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Feature
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19.02.2018

Armin Metz: Bass-Kunst im Wald!

Der Bassist nahm seinen Song bei einem nächtlichen Waldspaziergang auf

Armin Metz ist für mich ein wichtiger Vertreter jener recht kleinen Bassistengruppe, die sich absolut kompromisslos der Musik als wahre Kunstform im eigentlichen Sinne verschrieben hat. Ich kenne den Hildesheimer Bassisten bereits seit den späten 1990er-Jahren, als er regelmäßig die exquisiten Bässe des slowakischen Edelherstellers Neuser auf dessen Messestand präsentierte. Schon damals galt Armins Interesse der Weltmusik und er beeindruckte die Messebesucher mit Eigenkompositionen auf dem Bass, bei denen er sich einer hochentwickelten Slap- und Tappingtechnik bediente, die aber niemals Selbstzweck war. Stets stand bei seinem Spiel die Musik im Vordergrund!

Leben für die Kunst?

Zu keinem Zeitpunkt habe ich seither mitbekommen, dass der gertenschlanke Musiker irgendein Projekt aus monetären Gründen (Cover-, Galaband etc.) verfolgt hätte. Vielmehr war er über all die Jahre mit den unterschiedlichsten Weltmusik- bzw. Ethno-Projekten international auf Tour und im Studio. Nebenher beglückte er die Szene aber auch immer wieder mit seinen tollen Eigenkompositionen auf dem Bass, zu denen er auch Videos produzierte, die man auf seiner Homepage sehen kann.

Das Rad der Zeit vorgespult ins Jahr 2018, war ich wirklich hocherfreut, als ich im Januar diesen Jahres zufällig auf ein neues Bassvideo stieß, welches denselben sehr individuellen und hoch künstlerischen Ansatz von Armins Bassspiel zeigte, den ich schon bei unseren ersten Begegnungen kennenlernen durfte. Das Video zu seiner Komposition "Back In The Jungle" zeigt den drahtigen Musiker bei einem nächtlichen Waldspaziergang, in dessen Verlauf er das Stück live über ein Zoom H5-Audiorecorder einspielt.

Besonderes Werkzeug!

In Armins geschickten Händen sehen wir seinen sechssaitigen Cliffhanger-Bass von Neuser, den er sich vor vielen, vielen Jahren als portablen Reisebass anfertigen ließ. Das Instrument besitzt einen auffallend kleinen Body und keine Kopfplatte (ähnlich Steinbergers legendärem L2 von 1979), um im Bus oder im Flugzeug nicht viel Platz einzunehmen. Da Armin das Instrument während seiner langen "bass retreat"-Reisen schon auf Höhen von über 4000 Meter mit sich geführt hat, dürfte ihm auch das sehr geringe Gewicht nicht unwichtig sein.

Nicht ganz zufällig klingt der mit Delano-Pickups bestückte und mit Elixir-Saiten bespannte Bass aber auch ausgesprochen homogen und ausgewogen. Diese Sonderanfertigung ist eben nicht nur ein Übebass für Unterwegs, sondern ein ernstzunehmener, hochkarätiger E-Bass! Kaum eine Saite oder ein besonderer Griffbrettbereich scheint akustisch abzufallen. Deadspots? Fehlanzeige - wohl nicht zuletzt aufgrund des fehlenden Headstocks. Angesichts eines derart exquisiten Instruments bietet es sich quasi an, gleich auch Aufnahmesessions an den abgelegenen Orten durchzuführen, an die es Armin nun einmal regelmäßig zieht.

Total Control!

Womit wir bei einem weiteren Punkt sind: Wer schon einmal beim Spielen gelaufen ist, etwa bei einem Sprint vom einen zum anderen Bühnenende, der wird wissen, wie schwierig es ist, hier die gleiche Lockerheit und Kontrolle über den Ton zu behalten wie im Sitzen oder Stehen. Die traumwandlerische Sicherheit, mit der Armin "Back In The Jungle" mit seinen schwierigen Akkord- und Tappingpassagen darbietet, während er nachts ein Waldgebiet durchstreift, ist schon wirklich beachtlich.

Ich ziehe meinen Hut, lieber Armin - und ich hoffe, dass du und dein Bass noch viele ungewöhnliche Orte zusammen bereisen werdet!

Viel Spaß mit dem Video!

Lars Lehmann, Leiter Bassredaktion

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