Mikrofon Hersteller_Brauner_Microphones
Test
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04.01.2011

Praxis

Die Montage der elastischen Spinne hinterlässt Spuren

“Nestel. Hantier. Schwitz. Drück. PLOCK!” So in etwa würden es beim Anbringen der Spinne lauten, wenn wir bonedo.de im Comic-Format veröffentlichen würden. Was diese sogenannten Onomatopoetika ausdrücken wollen: Die elastische Halterung des Mikros ist nur schwer und mit ordentlich Kraftaufwand zu installieren. Außerdem – kratz, schleif, zerstör – hinterlässt sie deutliche Spuren auf dem schönen Gehäuse. Insgesamt kann man dem Brauner aber bescheinigen, wirklich hervorragend verarbeitet zu sein. Nichts mutet fernöstlich an, alles ist sauber gearbeitet, die Materialien sind hervorragend, alle Maße und Gewinde absolut passgenau. Die Sache mit den Hinterlassenschaften der elastischen Halterung beeinflusst natürlich die Optik negativ, doch in erster Linie wird man das Mikrofon nicht im Vitrinenschrank unter Museumsbeleuchtung betrachten, sondern damit im Studio arbeiten.

Wunderbar ausgeglichener Klang mit angenehmer Färbung

Ein Brauner ist ein Brauner ist ein Brauner. Daher ist wie bei den Verwandten des Phanthera diese leichte, angenehme Färbung wahrnehmbar, die die Höhen vor allem der bis weit nach oben reichenden Konsonanten schön “silbrig” werden lässt. Ich habe diese Art bei anderen Mikros auch schon “braunerig” genannt. Mit der Band “Pantera” hat der Sound natürlich nichts zu tun (Schade eigentlich, das war immer so schön prollig auf die Fresse!). Im Gegenteil: Das Mikro klingt wunderbar ausgeglichen, es sind klanglich keine nervig überbetonten Bereiche vorhanden, vermissen tut man auch nichts. Bei der aus etwas Abstand mikrofonierten Frauenstimme zeigt das Mikro aber dennoch Krallen, denn mir ist das Signal etwas zu spitz. Nicht, dass man das nicht schnell beheben könnte, doch zeigt sich in diesem Zusammenhang, woran Dirk Brauner beim Planen des Mikrofons offensichtlich gedacht hat: Stimmen werden heutzutage in vielen Situationen gerne mit recht geringen Abständen mikrofoniert. Beginnt der Nahbesprechungseffekt, ist den schnellen, brizzeligen Höhen etwas entgegengesetzt. Jetzt klingt das Ding richtig rund! Bei der Männerstimme erhält man bei geringem Abstand einen schön dicken und knarzigen, aber trotzdem nicht verschmierten, verklebten Sound.

Ideales Mikro für modernen Sprechersound

Brauner sind immer äußerst präsente und “dreidimensionale” Mikrofone, was nicht zuletzt an der hervorragenden Transientenverarbeitung liegt. Meine Meinung zu den meisten Brauner war bislang, dass es gerade für modernen Sprechersound ideale Mikros sind, sie aber zu manchen Stimmen einfach nicht “passen” wollen. Nach unserem Vocal-Test des Phanthera kann ich diese Aussage auf den Gesang erweitern, denn der Dame tut der Charakter des Mikros nicht so gut wie dem Herrn. Instrumente übrigens können von der Crispness des Mikros oft profitieren. Ab ausreichendem Abstand spielt der Proximity-Effekt keine große Rolle mehr, die Geschwindigkeit und die sanfte Färbung machen es zum idealen Partner vor allem von Saiteninstrumenten.

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