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18.06.2015

B.log - VST Sounds auf der Bühne nutzen

E-Drums und dicke Samples im Livebetrieb

Addictive Drums 2 hat kürzlich ein anschauliches und kurzweilig gemachtes Video zu den Aufnahmen der "United Pop" Library auf YouTube veröffentlicht. Kistenweise Snares, tolle Räumlichkeiten und ein Ober-Sound-Arzt im weißen Kittel, der die Mikrofone ausrichtet, gibt es zu bewundern. Aber schaut es euch doch am besten selbst an:

Für E-Drummer sind diese fetten und realistisch klingenden Sounds meistens nur im Heimstudio mit aufwendiger Verkabelung und unter Hinzunahme eines Rechners realisierbar. Auch das Thema Latenz spielt eine Rolle. Daher gehen nur die wenigsten Elektro-Trommler mit VST-Sounds auf die Bühne, sondern nehmen (wohl oder übel) mit den oftmals schmal klingenden Modulsounds vorlieb. Bonedo Autor Aggi Berger testet nicht nur VST-Software, sondern benutzt sie in auch in manchen Jobs als Drummer live auf der Bühne. Seine Lösung für das unkomplizierte Zusammenspiel beider Welten, verrät er uns hier.

Hi Aggi, erklär doch mal für welche Jobs du E-Drums spielst, und mit welcher Geräten du da aufwartest?

Hi Chris! Ich spiele öfters Musical-Jobs auf E-Drums, und zwar ganz einfach, weil da ein echtes Schlagzeug selbst in gestreichelter Form oft noch zu laut und zu diffus ist. Die Modulsounds der momentan erhältlichen E-Drumsets sind aber leider so weit vom Realismus aktueller Software-Libraries entfernt, dass man sie nicht mehr wirklich verwenden möchte, wenn man den Vergleich einmal gemacht hat. Da ich aber auch nicht das Risiko eingehen will, einen Rechner mit auf die Bühne zu nehmen, der bekanntermaßen auch einmal abstürzen kann, verwende ich das 2Box DrumIt Five mk2. Die Besonderheit daran ist die offene Soundarchitektur, die es erlaubt, eigene Multisamples in einen 4 GB großen Flash-Speicher zu laden. So kann ich die detaillierten Sounds aus meinen Software-Libraries also auch ohne Rechner auf die Bühne bringen. Latenzen sind dadurch ebenfalls kein relevantes Thema mehr. Der Import der Samples ist zwar ein wenig aufwendig, aber der Punkt, dass ich mich auf meine Hardware verlassen kann, entspannt ungemein. 

Das klingt erstmal nach einer sicheren und unkomplizierten Bühnen-Lösung. Ist es auch kostengünstiger?

Es gibt viele Möglichkeiten, und die Kombination aus einem E-Drumset und einem Rechner mit Audio-Interface kann in der Sparbrötchen-Variante wohl noch ein Stück weit günstiger ausfallen - vor allem wenn der Rechner ohnehin schon vorhanden ist. Das geht dann aber natürlich auf Kosten der Sicherheit, und unter dem Strich kommt man mit dem 2Box-Kit sehr gut weg.

Was mich nach mehrjähriger Verwendung allerdings ein wenig ärgert, ist der Punkt, dass die Gummi-Bezüge der Beckenpads mittlerweile recht gelitten haben. Da die Zonentrennung von Bell und Bow aber ohnehin nicht ganz perfekt ist, habe ich schon seit längerem vor, mit Pads anderer Hersteller zu experimentieren. Da kommen dann wieder einige weitere Ausgaben auf mich zu, aber das hält sich glücklicherweise einigermaßen im Rahmen.

Reichen denn die angesprochenen 4GB Speicher im 2Box Modul aus? Ich denke da zum Beispiel an Tanz- und Party-Bands, die ein sehr umfangreiches Sound-Repertoire realisieren wollen.

Guter Punkt! Was sind schon schlappe 4 GB im Land der Sample-Riesen! Der gigantische Speicherbedarf der großen Libraries hängt allerdings hauptsächlich damit zusammen, dass der Klang einer Trommel immer für mehrere Kanäle gleichzeitig vorliegt (z.B. Snare-Top und Snare-Bottom, Overheads, mehrere Raum- und Effektkanäle). Die Addictive Drums sind in diesem Bereich noch sehr zurückhaltend, während die Libraries für den Toontrack Superior Drummer 2 den Sample-Wahnsinn auf die Spitze treiben und alle möglichen Übersprecher als separate Samples anbieten – so kann man beispielsweise die Lautstärke eines einzelnen Splash-Beckens im Kanalzug von Tom 5 anpassen.

Für den Import der Sounds in das Drumit Five muss man sich allerdings auf einen Mix aus diesen Einzelkanälen festlegen. Wenn ich am Ende einen Schlag auf meiner Snare mache, dann wird ja auch nur ein Sample abgespielt, und nicht 20 auf einmal. Das reduziert den Speicherbedarf schon einmal um ein Vielfaches. Abgesehen davon darf man nicht vergessen, dass die meisten Charaktersounds kurze Kick- oder Snare-Samples sind und weit weniger Platz beanspruchen als lang ausklingende Becken. Eine Snare mit einer Spielweise und 60 Velocity-Layern belegt im Speicher des DrumIt Five gerade einmal 30 MB, und wenn man die Werks-Sounds löscht (Backup nicht vergessen), ist da genug Platz.

Allerdings schlummert verborgen im Inneren des Sound-Moduls tatsächlich eine SD-Card, an die man als normalsterblicher Anwender nicht so einfach herankommt. Im Drummerforum habe ich von einigen Usern gelesen, die diese Karte durch eine größere ersetzt haben. Das scheint sogar zu funktionieren, ich persönlich lasse davon aber lieber die Finger.

Wie sind eure Erfahrungen mit VST-Sounds im Live-Einsatz? Diskutiert mit uns und anderen Usern in den Kommentaren.

Schöne Grüße,

Chris

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