Test
2
31.07.2018

Praxis

Verwendungszweck

Als Kopfhörer geschlossener Bauart ist der Audio-Technica ATH-M60X prinzipiell zum Monitoring im Studio sowie für diverse Einsatzszenarien (Editieren, Programmieren, Musizieren, Musik hören) in lauter Umgebung geeignet. Der direkte Vergleich zu allen meinen geschlossenen Kopfhörern, die ich im Studio verwende (Audio-Technica ATH-M50, Ultrasone Pro 580i, Superlux HD-660), offenbart eine etwas weniger effektive Dämmung als bei den genannten Modellen. Für sensible Mikrofonierungen unter hoher Abhörlautstärke, wie es bei einigen Musikern der Fall sein kann, oder dem Monitoring in einer besonders lauten Umgebung gibt es Kopfhörer, die ggf. etwas geeigneter sind. Aufgrund seiner universell verwendbaren Wiedergabeeigenschaften kann ich mir die gewinnbringende Unterstützung bei Mix und Mastering durchaus vorstellen.

Tragekomfort

Kopfhörer mit ohraufliegenden Ohrmuscheln sind nicht jedermanns Sache, wobei der ATH-M60X von Audio-Technica ein herausragend komfortables Beispiel innerhalb dieser Gattung sein dürfte. Das liegt an den sehr weichen und äußerst großzügig gepolsterten Ohrpolstern im Zusammenspiel mit einem vergleichsweise laschen Anpressdruck. Der hohe „Schmusefaktor“ hat allerdings zur Folge, dass der Kopfhörer nicht so sicher auf dem Kopf sitzt, wie es bei manch einem anderen geschlossenen Kopfhörer der Fall ist. Bei schnellen Bewegungen besteht die Gefahr, dass der Kopfhörer verrutscht oder gar herunterfällt. Unter „normalen“ Studiobedingungen sollte dies aber kein Problem darstellen (im Broadcast-Team auf der Jagd nach Bankräubern oder Justin Bieber vielleicht schon eher). Die Anpassung an die Anatomie und Größe des Kopfes funktioniert dank der in zwei Ebenen beweglich gelagerten Ohrmuscheln und des simplen Mechanismus zur Größenanpassung problemlos. Allerdings wären mir eine etwas schwergängigere Rasterung, die nicht nach jedem Absetzen neu justiert werden muss, lieber. Insgesamt hinterlässt der ATH-M60X in dieser Kategorie aber einen sehr positiven Eindruck.

Klang des Audio-Technica ATH-M60X

Der Audio-Technica ATH-M60X wurde für diesen Test an folgenden Kopfhörerausgängen bzw. Verstärkern betrieben:

iPhone SE

UAD Apollo 8

SPL 2Control

Lake People G93

Neben diversen akustischen Experimenten (Sinus-Sweeps, übliche DAW-Tätigkeiten) habe ich einen stilübergreifenden Mix eigener und fremder Produktionen über den ATH-M60X angehört und analysiert. Frequenzgang Die Frequenzwiedergabe des ATH-M60X ist im positiven Sinne sehr unaufgeregt und frei von unangenehmen Überzeichnungen oder Maskierungen – toll! Im direkten Vergleich zu meinem ATH-M50 (altes Modell) ist der Bass spürbar aufgeräumter, ohne dass es an Druck oder Subbass mangelt. Die Wiedergabe der Mitten erfolgt sehr detailliert, nicht im Sinne von angehoben, sondern transparent mit gut separierbaren Frequenzbereichen. Die Höhen klingen fein aufgelöst, frisch und präsent, ohne dabei für mein Empfinden überbetont zu sein, wobei hier die Geschmäcker und Hörpräferenzen schon einmal auseinandergehen können. Somit gebe ich an dieser Stelle zu Protokoll, dass der ATH-M60X eine spürbar präsentere Abbildung dieses Frequenzbereichs bietet, als es beispielsweise bei verschiedenen Modellen des Herstellers Focal (z. B. Listen Professional) der Fall ist.

Impulsverhalten

Hoch- wie auch tieffrequente Impulse schwingen authentischer ein und aus, als es für einen reinen Monitoringkopfhörer erforderlich wäre, was eine tolle Eigenschaft für klangliche Beurteilungen und Bedroom-Producing ist und auch zum Abhören mit mäßiger Lautstärke animiert. Die Verwendung in einer sehr lauten Umgebung könnte unter entsprechender Anpassung der Wiedergabelautstärke zu einem etwas anstrengenden Hörerlebnis führen.

Räumliche Abbildung

In dieser Disziplin ordnen sich geschlossene Kopfhörer fast immer hinter ihren Artgenossen in der offenen Bauweise ein. Der ATH-M60X liefert eine präzise Lokalisation einzelner Ereignisse in der für Kopfhörer vollkommen normalen, leicht unnatürlichen Darstellung mit extremen Pannings, was besonders auf Kopfhörer geschlossener Bauart zutrifft. Dabei empfinde ich die gegenüber dem ATH-M50 etwas engere Stereobühne (die Stereomitte des 60ers ist zudem etwas eingebetteter) als deutlich authentischer. Eine zusätzliche, deutliche Steigerung des natürlichen Raumeindrucks erfährt der ATH-M60X unter Verwendung der Crossfeed-Funktion meines SPL-Controllers. In Verbindung mit der gelungenen Frequenzseparierung hat man mit dem kompakten Audio-Technica-Kopfhörer einen überraschend analytischen Blick auf das Klanggeschehen.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare