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API 565 Filter Bank Test

Praxis

In seinem grunsätzlichen Layout unterscheidet sich der 565 ein wenig von anderen Kassetten. Es gibt keinen globalen Bypass, sondern jede einzelne seiner drei Funktionsgruppen verfügt über einen solchen. Das ist zunächst ein kleines bisschen unübersichtlich, zumal das Modul keinerlei Status-LEDs aufbieten kann, welche seine Betriebszustände optisch mitteilen könnten.

Leider werden die Schaltzustände nicht von LEDs angezeigt.
Leider werden die Schaltzustände nicht von LEDs angezeigt.

Aber das ist eigentlich schon alles, was man an Kritik über diese Kassette zum Ausdruck bringen kann. Ihr Grundklang hat dieselbe druckvolle Qualität, die man aus dem Hause API gewohnt ist, hier machen sich der 2520 und der Übertrager definitiv bemerkbar. Der Sound bleibt stets elegant geschmeidig, allerdings mit der rockigen Direktheit, welche schon immer den API-Ton ausgemacht hat. Der Apfel fällt also auch hier nicht weit vom Stamm, das ist ganz klar die typische Klammer der API-Ein- und -Ausgangsstufen, in die der Hersteller seine signalverarbeitenden Schaltkreise einpackt.

Audio Samples
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Drumloop HPF Drumloop LPF Gitarre HPF Noise, HPF und LPF, jeweils erst sanft dann steil Noise, Notchfilter, erst breit dann schmal Vocals Original Vocals Telefoneffekt

Im Prinzip folgen die Cut-Filter diesem Grundcharakter praktisch eins zu eins. Sie greifen enorm gut, arbeiten also extrem effektiv, auf der anderen Seite bleibt das Ergebnis natürlich und klingt nicht „gefiltert“ im Sinne eines Filter-Effektgerätes, das absichtlich Soundveränderungen erzeugen soll. Diesem Klangeindruck kommen sicherlich die eher sanften Flankensteilheiten von 6 bis 18 dB/Oktave zugute. Insbesondere in den Höhen machen sich Einsätze von Filtern höherer Ordung schnell als „Effekt“ bemerkbar, den man nicht immer in Kauf nehmen möchte, wenn man einfach Probleme ausblenden und dabei das Nutzsignal erhalten möchte. Dieses Spannungsfeld zwischen robustem Eingriff und naturbelassenem Sound illustrieren die Soundbeispiele mit dem Pink Noise sehr gut – diese Sweeps geben schon mal einen ordentlichen Überblick über die Frequenzbereiche und die Effektivität der Cut-Filter, gerade auch bei den unterschiedlichen Flankensteilheiten.

Standardaufgaben, gut umgesetzt: Die Filterbank von API.
Standardaufgaben, gut umgesetzt: Die Filterbank von API.

Bleibt die Frage, wo ein solches Filter Nutzen bringt, in einer Zeit, in der jede DAW solch vermeintlich simple Filter gleich tausendfach berechnen kann. Hier gibt es jedoch einen ganzen Strauß Antworten: Nicht jeder Preamp verfügt über einen eigenen Lowcut (Highcut schon gar nicht…), man kann also mit dem API analog Signale wegfiltern, bevor sie die DAW bzw. den Wandler überhaupt erreichen. Oder man möchte innerhalb einer analogen Kette Probleme beseitigen, die in derselben überhaupt erst entstanden sind. Viele Verzerrer und auch die meisten Vari-Mu-Kompressoren generieren Infraschall-Rumpeln, wo vorher keines war, und bisweilen möchte man dies vor dem nächsten (analogen) Gerät wieder loswerden, etwa damit ein nachfolgender Kompressor nicht auf ebenjene Signalanteile reagiert. In einigen Fällen – siehe das Gitarrenbeispiel – kann dieses Filter auch einen gewöhnlichen EQ ersetzen und ein Signal in den Mix einbetten, auf sehr intuitive und direkte Weise. Und dann kann man die Filter auch noch kreativ einsetzen, zum (Drum-)Loopdesign beispielsweise. Gerade Drumsignalen steht der API-Soundcharakter sehr gut, und da macht auch der 565 keine Ausnahme. In der Praxis wird man in den allermeisten Fällen mit den beiden High- und Lowcuts arbeiten. Das Notchfilter reagiert etwas eigenwillig und bietet sich eher für speziellere Fälle an.

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