zahlreichen Kippschalter. Ganz besonders gilt das aber für die die Potentiometer des Preamps. Ihre metallenen Kappen sind wirklich grundsolide und sämtliche Potis bieten Einrastpunkte, die zur punktgenauen Justierung dienen. Das ermöglicht einen exakten Recall gewählter Settings. Damit haben Chameleon Labs einen wesentlichen Nachteil aus dem Weg geräumt, der ab und an den wiederkehrenden Einsatz von Analoggeräten erschwert. So ist etwa das Gain-Poti in 5dB-Schritten einstellbar. Eine zweifache Skalierung deckt dabei sowohl Line- als auch Mikrofonpegel ab, die von -30 bis +20 dB beziehungsweise von +20 bis +70 dB verstärkt werden können. Das gefällt.

Das gleiche gilt für die Auswahl der Festfrequenzen im EQ-Bereich. Allerdings sind die Regler der EQ-Verstärkungsgrade nicht stufenweise gerastert, um so einen nuancierten Filtereinsatz zu gewährleisten. Dafür verfügen sie aber über einen Rasterpunkt in der 0dB-Position. Damit auch bei eingeschalteter EQ-Sektion der durchgereichte Klang nicht durch solche Filter beeinträchtigt wird, die nicht zum Einsatz kommen sollen, ist eine "Off"-Position für jedes separate Filter vorhanden. Durch diese Features wird der EQ-Einsatz mit dem 7603 zum Kinderspiel. Das Hochpassfilter kann wahlweise bei 40, 80, 160 oder 320 Hz einsetzen, die Arbeitsfrequenz des tiefen Kuhschwanzfilters auf 35, 60, 110 oder 220 Hz eingestellt werden. Das Mittenband ist auf 350, 700, 1600, 3200, 4800 und 7200 Hz fixierbar. Der hohe Kuhschwanzfilter greift bei einer Frequenz von 3400, 4900, 7000, 12000 oder 16000 Hz ein. Wobei die Spannweite der Dämpfungs-/Verstärkungsgrade bei allen Filtern von -15 bis +15 dB reicht. Dadurch ergeben sich auch ohne wählbaren Gütefaktor zahlreiche Möglichkeiten für die Signalaufbereitung.

Klang

Angepriesen wird der 7603 als Preamp, der eine hochauflösende Signalverstärkung liefern kann. Das Frequenzbild des Preamps wird vom Hersteller als äußerst linear dargestellt. Das lässt natürlich aufhorchen. Ist das ein reiner Marketing-Gag oder kann der 7603 eingehende Signale tatsächlich sauber und unverfälscht abbilden? Auch wenn ich mich dem Vorverstärker aufgrund dieser Werbeversprechen kritisch genähert habe, möchte ich ihnen aufgrund des Praxistests nicht widersprechen. Wer einen Preamp mit charaktervollem Sound sucht, muss an anderer Stelle als dem Standard-7603 suchen, soviel steht fest. Aber zum Glück gibt es für diese Fälle ja die XMod-Variante. Hier bekommt das gesamte Signal mehr "Dimension" und ein wenig mehr "3D-Charakter", außerdem kommen Höhenanteile hier deutlich crisper rüber. Wer die Qual der Wahl (und die Möglichkeit) hat, sollte deshalb am besten beide Preamp-Versionen mit den Mikrofonen seiner Wahl testen, um zu hören, ob ihm die zusätzliche Investition von etwa 500 Euro sinnvoll erscheint. Ich selbst habe den Eindruck, dass man diesen Mehraufwand im Signal hört, denn das vom 7603-XMod ausgegebene Audiomaterial klingt tatsächlich "teurer".

