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Beyerdynamic TG D71c Test

Praxis

Beim Betrieb ist Plug’n’Play angesagt

Im Internet habe ich ein Video gefunden, in welchem kräftig auf das arme Beyerdynamic TG d71c getreten wird, sogar ein Auto soll das Gerät aushalten. Beides habe ich spaßeshalber umgesetzt, und siehe da: die Eisenscholle bleibt tatsächlich unbeeindruckt, zumindest mechanisch müsste man ihr massiv Gewalt antun, um sie zu beschädigen. Nun aber Schluss mit der Brutalität, wir wollen schließlich wissen, wie das Mikro klingt. Dazu schliesse ich es an meinen Preamp an und aktiviere die Phantomspeisung. Die Kontroll-LED erweist sich dabei als praktisch, gerade im Live-Betrieb ist jedes Gerät nützlich, was seinen Betriebszustand eindeutig anzeigt. Dadurch wird nicht nur die Suche nach eventuellen Fehlern in der Signalkette vereinfacht, im Fall unseres Testkandidaten dient die Lampe auch als schnelle Lokalisierungshilfe, beispielweise innerhalb einer großen Bassdrum auf dunkler Bühne. 

Fotostrecke: 2 Bilder So “installiert” man eine Grenzfläche: Reinlegen – fertig.

Als Kondensator-Mikrofon liefert das TG einen kräftigen Output, welcher deutlich über jenem der meisten Standard-Bassdrum-Mikrofone liegt. Und auch klanglich hebt es sich ab. Ein befreundeter Toningenieur hat Grenzflächenmikrofone mal als Karikaturen von typischen Bassdrum-Mics bezeichnet und obwohl das vielleicht etwas salopp ausgedrückt ist, muss ich ihm zumindest im Grundsatz beipflichten. Wie es das Frequenzdiagramm schon erahnen liess, gibt es mit dem TG D71c in beiden getesteten Bassdrums – einer Wahan 24×13 Acryl- sowie einer Drummers Project 22×18 Ahorn-Bassdrum – ordentlich Attack und einen deutlichen Schub im Bassbereich. Im Gegensatz zu manchen Konkurrenzprodukten klingt das Beyerdynamic allerdings nicht zu hart oder knallig, besonders in der eher offen gestimmten, Acryl-Bassdrum zeigt sich, dass unser Testkandidat auch den Mittenbereich recht natürlich rüber bringt. Hier kann es allerdings mit dem gleichzeitig als Referenz verwendeten Sontronics DM1-B nicht ganz mithalten. Wer das Beyer also als einziges Mikrofon verwenden möchte und einen möglichst natürlichen Kesselton der Bassdrum mag, wird vermutlich nicht ganz glücklich werden.
Anders sieht es aus, wenn es in Kombination mit weiteren Mikros verwendet wird. Zum Beispiel mit dem genannten Sontronics, einem EV ND 868 oder einem „Subkick“-artigen Modell wie dem Solomon LoFreQ. Auf diese Weise sind mir im Verlauf des Tests ganz großartig klingende Aufnahmen mit verschiedenen Bands und Drummern gelungen. Das Beyerdynamic fällt in der Bearbeitung durch einen sehr gutmütigen Umgang mit dem EQ-Einsatz auf, von sehr aggressiv bis „ploppend-schmatzig“ sind viele Anpassungen an den persönlichen Geschmack möglich. Auch für Metaldrummer, die den Einsatz von Triggern vermeiden möchten, dürfte das TG D71c gut geeignet sein. Hier hört ihr paar Klangbeispiele, ich habe euch sowohl das Referenz Sontronics als auch das Beyer jeweils solo, im Kontext mit den anderen Mikros am Kit, sowie in Kombination mit meinem Solomon-Subkick-Verschnitt aufgenommen. 

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Beyerdynamic TG D71c, 24-Zoll-Acryl-BD im Kontext Beyerdynamic TG D71c, 24-Zoll-Acryl-BD im Kontext + Subkick Beyerdynamic TG D71c, 24-Zoll-Acryl-BD solo Sontronics DM-1B, 24-Zoll-Acryl-BD im Kontext Sontronics DM-1B, 24-Zoll-Acryl-BD im Kontext + Subkick Sontronics DM-1B, 24-Zoll-Acryl-BD solo
Audio Samples
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Beyerdynamic TG D71c, 22-Zoll-Ahorn-BD im Kontext Beyerdynamic TG D71c, 22-Zoll-Ahorn-BD im Kontext + Subkick Beyerdynamic TG D71c, 22-Zoll-Ahorn-BD solo Sontronics DM-1B, 22-Zoll-Ahorn-BD im Kontext Sontronics DM-1B, 22-Zoll-Ahorn-BD im Kontext + Subkick Sontronics DM-1B, 22-Zoll-Ahorn-BD solo

Nicht nur in der Bassdrum liefert das Beyerdynamic interessante Ergebnisse

Als Cajon-Mikrofon ist es besonders aufgrund seiner Bauart interessant, der Verzicht auf Stative erleichtert den Job des Live-Mischers erheblich. Im Studio ist jedoch der Einsatz eines weiteren Mikrofons ratsam, alleine eingesetzt fehlen hier einfach die wichtigen Mittendetails. Experimentierfreudig wie ich bin, habe ich euch unten auch ein Klangbeispiel als eine Art FOK (front of kit) Mikrofon aufgenommen. Hier gefällt mir der schmatzige Bass, von Vorteil ist auch, dass eventuelles Tom-Gebrumme nicht so stark in den Vordergrund tritt. Zu guter Letzt habe ich mir den Spaß erlaubt, das Test-Exemplar auf mein Snarefell zu legen. Das Ergebnis ist spannend, der leicht komprimierte Anschlag in Verbindung mit dem Umstand, dass das Mikrofon die Hi-Hat sehr präsent abbildet, erzeugt einen leicht künstlichen Touch, der durch fleissigen Kompressor- und Transientdesigner-Einsatz aufs Schönste modelliert werden kann. Dass wir mit derartigen Eskapaden die alte Schule der Tontechnik verlassen, versteht sich aber hoffentlich von selbst. 

Audio Samples
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Beyerdynamic TG D71c, 22-Zoll-Ahorn-BD FOK im Kontext Beyerdynamic TG D71c, 22-Zoll-Ahorn-BD FOK solo Beyerdynamic TG D71c, Cajon Beyerdynamic TG D71c, Snare im Kontext Beyerdynamic TG D71c, Snare solo
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