Feature
4
28.06.2021

BIMM Institute’s Uwe Breunig erklärt die Besonderheiten des Hip Hop- und Reggae-Drumming

Uwe Breunig ist Schlagzeugdozent am BIMM Institute Hamburg, Europas größtem Musikinstitut mit Colleges in London, Brighton, Birmingham, Manchester, Bristol, Dublin, Berlin und Hamburg. Uwe ist außerdem Livedrummer von Kontra K und als Musical Director für wichtige Künstler und Bands wie Thomas Gansch Big Band, Gentleman, Neue Frankfurter Philharmoniker und Ivy Quainoo tätig. Für bonedo hat Uwe eine Reihe von Drum Tutorials kreiert, die sich auf das Hip Hop- sowie Reggae-Drumming spezialisieren. Wir haben mit Uwe über beide Genres und das Drumming gesprochen.

Was sind die Besonderheiten am Hip Hop Drumming?

Die größte Besonderheit ist, dass bei diesem Stil die Musik, bis auf den Gesang, von Maschinen verwertet und bearbeitet wurde. Das Sampling. Man hat durch Sampler der Musik quasi das „Human Feel“ entzogen und jetzt versucht man, dieses Gefühl wieder durch einen menschlichen Ansatz zu regenerieren. Irgendwie eine Symbiose zwischen Mensch und Maschine.

Was hat Dich dazu bewegt, Dich mit dem Hip Hop Drumming auseinanderzusetzen?

Ich wurde musikalisch in den 90er-Jahren sozialisiert, als vor allem durch MTV Genregrenzen langsam aufgebrochen wurden. Damals lief in den Indiediskos Nirvana, Primus, Rage Against The Machine, Chili Peppers, aber auch Arrested Development, Nas, Cypress Hill und die Fugees. Als ich dann das erste Mal die Roots gehört habe mit Questlove an den Drums, war ich weg. Zeitgleich sind aber Bands wie die Fantas, Freundeskreis oder Jazzkantine schon mit Liveband aufgetreten. Ich hatte schon 1998 meine erste Live-HipHop-Band.

In Deinem Hip Hop Tutorial sagst Du, dass Hip Hop Beats durch die Drum Machines einen eher mechanischen und "edgier" Sound erhalten - was ist Dein wichtigster Tipp für einen Schlagzeuger, der versucht, diesen Sound mit einem echten Drumset zu kreieren?

Vor allem viel Phantasie und Experimentierfreude. Dazu ist es absolut notwendig, dass man versucht, so konstant wie möglich in Time und Phrasierung zu spielen, um diesen Loopcharakter zu erzeugen. Und viel Hip Hop hören natürlich, aber das empfiehlt sich ja bei jeder Art von Musik!

Was sind die Besonderheiten am Reggae Drumming?

Reggae Drumming lebt einfach von diesem ganz speziellen Feel, wie „Time“ und „Groove“ funktionieren. Dazu gibt es ein ganz eindeutiges Vokabular, das du drauf haben musst, wenn es authentisch werden soll.

Was hat Dich dazu bewegt, Dich genauer mit dem Reggae Drumming zu beschäftigen?

Ich bin 2003 der Band von Mellow Mark beigetreten. Der hatte damals mit seinem ersten Album den Echo als „Bester Newcomer 2003“ bekommen. Musikalisch war das so eine Mischung aus World Music, Hip Hop und Reggae. Bis 2007 habe ich dann fast ausschließlich Reggae gespielt. Heute mach ich das immer noch gelegentlich als Aushilfe bei der Band Jamaram, wenn deren Schlagzeuger keine Zeit hat.

In Deinem Reggae Tutorial sagst Du, während des Spielens ist der Groove mit den anderen Musikern das Wichtigste. Was ist Dein Tipp, wie Schlagzeuger diesen natürlichen Groove erreichen können?

Ich habe relativ viel mit einem befreundeten Bassisten gejammt und die Musik ausgecheckt. Da es bei dieser Musik eher um „Feel“ und „Groove“ geht, ist es absolut sinnvoll, das gemeinsam zu üben. Vor allem mit einem Bassisten, denn das ist einer der wichtigsten Bausteine der Musik. Wenn du dann noch einen tighten Keyboarder hast, der amtlich Offbeats spielt, kann eigentlich fast nichts mehr schief gehen.

Du sagst auch, dass es ein Irrglaube beim Reggae Drumming sei, dass der Schlagzeuger immer gelassen und „laidback" spielen sollte. Warum denkst Du, dass das nicht unbedingt der Fall sein muss?

Weil es genügend Beispiele gibt, bei denen der Drummer quasi der Antreiber ist und der Rest der Band hängt hinten. Bestes Beispiel ist Carlton Barett von Bob Marley.

Denkst Du, dass es für jeden Drummer wichtig ist, verschiedene Stile zu beherrschen oder sollte man sich auf einen Drum-Stil spezialisieren?

Es geht meines Erachtens um die Frage, was man will. Wenn man ausschließlich Jazz spielen will, muss man nicht unbedingt Deathmetal-Beats spielen können. Aber ein gewisses Repertoire an Stilen sollte man schon beherrschen.

Was ist für Dich das Wichtigste, das Du an Deine Studierenden weitergibst und ihnen vermitteln möchtest?

Ich lege in erster Linie Wert auf eine wirklich fundamentale Basis. Ein gewisses Level an Technik muss jeder drauf haben. Das erfordert der Job, unabhängig von Stil und Geschmack. Dann ist es mir wichtig, den Studenten zu einer guten Übe-Routine zu verhelfen. Grundsätzlich versuche ich aber auch, immer ein offenes Ohr für die Interessen der Studierenden zu haben.

Du hast Interesse, mehr über das BIMM Institute und dessen Studiengänge zu erfahren? Erhalte mehr Informationen auf der Website oder besuche einen virtuellen Open Day!

Verwandte Artikel

User Kommentare