Zwar möchte ich bei der Standardvariante des Vorverstärkers nicht für eine allzu große klangliche Nähe zu den klassischen britischen Preamps der 70er-Jahre unterschreiben, doch überzeugt das Gerät mit einem Sound, der wenig verfälschend ist, nichts beschönigt, aber auch alles andere als platt oder gar steril wirkt. Das zeigt sich insbesondere beim Einsatz höhenreicher Mikrofone. Sie werden vom Preamp bereits in der Standardausführung gut gezähmt. Im Test habe ich beispielsweise ein Brauner Phantom C eingesetzt, das im Zusammenspiel mit manchem Verstärker dazu neigt, Signalanteile in den Höhen prominent herüberzubringen. An einigen Preamps kann dann mit Zischeln gerechnet werden. Beim 7603 ist das nicht der Fall. Hier wirken die vom Brauner-Mikrofon aufgegriffenen Vocals satt und das Frequenzbild ausgewogen. Zwar profitieren Line- und Instrumenten-Signale beim 7603-XMod nicht von einem Carnhill-Eingangsübertrager, doch macht sich der entsprechende Ausgangsübertrager auch bei ihnen bemerkbar. Fülle, Dimension und Crispness sind auch bei ihnen in Maßen bemerkbar.

Ganz nebenbei gesagt lassen sich beim Preamp zu keiner Zeit Rauschanteile ausmachen. Sehr gut ist auch die justierbare Impedanzanpassung, die den Einsatz von Mikrofonen mit vergleichsweise geringem Ausgangswiderstand ermöglicht. So kann auch aus älteren Bändchenmikrofonen mühelos ein Signal ohne zu starke Höhendämpfung herausgeholt werden.

Aber hören wir doch vor allem bei der Equalizer-Sektion nochmal etwas genauer hin. Dazu habe ich ein Linesignal in den 7603 eingespeist und mit den verschiedenen Filtern bearbeitet. Das Hochpass-Filter leistet eine Signalabsenkung von -12 dB pro Oktave. In den Audiofiles hört ihr das Filter zum einen bei 40 Hz, zum anderen bei 320 Hz einsetzen. Im ersten Fall werdet ihr insbesondere auf kleineren Abhören, die nicht so weit hinabreichen, keinerlei Unterschiede feststellen. Und das ist gut so. Wie beherzt das Hochpass-Filter zugreift, hört ihr dagegen gut im zweiten Audiobeispiel. Eine abgeschwächte, "musikalischere" Variante der Bassabsenkung hört ihr im Hörbeispiel zum Low-Shelf-Filter. Hier habe ich mit einer Absenkung um 7,5 dB bei 220 Hz gearbeitet. Dadurch werden im Hörbeispiel aus überbordenden deutlich smoothere, "rundere" Bassanteile. Je höher übrigens das Mittenfilter angesetzt wird, umso mehr arbeitet es "linkschief" - ganz so wie es für klassische Neve-EQs typisch ist. Dadurch werden extreme Frequenzeingriffe oberhalb von etwa 12,5 kHz durch das Mittenband ausgeschlossen. Wie der Hörtest zeigt, leisten sowohl Mittenfilter als auch High-Shelf vergleichsweise dezente Ergebnisse. Zumindest in unseren eigens angelegten Hörbeispielen ist ihr Einfluss weniger prägend als es ihre Zahlen und Kennlinien vermuten lassen.

Ein Wort noch zum VU-Meter: Was mich an ihm stört ist, dass seine Hintergrundbeleuchtung recht schwach ist. In gut beleuchteten Räumen könnte man meinen, es handle sich nicht um eine aktive Beleuchtung seines Hintergrunds, sondern um eine fluoreszierende Platte. Was mich bei der Anwendung des Preamps außerdem irritiert ist, dass seine Peak-LEDs permanent schwach leuchten. Gelangt das Signal in einen kritischen Pegelbereich, ist das dann auftretende Leuchten zwar immens hell und kann unmöglich übersehen werden. Die permanente (wenn auch schwache) aktive Anzeige dieses Tools bleibt dennoch gewöhnungsbedürftig. In Verbindung mit einer fehlenden LED für den Ein-/Aus-Status sowie der schwachen Beleuchtung des VU-Meters, ziehe ich dem 7603 daher für alle drei Mini-Makel insgesamt ein halbes Sternchen bei der Gesamtwertung ab.

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