Test
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25.07.2018

British Drum Company Big Softy 14”x6,5” Snaredrum Test

Snaredrum

Snare mit eingebautem High Cut

Knallig, präzise und artikuliert, so lässt sich der 90er Jahre Snaredrum-Trendsound beschreiben. Die Signature-Trommeln von Helden wie Peter Erskine, Dave Weckl oder Vinnie Colaiuta hatten allesamt Piccolo-Dimensionen, dicke „Eimer“ wurden trotzdem oft hoch gestimmt. Absichtliches Verstimmen, das Auflegen von Dämpfungen aller Art und extrem schlaffe Fellspannungen mögen in Studios ein Thema gewesen sein, der Trommler von nebenan hütete sich jedoch davor, seine edle Trommel derartig zu traktieren. Das hat sich geändert, der fette „Düsch“-Sound der 1970er und 80er ist zurück und mit ihm eine Vielzahl von entsprechenden Snaredrums in Retro-Bauweise sowie zahlreiche Utensilien zur Dämfung der Trommeln. Auch die junge englische Firma British Drum Company hat sich des Themas angenommen, heraus gekommen ist die Big Softy, unser heutiges Testexemplar. 

Schon der Name deutet an, in welche klangliche Richtung die Reise geht. Allerdings hat sich das Entwicklungs-Team um den renommierten Chef-Trommelbauer Keith Keough nicht darauf beschränkt, bekannte Designs aus der Mitte des letzten Jahrhunderts zu kopieren. Stattdessen gab es die Vorgabe, einen tiefen und weichen Ton auch dann zu erhalten, wenn sich die Fellspannung in oberen Bereichen befindet. Normalerweise müssen die bekannten „wet“-Sounds nämlich mit einer Rebound-Verschlechterung erkauft werden, die nicht allen Schlagzeugern zusagt. Ob die Big Softy das Versprechen einlösen kann, lest ihr auf den folgenden Zeilen.  

Details

Ochroma-Holz und runde Gratungen

Auf diesen Test war ich schon im Vorfeld besonders gespannt, denn bis dato hatte ich noch keine Trommel der British Drum Company unter den Stöcken gehabt. Hinzu kommt, dass diese Firma keine der neuen, kleinen Custom-Schmieden sein möchte, sondern eine richtige Fabrik in England betreibt. Laut BDC wird auf Fertigungsdetails und Verarbeitung besonderer Wert gelegt. Logisch, das sagen alle Firmen, aber schon beim Auspacken macht sich das Gefühl gediegener Qualität breit. Es beginnt beim Kessel selbst und damit bei den verwendeten Holzarten. Aus insgesamt neun Lagen besteht der Kessel, für das innere und äußere Furnier wird relativ hartes Kirschholz verwendet, welches im Falle unserer Testtrommel sehr schön gemasert ist. Eine matte Versiegelung sorgt für eine samtige Haptik und überzeugt optisch mit schlichter Eleganz. Der Clou der Konstruktion verbirgt sich jedoch im Kern des Kessels. Dieser besteht nämlich aus Ochroma, einem zwar als Hartholz klassifizierten, insgesamt jedoch sehr weichen und porösen Holz südamerikanischer Herkunft. Beim Abnehmen der Felle ist die geringe Dichte des Holzes mit bloßem Auge erkennbar, kleine Löcher erinnern mich ein bisschen an Bimsstein. Nach Aussage der BDC-Entwickler soll dieses Holz hohe Frequenzanteile aus dem Gesamtklang herausfiltern, und zwar unabhängig davon, wie stark die Felle gespannt sind. Hinzu kommt, dass die Trommel angenehm leicht ist. Unterstützt werden soll das Ziel, einen weichen und großen Sound zu erhalten, durch komplett verrundete Gratungen, deren Verarbeitung genauso sauber ausgeführt wurde wie die gesamte Kesselkonstruktion. Im Bereich des sehr sanft abfallenden Snarebeds wird die Gratung herunter geschliffen. Ein Aufkleber im Inneren des Kessels besagt, dass bei der Herstellung ein Kaltpressverfahren zum Einsatz kam und die Snaredrum vor der Auslieferung von Masterbuilder Keough inspiziert wurde. Sehr schön!

Alle Anbauteile werden auch innen vom Kessel isoliert montiert

Dass man es bei BDC mit den kleinen Details ernst nimmt, zeigt der eigenwillige Einsatz von Unterlegscheiben und Isolierungen. Natürlich besitzen die insgesamt zehn im Art Deco Stil geformten Doppelböckchen die typischen Kunststoffunterlagen, und auch die einfache Drop Style Abhebung ist gummiunterlegt am Kessel befestigt. Ungewöhnlich ist hingegen die zusätzliche Isolierung der Schrauben im Kesselinneren. Dass die großen Unterlegscheiben aus Holz bestehen und die aufgeprägte Bezeichnung „Big Softy“ tragen, wirkt edel und vermittelt das Gefühl, dass auch dort auf die Feinheiten geachtet wird, wo man es normalerweise nicht sofort sieht. Schön gemacht ist auch das dreidimensionale Typenschild samt zusätzlichem Holzschildchen mit der Instrumentenbezeichnung. Diese Konstruktion ist natürlich ebenfalls beidseitig mit Holzplättchen vom Kessel isoliert. Dasselbe gilt für die kleine aus Aluminium gefräste Ventilationslocheinfassung. Ob sich der Aufwand klanglich auswirkt, werden wir im Praxisteil hören. Bei den Verschleißteilen vertraut BDC auf die bewährte Kombination aus Remo Ambassador Schlag- und Resonanzfell, sowie einen 20-spiraligen Snare-Teppich mit Messing-Endplättchen und BDC Logos. Trotz dieser Logos scheint es sich, wie auch bei den 2,3 Millimeter starken Standard-Stahlspannreifen, um Material fernöstlicher Herkunft zu handeln. 

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