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Artec Echo Sweller Test

PRAXIS

Repeat
Den Praxisteil wollen wir mit dem nüchternen Erforschen der einzelnen Regler starten, also mit klassischem Learning by Doing. Fangen wir mit der Anzahl der Echowiederholungen und deren Klang an. Bei minimaler Einstellung des Repeat-Reglers erhalten wir exakt eine Wiederholung, dreht man weiter auf, werden es naturgemäß mehr. Allerdings verändert sich der Klang bei höheren Werten. In der 12-Uhr-Einstellung sind wir bei sieben Wiederholungen angelangt, hier sind die ersten drei noch recht laut, dann sinkt der Pegel relativ stark. Auch der Sound verändert sich. Schon zu Beginn erhalten wir im Vergleich zum Originalsignal einen Ton mit weniger Höhen, bei den späteren Wiederholungen wird er noch etwas mehr gefiltert und klingt tatsächlich wie ein typisches Analogdelay aus den guten alten Zeiten. Wer den Repeat-Regler weiter aufdreht, generiert ab 16 Uhr den Klang eines sich aufschaukelnden Delays, das dann nur zu bremsen ist, wenn man das Poti wieder zurückdreht. Ein beliebter Effekt, den mittlerweile sehr viele Rockbands am Ende ihres Konzerts einsetzen, und hier macht auch der Echo Sweller seinem Namen alle Ehre. Ihr hört bei den folgenden Beispielen drei Einstellungen des Repeat-Reglers auf 7, 12 und 16 Uhr. Bei der letzten Einstellung habe ich ihn zum Schluss noch bis auf 17 Uhr hochgedreht, damit das Echo-Feedback erzeugt wird, zum Ausklingen ging es wieder zurück.

GitarreLevelTimeRepeat
ES-33512127-12-16
Audio Samples
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Repeat 7 Repeat 12 Repeat 16

Bei genauem Hinhören fällt leider auf, dass der Ton zwar vintagemäßig warm klingt, aber auch recht viel Rauschen bei den Echowiederholungen in petto hat. Natürlich ging bei den alten Originalen auch nichts ohne Rauschen, aber bei unserem Kandidaten ist mir persönlich etwas zu viel davon im Spiel. Bei geringem Effektlevel fällt das nicht so sehr ins Gewicht, arbeitet man aber mit laut eingestellten Delays, könnte es mit der Zeit etwas nerven.
Wie bei seinen Kollegen ist auch beim Echo Sweller der Schalter nicht knackfrei. Bei einem Pedal für knapp hundert Euro sollte das kein Beanstandungsgrund sein und es ist zu hoffen, dass der Hersteller an diesem Punkt nachrüstet.   


Level
Die Lautstärke des Echo-Signals wird mit dem Level-Regler dem direkten Signal hinzugemischt. Bei komplett zurückgenommenem Regler kommt kein Echo aus der Kiste, es geht erst bei einer Einstellung ab 8 Uhr los. Hier ist der Effekt nur sehr leise zu hören, richtig wahrnehmbar wird er ab ca. 9 Uhr. Dann geht es recht linear weiter und bei etwa 13 Uhr erreicht man Gleichstand, das heißt, die erste Echowiederholung hat in etwa die gleiche Lautstärke wie das Originalsignal. Bei höheren Einstellungen überholt das Echo dann in der Lautstärke das Originalsignal. Für mein Empfinden könnte der Regelweg vom leisen Echo bis zum Gleichstand länger sein, um den Effekt feinfühliger justieren zu können, denn Einstellungen mit einem lauteren Echosignal als der Originalsound werden nur selten genutzt. Ihr hört nun vier verschiedene Einstellungen des Effektlevels, zuerst 9, dann 12, 14 und 17 Uhr.

GitarreLevelTimeRepeat
ES-3359-12-14-171210
Audio Samples
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Level 9 Level 12 Level 14 Level 17

Time
Die Verzögerungszeit kann laut Hersteller stufenlos zwischen 30 ms (Linksanschlag) und 400 ms (Rechtsanschlag) eingestellt werden. Bei zurückgenommenem Time-Regler erhält man einen ähnlichen Klang wie in einem kleinen Raum mit schnellen Erstreflexionen. Die Verzögerungszeit lässt sich dann relativ linear einstellen. Beim Messen dieses Wertes scheint dem Hersteller allerdings ein Fehler unterlaufen zu sein, denn er hat beim Maximalwert runde 50 ms unterschlagen, die längste Verzögerungszeit ist nach meinen „Messungen“ 450 ms. Das entspricht einer Viertelnote bei 133 BPM und in diesem Tempo spielt das Delay beim nächsten Beispiel beim maximalen Wert des Time-Reglers. Vorher hört ihr aber noch die Einstellungen 7, 9 und 12 Uhr.

GitarreLevelTimeRepeat
ES-335127-9-12-1710
Audio Samples
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Time 7 Time 9 Time 12 Time 17

Sounds
So weit, so gut. Jetzt haben wir alle Eckpunkte abgesteckt und nun geht es daran, einmal auszuprobieren, was man mit dem kleinen Aluminiumkasten so alles anstellen kann. Mit der kurzen Verzögerungszeit können natürlich sehr knackige Slapback-Delays erzeugt werden. Für Surf und Rockabilly ist der Echo Sweller gut geeignet, beim folgenden Beispiel habe ich den Effektanteil schon hoch angesetzt, aber lediglich eine Echowiederholung eingestellt, dann die Gretsch ausgepackt und den Amp leicht angezerrt. Das Pedal ist übrigens vor den Verstärker geschaltet. Zwar gehört das Delay normalerweise in den Einschleifweg zwischen Vor- und Endstufe, damit die Verzerrung vor dem Echo stattfindet, aber für diesen Sound funktioniert es auch sehr gut in diese Richtung.

GitarreLevelTimeRepeat
Gretsch Electromatic128,58
Audio Samples
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Slapback

Mit der ganz kurzen Verzögerungszeit kann man den Nachhall eines kleinen scheppernden Raums mit den lauten ersten Reflexionen imitieren. Das kommt ganz gut bei leicht angezerrten bluesigen Rhythmus-Sounds.

GitarreLevelTimeRepeat
Telecaster1179
Audio Samples
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Room Crunch

Tempo-Delays à la The Edge oder David Gilmour funktionieren natürlich auch, allerdings mit zwei Nachteilen. Zum einen kann das Tempo nicht exakt eingetappt, sondern muss mit viel Fingerspitzengefühl am Regler eingestellt werden. Das ist eigentlich nicht weiter dramatisch, bei den Bandechos und Analogdelays der frühen Jahre gab es auch keine Tap-Funktion, und der Echo Sweller orientiert sich schließlich an diesen Vintage-Delays. Stellt man aber das Echo auf die gleiche Lautstärke wie das Originalsignal, wird das Rauschen recht dominant.

GitarreLevelTimeRepeat
Stratocaster141211
Audio Samples
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Tempo Delay

Bei dezenter eingestellten Delays kann unser Proband wieder in Standardsituationen punkten. Wie hier bei einem Solosound mit vorgeschaltetem Distortion-Pedal.

GitarreLevelTimeRepeat
Les Paul9,51311
Audio Samples
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Lead Delay
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